05.02.2008 · Das Rennen um Yahoo wird zu einem Schlagabtausch zwischen den Technologiegiganten. Google spielt die wettbewerbspolitische Karte. Doch Microsoft zeigt sich siegessicher.
Von Roland LindnerDer Softwarekonzern Microsoft hat mit seinem feindlichen Übernahmeangebot für das Internetunternehmen Yahoo offenbar für Alarmstimmung beim Rivalen Google gesorgt. Während das umworbene Unternehmen Yahoo sich im Hintergrund hält und auf Zeit spielt, liefern sich Microsoft und Google eine Schlammschlacht. Google hat wenige Tage nach dem Angebot die politische Karte gespielt und auf „illegale“ Geschäftspraktiken von Microsoft hingewiesen - mit dem Ziel, die kartellrechtliche Genehmigung eines Zusammenschlusses zu behindern.
Neben den scharfen öffentlichen Attacken arbeitet das Unternehmen offenbar im Hintergrund daran, Yahoo bei Abwehrstrategien zu unterstützen und damit die Pläne von Microsoft zu torpedieren. Microsoft wies die Vorwürfe von Google zurück - und zeigte sich am Montag zuversichtlich, Yahoo schnell auf seine Seite ziehen zu können.
Hilfe von Google
Microsoft hat am vergangenen Freitag mit seinem feindlichen Angebot für Yahoo für einen Paukenschlag gesorgt. Der Softwarekonzern bietet 44,6 Milliarden Dollar für Yahoo. Ziel von Microsoft ist es, Google im lukrativen Geschäft mit Online-Suche und damit verbundener Werbung stärker Konkurrenz zu machen. Google dominiert die Internetsuche heute klar, während Yahoo und Microsoft abgeschlagene Verfolger sind. Trotz jahrelanger Bemühungen und hoher Investitionen ist die Internetsparte für Microsoft bis heute klein und defizitär geblieben. Das Unternehmen macht sein Geschäft mit etablierten und hochprofitablen Produkten wie dem Betriebssystem Windows und der Bürosoftware Office.
Der Google-Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt hat amerikanischen Medienberichten nach am Freitag bei seinem Yahoo-Kollegen Jerry Yang angerufen und seine Hilfe angeboten. Google würde wohl nicht selbst als „weißer Ritter“ ein Gegenangebot für Yahoo vorlegen, zumal ein solcher Zusammenschluss kaum Aussichten auf eine kartellrechtliche Genehmigung hätte.
Fühler nach weiteren Bietern ausgestreckt
Denkbar wäre aber eine Partnerschaft, die es Yahoo ermöglichen würde, unabhängig zu bleiben. Ein vom „Wall Street Journal“ genanntes Szenario wäre, dass Yahoo das Online-Werbesystem von Google nutzt und seine eigene Technologie aufgibt. Google verfügt über eine überlegene Technologie, Anzeigen auszuwählen, die zu Ergebnissen von Internetsuchen passen. Bei Google werden die Anzeigen häufiger angeklickt als bei Yahoo und anderen Wettbewerbern, was zu mehr Umsätzen führt. Dem Bericht zufolge hat es bereits vor dem Microsoft-Vorstoß in den vergangenen Wochen Gespräche zwischen Google und Yahoo über eine solche Allianz für den europäischen Markt gegeben.
Yahoo selbst hat unterdessen die Investmentbanken Goldman Sachs und Lehman Brothers angeheuert, die ihre Fühler nach anderen möglichen Bietern ausstrecken. Als mögliche andere Interessenten könnte der Medienkonzern Time Warner in Frage kommen, auch der Telekommunikationskonzern AT&T und der Kabelanbieter Comcast wurden genannt. Ein zweites Medienunternehmen, Rupert Murdochs News Corp., dürte ausscheiden: Murdoch will nicht in den Übernahmekampf einsteigen. Er werde definitiv kein Angebot abgeben, sagte Murdoch am Montagabend bei einer Analystenkonferenz. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei er einfach nicht interessiert.
