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Milliardengrab bei Zukauf Hewlett-Packard fühlt sich von Autonomy betrogen

 ·  Eine Milliardenabschreibung auf das 2011 zugekaufte Softwareunternehmen beschert dem Technologiekonzern hohe Verluste. Autonomy soll nach den Vorwürfen von HP die Bilanzen geschönt haben.

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Die Serie schlechter Nachrichten beim amerikanischen Technologiekonzern Hewlett-Packard (HP) Co. reißt nicht ab: HP verbuchte zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate eine Abschreibung in Milliarden-Dollar-Höhe, die dem Unternehmen einen abermaligen hohen Quartalsverlust bescherte. Diesmal nahm HP eine Firmenwertabschreibung auf das erst 2011 zugekaufte britische Softwareunternehmen Autonomy vor - und trat gleichzeitig eine Bilanzierungsaffäre los.

Der Konzern beschuldigt Autonomy, seine Bücher vor dem Verkauf an HP geschönt zu haben. HP sprach in einer Mitteilung von „absichtlichen Bestrebungen, Investoren und potenzielle Käufer in die Irre zu führen.“ Wegen der Falschdarstellung der Finanzlage sei Autonomy zum Zeitpunkt des Zukaufs „substanziell überbewertet“ gewesen.

Der Autonomy-Zukauf fiel in die Amtszeit von Léo Apotheker

Der Aktienkurs von HP, der seit Jahresbeginn schon fast 50 Prozent an Wert verloren hatte, stürzte am Dienstag zeitweise um weitere 14 Prozent auf 11,50 Dollar ab.

Der Autonomy-Zukauf fiel in die kurze Amtszeit von Léo Apotheker an der HP-Spitze. Apotheker verkündete die Akquisition von Autonomy im August 2011 zusammen mit einem tiefgreifenden Konzernumbau, zu dem auch eine mögliche Trennung von der Personalcomputersparte gehören sollte. Der vereinbarte Kaufpreis von mehr als 10 Milliarden Dollar für Autonomy, ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als einer Milliarde Dollar, galt in der Branche von Anfang an als überzogen. Die Resonanz der Finanzmärkte auf den von Apotheker angestoßenen Umbau fiel vernichtend aus, und wenige Wochen später wurde der Manager von Meg Whitman abgelöst. Whitman revidierte Entscheidungen ihres Vorgängers und hielt am PC-Geschäft fest. Der Autonomy-Zukauf wurde im Oktober 2011 aber vollzogen.

Whitman hat seither zugegeben, dass sich das Geschäft von Autonomy schlechter als erhofft entwickelt, und Analysten spekulierten über eine drohende Abschreibung. Diese Befürchtungen haben sich bewahrheitet: HP teilte mit, für das abgelaufene Schlussquartal des Geschäftsjahres 2011/2012 (31. Oktober) eine Firmenwertabschreibung von 8,8 Milliarden Dollar im Zusammenhang mit Autonomy vorgenommen zu haben. Mehr als 5 Milliarden Dollar davon führt das Unternehmen auf „ernsthafte Bilanzierungsunregelmäßigkeiten, Falschdarstellung und mangelnde Offenlegung“ auf Seiten von Autonomy zurück. HP machte „einige frühere Mitglieder des Management-Teams von Autonomy“ verantwortlich, ohne Namen zu nennen. Die Unregelmäßigkeiten habe HP im Rahmen einer internen Untersuchung entdeckt. Diese Untersuchung sei angestoßen worden, nachdem Autonomy-Gründer Mike Lynch im Mai das Unternehmen verlassen habe. Sie sei auf Initiative eines hochrangigen Autonomy-Managers zustande gekommen. HP hat die Angelegenheit nach eigener Aussage an die amerikanische Börsenaufsicht SEC und an eine britische Ermittlungsbehörde weitergeleitet und bereitet nun selbst juristische Schritte gegen „verschiedene Parteien“ vor.

HP hatte schon im vorangegangenen dritten Quartal eine Abschreibung von 8 Milliarden Dollar verbucht, die vor allem mit einem geschrumpften Wert des 2008 zugekauften Computerdienstleisters EDS zu tun hatte. Die Abschreibung trug zu einem Nettoverlust von 8,9 Milliarden Dollar bei. Für das abgelaufene vierte Quartal meldete HP jetzt aufgrund der abermaligen Abschreibung einen Nettoverlust von 6,9 Milliarden Dollar. Der Verlust im gesamten Geschäftsjahr lag bei 12,7 Milliarden Dollar, nach einem Gewinn von 7,1 Milliarden Dollar 2010/2011.

Auch jenseits der Abschreibungen kämpft HP weiter mit vielen Schwachstellen und erlitt im vergangenen Quartal in seinen meisten Sparten Umsatzrückgänge. Der Konzernumsatz schrumpfte um 7 Prozent auf 30 Milliarden Dollar und lag unter den durchschnittlichen Analystenschätzungen von 30,5 Milliarden Dollar. Am schlechtesten schnitt das Geschäft mit Personalcomputern ab, in dem die Umsätze um 14 Prozent fielen. In der Druckersparte musste HP ein Minus von 5 Prozent hinnehmen, im Dienstleistungsgeschäft schrumpften die Umsätze um 6 Prozent, bei Großrechnern für Unternehmen wie Netzwerkrechnern (Server) gab es einen Rückgang von 9 Prozent. In der Softwaresparte verbuchte HP dank Einbeziehung von Autonomy ein zweistelliges Wachstum. Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 1,16 Dollar lag leicht über den Vorgaben von Analysten. Dafür gab HP eine schwächer als erwartete Gewinnprognose für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres. Vorstandschefin Whitman hat die Finanzmärkte schon bei einer Analystenkonferenz im Oktober auf eine längere Durststrecke eingestellt. Sie sagte damals, eine vollständige Erholung des Unternehmens sei erst 2016 zu erwarten.

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