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Michael Dell „Eine Stabilisierung – aber noch kein Aufschwung“

20.09.2009 ·  Dell bringt Dell wieder in die Spur. Seit Michael Dell vor zwei Jahren abermals den Vorstandsvorsitz des von ihm gegründeten Computerherstellers übernahm, verpasste er dem Unternehmen einen radikalen Umbau. Nun sieht der Gründer wieder Licht am Ende des Tunnels.

Von Stephan Finsterbusch
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Michael Dell sieht die Dinge immer gern etwas anders als andere: Während sich die Manager seiner Dell Inc. seit Monaten bemühen, das Privatkundengeschäft ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken, stellt der Gründer und Vorstandschef gern das Geschäft mit Firmenkunden in den Mittelpunkt; während Wettbewerber wie Hewlett-Packard für Milliarden von Dollar Konkurrenten übernehmen, spricht Dell gern vom organischen Wachstum; während andere Unternehmen im Markt vom Erreichen der konjunkturellen Talsohle sprechen, hat Dell schon den Aufschwung im Blick.

„Wir spüren eine Stabilisierung der Lage, doch noch keinen Aufschwung. Der aber wird kommen – vielleicht eher als von vielen erwartet“, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Dell wird in den kommenden Monaten eine Produktoffensive starten, sein Sparprogramm vorantreiben, den Anteil der Auftragsfertigung erhöhen und versuchen, in der Branche verlorenen Boden wiedergutzumachen. Das wird nicht einfach. Denn die gesamte Industrie hat in den vergangenen anderthalb Jahren Rückgänge in Umsatz und Gewinn im zweistelligen Prozentbereich wegstecken müssen. Trotz des Absatzbooms mit internetfähigen Minicomputern, die auch als Netbooks bezeichnet werden, wird die Computerindustrie nach Angaben der Analysten von IDC im Jahr 2009 kaum mehr als 290 Millionen Computer verkaufen – 4 Prozent weniger als im Vorjahr.

Tiefe Veränderungen durch die Wirtschafts- und Finanzkrise

Grund für den Rückgang ist die globale Wirtschaft- und Finanzkrise. Sie zog tiefgreifende Veränderungen in der ohnehin schnelllebigen Computerindustrie nach sich und zwang etwa Siemens, das Geschäft mit Personal Computern (PC) aufzugeben und die Anteile an dem seit einem Jahrzehnt geführten Gemeinschaftsunternehmen mit Fujitsu komplett an die Japaner abzugeben. Der Auftragsfertiger Asus Tech strukturierte sich um, spaltete das Geschäft mit Computern ab und entließ es in die Selbständigkeit. IBM gab schon vor vier Jahren sein traditionsreiches PC-Geschäft an die chinesische Lenovo ab, und Branchenprimus Hewlett-Packard (HP) rüstete das margenträchtige Servicegeschäft auf.

Auch das Haus Dell hat eine Reihe tiefgreifender Einschnitte gesehen. Michael Dell, der den Konzern 1984 auf dem Campus der Universität von Austin in Texas gegründet und zu einem Weltkonzern aufgebaut hatte, 2004 als Vorstandschef zurückgetreten und 2007 wiedereingesetzt worden war, rückte neben das angestammte Geschäft mit Firmenkunden das mit Privatkunden; das Servicegeschäft wurde ausgebaut; neben das klassische Dell-Geschäftsmodell des über Telefon oder Internet abgespulten Direktvertriebs trat der Vertrieb über den Einzelhandel. So werden heute Dell-Computer von 43000 Einzelhändlern in aller Welt verkauft. Allein damit macht Dell nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden einen Jahresumsatz von 15 Milliarden Dollar.

Hausinternes Sparprogramm

Das Unternehmen verpasste sich darüber hinaus ein hausinternes Sparprogramm. Seit einem Jahr ist Dell dabei, Kosten in Höhe von 4 Milliarden Dollar zu streichen. Das Programm werde mindestens noch ein weiteres Jahr laufen. Ein Viertel der zu streichenden Summe soll über die Senkung der Betriebskosten, drei Viertel über eine in Zukunft engere Lieferkette kommen. Dafür soll der Anteil der Auftragsfertigung steigen. Derzeit liegt dieser nach Dells Worten bei etwa 50 bis 60 Prozent. Konkurrenten wie HP oder Apple arbeiten mittlerweile ganz ohne eigene Computerfabriken. Sie lassen die Geräte ihrer Marke von Auftragsfertigern in China und Taiwan herstellen. Das senkt die Kosten und hält sie flexibel. Auf diesen Weg schwenkt Dell unter der Führung von Michael Dell nun auch ein.

