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Keine Anwesenheitspflicht mehr : Microsofts Mitarbeiter können arbeiten, wo sie wollen

  • Aktualisiert am

Arbeiten in jeder Lebens- und Körperlage Bild: Müller, Verena

Arbeiten am Küchentisch, im Café oder aus dem Zug: Das amerikanische Softwareunternehmen Microsoft hat nun entschieden, dass in Deutschland niemand mehr in die Firma kommen muss.

          Der feste Arbeitsplatz mit starrer Anwesenheitspflicht von 9 bis 17 Uhr wird in vielen deutschen Büros zum Auslaufmodell. Nach Lockerungen der Arbeitszeiten kommen Arbeitgeber den Beschäftigten inzwischen auch bezüglich des Arbeitsortes entgegen und lassen sie zumindest teilweise von Zuhause aus arbeiten. Der Softwarekonzern Microsoft hat die Büro-Anwesenheitspflicht für seine Mitarbeiter in Deutschland nun sogar vollständig abgeschafft. „Arbeitet wo und wann ihr wollt“, lautet die Devise. Erst vor kurzem hatte Virgin-Chef Richard Branson die Devise ausgegeben: Urlaub, so viel und wann man will - sofern die Mitarbeiter ihr Arbeitspensum schaffen.

          Warum schafft Microsoft die Anwesenheitspflicht im Büro ab?

          „Anwesenheit sagt nichts über die Qualität der Leistung von Mitarbeitern aus, sondern liefert häufig sogar ein falsches Bild“, sagt Personalchefin Elke Frank. Viele Mitarbeiter hätten den Wunsch, von zu Hause, im Café oder unterwegs zu arbeiten. Entscheidend für Microsoft ist nur das Ergebnis. Gerade das konzentrierte Arbeiten an einem Projekt ist nach Ansicht der Personalchefin in offenen Büros nicht immer einfach. „Wer in Ruhe arbeiten will, arbeitet von zu Hause.“ Vor wenigen Wochen wurde der „Vertrauensarbeitsort“ in einer Betriebsvereinbarung für die rund 2700 Mitarbeiter in Deutschland verbindlich geregelt. Feste Arbeitszeiten hatte Microsoft schon im Jahr 1998 abgeschafft.

          Heute war die offizielle Grundsteinlegung für das neue Microsoft-Gebäude in München-Schwabing. Es soll bis zum Sommer 2016 fertig sein.

          Müssen die Mitarbeiter dann nie mehr ins Büro kommen?

          Doch, sie können jederzeit kommen - haben dann aber keinen eigenen Schreibtisch. In der neuen Firmenzentrale, für die an diesem Dienstag in München offiziell der Grundstein gelegt wurde, gibt es zwar Büro-Arbeitsplätze, aber nicht für jeden. Die Erfahrung hat nach Angaben des Unternehmens gezeigt, dass ohnehin nie alle Mitarbeiter gleichzeitig kommen - so dass der Platz normalerweise reicht. Wenn es eng wird, gibt es notfalls aber auch Sitzecken mit Lounge-Möbeln oder ein Café, in dem die Mitarbeiter ihren Laptop aufklappen können. Zusätzlich gibt es in der Zentrale auch Meeting-Räume für Konferenzen, denn: Auf den persönlichen Kontakt soll nicht ganz verzichtet werden.

          Gibt es ohne Bürozeiten noch Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit?

          Die Gefahr ist groß, dass Arbeit und Freizeit vollständig ineinander übergehen. Gewerkschaften warnen deshalb immer wieder davor, dass die Flexibilität nicht zu einer Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit führen dürfe. Microsoft appelliert vor allem an die Beschäftigten selbst, die Arbeitszeit in Grenzen zu halten. Mitarbeiter müssten Eigenverantwortung für ihre Zeiteinteilung übernehmen und Überlastung frühzeitig signalisieren. „Wer keine klaren Grenzen setzt, darf sich nicht wundern, wenn die Kollegen auf Freizeit oder Krankheit keine Rücksicht nehmen“, heißt es in einer Richtlinie des Unternehmens.

          Werden auch andere Firmen die Anwesenheitspflicht aufgeben?

          Der Wunsch nach flexiblen Regeln für die Arbeit ist bei den meisten Beschäftigten groß. In einer Umfrage des Personalunternehmens Orizon unter mehr als 2000 Arbeitnehmern landete der Wunsch nach flexiblen Arbeitszeiten nach der Jobsicherheit und einer leistungsgerechten Bezahlung auf Platz drei. „Arbeitnehmer erwarten, dass sich Arbeitszeiten an das Privatleben anpassen und nicht umgekehrt“, sagt Geschäftsführer Dieter Traub.

          Im Rennen um gut ausgebildete Fachkräfte sind flexible Modelle ein entscheidendes Argument: „Die neue Generation hat ganz andere Ansprüche und legt mehr Wert auf die Work-Life-Balance“, sagt Microsoft-Personalchefin Frank. Bei ihr fragten bereits zahlreiche Unternehmen nach den Erfahrungen mit flexiblen Arbeitsmodellen an.

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