„Unangemessener und illegaler Einfluss“ befürchtet
Analysten halten es aber eher für zweifelhaft, dass ein anderes Unternehmen sich auf einen Bieterstreit mit dem finanzgewaltigen Microsoft-Konzern einlassen will. Bisher arbeitet angeblich auch keines der genannten Unternehmen an einem Gegenangebot. Yahoo hält sich derweil mit Blick auf die feindliche Annäherung von Microsoft eher bedeckt. Das Unternehmen kündigte an, das Angebot zu prüfen, ließ aber verlauten, dieser Prozess könne einige Zeit in Anspruch nehmen. Darüber hinaus werde Yahoo auch alle anderen Alternativen prüfen - und dazu gehören der Fortbestand als unabhängiges Unternehmen und mögliche andere Angebote.
Neben der Annäherung an Yahoo hinter den Kulissen hat Google am Sonntag versucht, öffentlich Front gegen Microsoft zu machen. Chefjurist David Drummond warf in einer Stellungnahme die Frage auf, ob Microsoft nun im Internet „unangemessenen und illegalen Einfluss“ ausüben könnte, genauso wie es das Unternehmen in der Vergangenheit beim Personalcomputer getan habe. Microsoft habe schon häufig seine Stellung als Monopolist dazu benutzt, um seine Dominanz auf angrenzende Märkte auszuweiten. Mit diesem Seitenhieb bezog sich Drummond auf die kartellrechtlichen Verfahren gegen Microsoft in den Vereinigten Staaten und in Europa. Darin wurde Microsoft zum Beispiel vorgeworfen, sein Internetzugangsprogramm Explorer in unzulässiger Weise an sein marktbeherrschendes Betriebssystem Windows zu koppeln. Erst im Januar hat die Europäische Kommission zwei neue Wettbewerbsverfahren gegen Microsoft eingeleitet.
„Zwingende Nummer zwei“
Microsoft-Chefjurist Brad Smith konterte die Attacke von Google mit den Worten, ein Zusammenschluss seines Unternehmens mit Yahoo würde den Wettbewerb beleben, weil damit eine „zwingende Nummer zwei“ im Markt für Internetsuche und -werbung entstünde. „Alternative Szenarien würden zu weniger Wettbewerb im Internet führen“, sagte Smith. Google gründet seine wettbewerbsrechtliche Argumentation nicht auf den allgemeinen Markt für Online-Werbung, sondern auf einzelne Dienste wie internetbasierte E-Mail. Bei solchen Angeboten sind Microsoft und Yahoo heute viel stärker als Google.
Dass Google die wettbewerbspolitische Karte spielt, kommt nicht überraschend. Sowohl Microsoft als auch Google haben in jüngster Zeit in ihrem Konkurrenzkampf verstärkt die Kartellbehörden angerufen. Als Google im April vergangenen Jahres den Kauf des Online-Werbevermarkters Doubleclick für mehr als 3 Milliarden Dollar ankündigte, appellierte Microsoft an die Kartellbehörden, die Transaktion sehr aufmerksam zu prüfen. Microsoft argumentierte, Google würde mit Doubleclick eine dominierende Stellung in der Online-Werbung erringen. Bis heute steht die kartellrechtliche Freigabe dieser Übernahme durch die EU-Kommission aus.
Microsoft muss wohl für Yahoo Schulden machen
Microsoft zeigte sich unterdessen am Montag optimistisch, bei Yahoo zum Zuge zu kommen. Vorstandsvorsitzender Ballmer sagte bei einer Analystenkonferenz in New York, er vertraue darauf, dass sich Yahoo schnell dafür entscheide, das Angebot anzunehmen. Ballmer bezeichnete das Angebot für Yahoo als großzügig. Microsoft hat einen Aufschlag von 62 Prozent auf den Schlusskurs von Yahoo am Donnerstag geboten.
Finanzvorstand Chris Liddell sagte, Microsoft werde bei Yahoo möglicherweise zum ersten Mal in seiner Geschichte Schulden für eine Akquisition machen. Microsoft will den Kaufpreis jeweils zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien bezahlen. Mit liquiden Mitteln von mehr als 21 Milliarden Dollar könnte Microsoft die Barkomponente fast vollständig aus der eigenen Tasche bezahlen. Nach den Worten von Liddell werde das Unternehmen aber neben eigenen Barmitteln wahrscheinlich auch Fremdkapital aufnehmen.
Monopolstellung endlich dahin!
Hartmut Schliefkowitz (Kapau2007)
- 04.02.2008, 09:09 Uhr
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Andreas Bächtle (Andreas_B.)
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Peter Dittmar (hawktaucht)
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