Darüber hinaus veränderte Dell Anfang des Jahres die Strukturen im Konzern. Er rückte von der herkömmlichen Ausrichtung nach den verschiedenen Regionen in der Welt ab und baute eine an Kundengruppen orientierte Struktur in seinem Unternehmen auf. „Das rückt uns näher an die jeweiligen Kunden“, sagt er. Dabei steht neben Privatkunden, der öffentlichen Hand und Großunternehmen der Mittelstand auf der Agenda. Nach den Einbrüchen am Computermarkt und dem Einfrieren der Investitionsbudgets in vielen Unternehmen verspricht sich der 44 Jahre alte Vorstandschef, Großaktionär und Milliardär Michael Dell nun einen kräftigen Impuls von den in den kommenden Monaten am Markt verfügbaren neuen Produkten.

Dazu zählen das im Oktober auf den Markt kommende Betriebssystem Windows 7 und eine von Anfang 2010 an erhältliche neue Bürosoftware aus dem Hause Microsoft genauso wie schnellere und leistungsfähigere Computerchips von Intel und AMD, neue Bildschirmtechnologien und eine Vielzahl neuer Anwenderprogramme. „Das wird die Computer besser als bisher machen und die Verkäufe anfachen“, meint er. „Viele Unternehmen arbeiten heute mit veralteten Computern und veralteter Software“, sagt Dell. Die Krise habe in den großen und kleinen Firmen harsche Kürzungen der Budgets zur Folge gehabt. „Eine computerbasisierte Infrastruktur zählt aber zu den wichtigsten Instrumenten, um Effizienz und Produktivität in einem Unternehmen zu steigern.“ Wer von den Firmen in den kommenden Quartalen nicht kräftig und schnell in Infrastruktur investiere, werde in dem verschärften Wettbewerb wohl bald nicht mehr mithalten können. Nach Angaben der Analysten von Gartner steckt knapp die Hälfte aller Effizienzreserven eines Unternehmens allein in der technischen Ausstattung. „Daher werden wir 2010 und 2011 einen riesigen Austausch alter gegen neue Geräte erleben“, erwartet Dell.

Futuristisch bis schiffscontainergroß

So hat er in den vergangenen Monaten aus den Entwicklungsabteilungen im texanischen Austin heraus seine Pipeline mit neuen Produkten gefüllt: von futuristisch anmutenden Videogame-Desktop- über kaum einen Zentimeter hohe Laptop- bis hin zu schiffscontainergroßen Netzwerkrechnern. Darüber hinaus setzt Dell verstärkt auf das Dienstleistungsgeschäft rund um Computer und Software. „Jeder Dollar Investition in die Hardware zieht in einem Unternehmen acht Dollar Ausgaben für entsprechende Serviceleistungen nach sich“, sagt Dell. Daher habe er in den vergangenen zwei Jahren diese Geschäftssparte deutlich erweitert. „In diesem Bereich setzen wir jetzt etwa 6 Milliarden Dollar im Jahr um. Die Sparte wächst und wirft ordentlich Gewinn ab, und wir sind noch nicht am Ende“, sagt er. Zu Details wie potentiellen Übernahmen wollte sich Dell in seiner gewohnt kurz angebundenen Art der Darstellung nicht äußern. Wettbewerber Hewlett-Pa- ckard hatte mit der 13 Milliarden Dollar teuren Übernahme der texanischen EDS-Gruppe aufgerüstet. Auch IBM und die kleinere EMC-Gruppe kauften kräftig zu.

Dell dagegen scheute bislang Akquisitionen in solchen Größenordnungen. Dabei hat das Unternehmen Barmittel von mehr als 11 Milliarden Dollar in der Kasse. Darüber hinaus hat Dell im Juni den Fusions- und Akquisitionsspezialisten David Johnson von IBM an Bord geholt. „Kein Kommentar“, sagt der Unternehmenschef auf die Frage nach Zukäufen. Doch hat er unter anderem auf dem Feld für große Datenspeicher, wie sie große und kleine Unternehmen verstärkt brauchen, lohnende Wachstumsziele ausgemacht. „Wenn es etwas zu sagen gibt, werden wir es zu gegebener Zeit sagen. Bis dahin schweigen wir.“

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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