Die Pläne für den milliardenschweren Börsengang Essener Spezialchemiekonzerns Evonik stehen offenbar kurz vor dem endgültigen Aus. In den Gesprächen der Banken mit Investoren sei die angestrebte Mindestbewertung für den Gesamtkonzern von 15 Milliarden Euro bislang deutlich verfehlt worden, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag aus Kreisen des Kuratoriums des Evonik-Mehrheitseigners RAG-Stiftung. Die Bewertung liege derzeit eher bei 12 Milliarden Euro, hieß es.
Damit würde den Evonik-Eignern - neben der RAG-Stiftung ist dies der Finanzinvestor CVC - nicht genug Geld in die Kassen gespült. Am Montag in einer Woche wolle das Kuratorium abermals über die Börsenpläne beraten, hieß es nun. Ein Sprecher der RAG-Stiftung wollte die Angaben nicht kommentieren. Fest steht, dass das Kuratorium der RAG-Stiftung (Anteil: 74,99 Prozent) am Sonntag in einer Telefonkonferenz noch immer keine abschließende Entscheidung über den Umfang des Börsengangs getroffen hat. Vielmehr hieß es, man behalte sich wegen der Lage an den Finanzmärkten weiterhin einen Abbruch der Vorbereitungen vor.
In der kommenden Woche sollen zunächst weitere Gespräche folgen. Damit ist der ursprüngliche Zeitplan, der eine Erstnotiz zum 25. Juni vorsah, nicht mehr zu halten. Evonik gilt mit einem Umsatz von 14,5 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis vor Abschreibungen und Sondereinflüssen (Ebitda) von 2,8Milliarden Euro im vergangenen Jahr als lukratives Investment und Kandidat für den Deutschen Aktienindex Dax. Ein Börsengang mit einem Drittel der Anteile wäre der größte Börsengang in Deutschland seit zwölf Jahren.
Derzeit lässt sich nur mit Blasen Geld erwirtschaften
Erik Staack (E_Staack)
- 11.06.2012, 10:30 Uhr
