27.07.2007 · Unter den hohen Ölpreisen leiden die Ölkonzerne nicht. Shell profitiert von höheren Margen im ersten Halbjahr. Exxon Mobil erleidet zwar einen Gewinnrückgang. Aber das liegt am Erdgas und nicht am Öl.
Von Ulrich Friese und Roland LindnerDer größte amerikanische Ölkonzern Exxon-Mobil hat einen ungewohnten Gewinnrückgang gemeldet. Aufgrund einer schwächeren Entwicklung im Erdgasgeschäft fiel das Ergebnis im zweiten Quartal etwas niedriger aus als im Vorjahr. Freilich war der Nettogewinn mit 10,3 Milliarden Dollar noch immer sehr hoch, im Vorjahr wies Exxon-Mobil aber sogar 10,4 Milliarden Dollar aus.
Die Wall Street zeigte sich enttäuscht von den Zahlen, der Aktienkurs verlor am Donnerstag im Handelsverlauf zeitweise mehr als 3 Prozent an Wert und notierte um 90 Dollar. Auf bessere Resonanz stieß der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch Shell, dessen Aktie im Plus notierte, nachdem das Unternehmen einen kräftigen Gewinnsprung meldete.
Erster Rückgang für Exxon seit drei Jahren
Exxon-Mobil kämpft mit hohen Vorgaben aus dem Rekordjahr 2006: Der Konzern hatte damals im Zuge der hohen Ölpreise insgesamt einen Gewinn von 39,5 Milliarden Dollar ausgewiesen. Das war der größte jemals von einem Unternehmen ausgewiesene Gewinn. Noch im ersten Quartal dieses Jahres konnte Exxon-Mobil den Vorjahreswert übertreffen und schaffte einen Gewinnzuwachs um 10 Prozent. Der nun ausgewiesene Rückgang ist der erste seit drei Jahren.
Ein kräftiges Minus meldete Exxon-Mobil im wichtigsten Geschäft mit der Förderung von Öl und Erdgas (Upstream), wo der Gewinn um 17 Prozent auf 6,0 Milliarden Dollar einbrach. Exxon-Mobil führte dies auf eine niedrigere Nachfrage nach Gas in Europa und rückläufige Produktionsmengen zurück.
Höherer Gewinn an der Tankstelle
Deutlich zulegen konnte das Unternehmen dagegen im sogenannten Downstream-Geschäft, zu dem die Weiterverarbeitung von Rohöl in Raffinerien sowie der Vertrieb an Tankstellen gehören. Hier stieg der Gewinn um 37 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar.
In der dritten Unternehmenssparte Chemikalien schaffte Exxon-Mobil einen Anstieg im Gewinn von 21 Prozent auf 1 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie von Exxon-Mobil betrug im zweiten Quartal 1,83 Dollar und lag damit um 13 Cent unter den durchschnittlichen Analystenschätzungen. Der Umsatz schrumpfte um ein Prozent auf 98,4 Milliarden Dollar.
Hohe Margen für Shell
Auch Royal Dutch Shell profitierte in erster Linie von den hohen Margen im Raffineriegeschäft und steigerte seinen Gewinn um fast ein Fünftel von 7,3 Milliarden auf 8,7 Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro). Der für die Branche relevante Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten legte um 18 Prozent auf 7,6 Milliarden Dollar zu.
Diesen Wert besserten dabei Erlöse von 660 Millionen Dollar durch den Verkauf diverser Geschäftseinheiten auf. Bereinigt um diesen Sondereffekt, wuchs der Betriebsgewinn im zweiten Quartal um 5 Prozent auf 6,9 Milliarden Dollar. Mit diesem Quartalsergebnis konnte Royal Dutch Shell nunmehr zum achten Mal in Folge die Erwartungen der britischen Finanzszene übertreffen. Der Kurs der in London notierten A-Aktien, der seit Jahresbeginn um 13 Prozent gestiegen war, erhöhte sich abermals um zeitweise 2,5 Prozent.
Shell vergrößert den Abstand zu BP
„Unser Ergebnis kann sich im Branchenvergleich sehen lassen“, sagte Jeroen van der Veer, Vorstandsvorsitzender von Royal Dutch Shell. Das dürfte vor allem als Seitenhieb gegen den Erzrivalen British Petroleum (BP) zu verstehen gewesen sein.
Tony Hayward, neuer Vorstandsvorsitzender von BP, musste vor zwei Tagen über sinkende Raffineriemargen berichten. Der Quartalsgewinn von BP legte nur leicht zu. Der mäßige Geschäftsverlauf resultierte aus internem Missmanagement, das bei BP zum Wechsel an der Spitze und zum Konzernumbau führte (F.A.Z. vom 25. Juli).
Erdgas ist weniger gefragt
Bei Royal Dutch Shell konnte das florierende Raffineriegeschäft eine schwache Entwicklung der Öl- und Gasproduktion ausgleichen. So fiel in den vergangenen drei Monaten die Tagesproduktion des Konzerns um 2 Prozent auf 3,2 Millionen Barrel (ein Barrel entspricht 159 Litern) zurück. Bis Jahresende soll die Zielmarke von 3,4 Millionen Barrel erreicht werden.
Ebenso wie Exxon-Mobil führte auch Shell eine gefallene Gasnachfrage aufgrund des milden Winters in Europa als Grund für den Rückgang an. Andererseits belasten die politischen Unruhen in Nigeria die Planungen der Strategen. In der Krisenregion, wo Shell-Mitarbeiter fast täglich von Entführungen bedroht sind, betrug nach Angaben van der Veers der Wegfall der Tagesproduktion 195 000 Barrel.
Provokative Titelzeile ohne direkten Bezug
Jan Wacker (Janny-HH)
- 27.07.2007, 15:21 Uhr
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