Die Deutsche Telekom drückt beim Aufbau schneller Mobilfunknetze aufs Tempo. Noch in diesem Jahr will sie mehr als 100 deutsche Städte mit dem neuen Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) versorgen. Den Anfang machte der Konzern in Köln, wo der Vorstandsvorsitzende René Obermann das Netz am Mittwoch offiziell in Betrieb genommen hat. Als nächste Städte stünden Berlin, Hamburg, München und Frankfurt auf der Ausbauliste, sagte er. In Köln soll die Vermarktung Anfang Juli beginnen. Mit dem Anschluss weiterer Städte will die Telekom im Herbst einen LTE-Tarif einführen, der im Monat 89,95 Euro für 50 Gigabyte Datenvolumen kosten soll.
Nach den Milliardeninvestitionen in neue Mobilfunkfrequenzen drängen die Telefonkonzerne allesamt mit Hochdruck auf den Markt für schnelles mobiles Internet. Allein die Telekom hatte vor einem Jahr 1,3 Milliarden Euro für zusätzliches Spektrum ausgegeben. Insgesamt haben die vier deutschen Mobilfunkbetreiber in der Auktion mehr als vier Milliarden Euro bezahlt. Diese Ausgaben sollen nun möglichst schnell wieder hereingeholt werden. Dafür müssen die Ballungsräume rasch erschlossen werden, denn nur dort ist die Nachfrage nach LTE hoch genug.
Vodafone betreibt sein Berliner LTE-Netz schon im 800-Megahertz-Bereich
Der Konkurrent Vodafone hat ein LTE-Netz in Berlin freigeschaltet; im Juli will Telefónica (früher O2) in den ersten Städten mit LTE an den Start gehen. Einzig E-Plus zögert noch mit der Einführung der neuen Technologie und rüstet sein Netz stattdessen mit konventioneller Technik auf höhere Geschwindigkeiten auf.
Die Telekom fährt ihr Kölner LTE-Netz auf Frequenzen von 1800 Megahertz. Das teuer ersteigerte Spektrum im Bereich um 800 Megahertz, die sogenannte digitale Dividende, dürfen die Unternehmen vorläufig nur in ländlichen Gebieten einsetzen. Erst wenn dort die weißen Flecken ohne Breitbandversorgung beseitigt sind, dürfen diese Frequenzen in den lukrativeren Ballungsräumen verwendet werden. Ausnahmen sind die bereits flächendeckend versorgten Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. So betreibt Vodafone sein Berliner LTE-Netz schon im 800-Megahertz-Bereich. Rund 20.000 Haushalte würden dort bisher erreicht, sagte ein Sprecher. In zwei weiteren Großstädten stehe Vodafone kurz vor der Ausbauentscheidung.
Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit in der Sekunde
In den Flächenländern dürften die verbleibenden weißen Flecken Anfang 2012 getilgt sein, so dass auch dort die digitale Dividende für die Städte freigegeben wird. Das dürfte den Planungen neuen Schub geben. Weil die 800-Megahertz-Frequenzen weiter reichen, müssen weniger Sendemasten errichtet oder nachgerüstet werden, so dass die Kosten für den Netzausbau sinken. In Köln hat die Telekom bisher 100 LTE-Stationen in Betrieb genommen. Etwa 120 Kilometer Glasfaserkabel sorgen für die Vernetzung und den Weitertransport der Daten. Die Investitionskosten gab die Telekom mit rund fünf Millionen Euro an. Die bisherige Netzstruktur sei nur ein Anfang, sagte Obermann. Weil das Datenaufkommen im mobilen Internet rapide steige, werde man nach und nach zusätzliche Basisstationen benötigen. Was ein flächendeckender LTE-Ausbau in Deutschland kosten wird, wollte Obermann nicht sagen. Diese Ausgaben seien aber in den insgesamt zehn Milliarden Euro enthalten, welche die Telekom in den kommenden drei Jahren in das deutsche Netz investieren werde. Dazu gehöre auch die Verlegung von schnellen Glasfaserleitungen in die Kundenhaushalte, sagte Deutschland-Chef Niek Jan van Damme. Bis Ende des Jahres werde die Telekom 160.000 Haushalte in zehn Städten angeschlossen haben. Auf der Liste für dieses Jahr stehen Braunschweig, Brühl, Hannover, Hennigsdorf, Neu-Isenburg, Kornwestheim, Mettmann, Offenburg, Potsdam und Rastatt.
„Das mobile Internet bekommt eine ganz neue Dimension“, schwärmte Obermann über die Leistungsfähigkeit von LTE. Unter optimalen Bedingungen sind damit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit (Mbit) in der Sekunde möglich, die bisher nur über Kabel oder Glasfaser erreichbar sind. In der Praxis allerdings werden sich die Mobilfunkkunden mit deutlich geringeren Geschwindigkeiten zufriedengeben müssen. Im Normalfall könnten die Nutzer bis zu zehn Mbit je Sekunde erwarten, sagte van Damme. Auch das ist bereits ein Vielfaches der Leistung, die herkömmliche Anschlüsse bieten. Van Damme räumte allerdings ein, dass viele Kunden noch keinen Bedarf für derartig hohe Bandbreiten sähen. Schon der teure LTE-Tarif dürfte die Begeisterung dämpfen. „Das ist ein Premium-Produkt und auch so bepreist“, sagte der Telekom-Vorstand. Größtes Handikap für die Vermarktung ist allerdings, dass es bisher keine LTE-fähigen Handys und Tabletcomputer gibt. Die Telekom und Vodafone können ihren Kunden nur Surfsticks für den Laptop anbieten. Erst im Frühjahr 2012 sollen LTE-Smartphones auf den Markt kommen.
