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Auf das richtige Profil kommt es an: Besonders im Winter ist ein guter Reifen wichtig. Bild: dapd

Michelin-Chef im Interview : „Viele fahren mit unsicheren Reifen“

Michelin-Chef Jean-Dominique Senard über abgefahrene Winterreifen, gute deutsche Tugenden und französische Kochkunst.

          Herr Senard, in Deutschland fällt der erste Schnee, viele kaufen gerade Reifen. Sollten sie Allwetterreifen nehmen oder echte Winterreifen?

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online

          Ich empfehlen ihnen, einen Allwetterreifen zu kaufen. Aber nicht irgendeinen, sondern den „Michelin Crossclimate“. Dieser Reifen schlägt sich sowohl im Sommer als auch im Winter exzellent, ein echter technologischer Durchbruch.

          Fahre ich bei Schnee mit echten Winterreifen nicht trotzdem sicherer?

          Wenn Sie in den Bergen leben, kaufen Sie sich gern einen Winterreifen. Aber die meisten Fahrer in Deutschland brauchen ihn nicht, die fahren mit dem „Crossclimate“ hervorragend. Sie können damit wirklich überall hinkommen und sparen viel Zeit und Geld, weil sie nicht jedes halbe Jahr die Reifen wechseln müssen.

          Muss es denn unbedingt ein Reifen von Michelin sein? Ist einer von Continental oder Bridgestone nicht genauso gut?

          Wir denken nicht nur an den Reifen, wenn er neu ist, sondern auch, wenn er gebraucht ist. Bei manchen anderen Herstellern, vor allem aus dem Billigreifensegment, gibt es hingegen Produkte mit programmiertem Lebensende. Das ist vergleichbar mit beispielsweise einer Waschmaschine, die nach kurzer Zeit absichtlich kaputtgeht. Das nennt man programmierte Obsoleszenz. Wir kämpfen Tag und Nacht gegen diese Entwicklung. Wir stellen Reifen her, die lange halten und während ihres gesamten Lebens ihre Eigenschaften behalten.

          Gibt es wirklich Hersteller, die Reifen produzieren, die nach kurzer Zeit kaputt sind?

          Aber natürlich! Jede Menge! Die geben das natürlich nicht zu, aber wir können es beweisen, wir messen es ja in unseren Laboren.

          Kann auch ein privater Käufer einem Reifen ansehen, ob er lange halten wird?

          Leider nein, das ist nicht so offensichtlich. Wenn Sie einen neuen Reifen kaufen, dann achten Sie darauf, wie er in Tests bewertet wurde. Ob er beispielsweise auf nasser Fahrbahn die Note „A“ hat, wie lange der Bremsweg ist. Und wenn die Bewertungen stimmen, sind Sie zufrieden und kaufen ihn. Das Problem ist, dass diese Tests nur mit neuen Reifen gemacht werden. Wenn Sie noch mal messen würden, wenn der Reifen halb abgefahren ist, dann kämen da bei manchen Herstellern schlechte Werte raus.

          Jean-Dominique Senard, 64, führt seit 2012 den Michelin-Konzern. Er träumt von Reifen, die sich selbst erneuern.

          Warum?

          Ein Reifen besteht aus sehr vielen Lagen Gummi. Und einige nehmen nur für die oberste Lage eine qualitativ hochwertige Mischung, damit er in den Tests nicht auffällt. Sobald die ersten Millimeter abgefahren sind, kommen Gummischichten, deren Qualität schlechter ist, die weniger Leistung und Sicherheit bieten.

          Was schlagen Sie vor?

          Die Testverfahren müssen geändert werden, sie müssen mit gebrauchten Reifen gemacht werden. Derzeit können die Verbraucher bei ihrer Kaufentscheidung in die Irre geführt werden. Auf Europas Straßen sind jede Menge Autofahrer unterwegs, die denken, dass sie sicher sind; sie sind es aber nicht, weil ihre Reifen nichts mehr mit denen zu tun haben, die sie neu gekauft haben. Einen Qualitätsreifen können Sie hingegen bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter fahren und brauchen sich nicht um Ihre Sicherheit zu sorgen.

          Dafür kann ich mit einem Satz Billigreifen aus Asien 100 bis 200 Euro sparen...

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