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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Michael CohrsAnshu Jain Doppelspitze im Investmentbanking

 ·  Anshu Jain und Michael Cohrs führen künftig das Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank. Die beiden Investmentbanker sind alte Weggefährten.

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Die Doppelspitze im Kapitalmarktgeschäft soll neuen Zug ins Geschäft der Deutschen Bank bringen. Anshu Jain und Michael Cohrs haben im gleichen Jahr, 1995, bei der Deutschen Bank in London begonnen, und vor allem waren sie beide auf die gleiche Führungsperson eingeschworen: Edson Mitchell hieß der charismatische Leitwolf, der vor neun Jahren mit einer Handvoll Investmentbankern von Merrill Lynch in New York zur Deutschen Bank nach London wechselte und dort, so lautete der Auftrag von Vorstandssprecher Hilmar Kopper, Deutschlands größtes Kreditinstitut zu einem weltweit führenden Akteur an den Finanzmärkten machen sollte. Mitchell starb tragisch an Weihnachten 2000 bei einem Flugzeugabsturz über Neuengland, als er nach Hause zur Familie nach Maine fliegen wollte.

Die Skepsis war anfangs groß, daß die zwei Offiziere jenes Mannes, der in der Branche oft als "Söldnerführer" bezeichnet wurde, in der Lage sein würden, dessen Erbe anzutreten. Anshu Jain und Michael Cohrs haben es geschafft. Sie übernahmen das Kapitalmarktgeschäft, ohne daß die Bank die zunächst befürchtete Abwanderungswelle erlitt.

Fast vier Jahre danach greift Jain, nachdem er das Zinsgeschäft schon führt, auch nach dem Aktienhandel. Cohrs behält die langfristige Unternehmensfinanzierung (Corporate Finance). Vor allem aber streut dieses Führungsduo von Mitchells Erben nun in den anderen großen Bereich der Bank, Privatkunden und Vermögensverwaltung. Viele sehen dies in erster Linie als Machtzuwachs für Jain. Und in der Tat ist diese Entscheidung wohl nur eine Zwischenetappe. Denn schon wird offen darüber geredet, daß, wenn einer Anspruch auf die Nachfolge Josef Ackermanns erheben will, dies allein Anshu Jain tun kann. Zu wichtig, zu zentral und zu gewinnbringend ist seine Person, auch wenn diese Frage seit dem für Ackermann glücklichen Ausgang des Mannesmann-Prozesses nicht mehr vordringlich ist.

Daß Jain eine Führungskraft ist, daran läßt er keinen Zweifel. Er führt straff und kraftvoll. Er erwartet kurze Vorträge, die Anweisungen kommen prompt und knapp. Ein Gespräch mit ihm, das länger als zehn Minuten dauert, gilt in seinem Umfeld als Auszeichnung. Leise spricht Jain ein geschliffenes Englisch und bleibt präzise im Ausdruck und klar in der Aussage - ergebnisorientiert bis unter die Haarspitzen ist der Mann. Auch läßt er keinen seiner Investmentbanker an sich heran oder gar vertraulich werden.

Der Erfolg ist ihm nicht in den Schoß gefallen. 1963 in Indien geboren und aufgewachsen, haben ihm seine Eltern ein Wirtschaftsstudium an der Universität in Delhi ermöglicht, das er mit dem BA abschloß, und anschließend in Amerika den Studiengang Masters in Finance an der Universität Massachusetts. Auch an der renommierten Hochschule Amherst hatte er studiert. Jain stammt damit zwar nicht aus ärmlichen Kreisen in Indien. Doch was zählt das schon in Amerika? Er mußte sich seine Karriere hart erarbeiten. Nach einer ersten Stelle beim Börsenmakler Kidder Peabody folgte 1988 der Wechsel zu Merrill Lynch, wo Edson Mitchell seine Neigung für Derivate entdeckte und förderte.

Ein Mentor in diesem Sinne konnte Mitchell nie für Michael Cohrs sein. Etwas älter als Jain - 1956 geboren -, erwarb der Amerikaner von vornherein beste Referenzen: Nach einem BA am Harvard College legte er an der Harvard Business School einen MBA ab. Das schafft neben einem Diplom ein Netzwerk. So arbeitete Cohrs von 1981 bis 1988 für Goldman Sachs in New York, dann schickte ihn die Investmentbank nach London. Von 1991 bis 1995 war er Director bei SG Warburg und ging dann zur Deutschen Bank.

Cohrs kann weniger Erfolge aufweisen als Jain. Auch in der Beratung von Übernahmen und Fusionen (M&A) kam die Deutsche Bank zwar voran. Doch Cohrs' Bereich bekam nie den Stellenwert, den M&A in anderen internationalen Investmentbanken hat - und vor allem nie den Ergebnisbeitrag. Dennoch sollte Cohrs nicht unterschätzt werden. Im internen Machtgefüge der Bank bleibt er zwar im Hintergrund. Aber dies muß seinen Einfluß nicht schmälern. Jain ist auch in Zukunft auf Cohrs angewiesen, vor allem wenn eines Tages doch die Nachfolge von Ackermann im Raum steht. Nur eines gilt als sicher: In einen Konzernvorstand nach deutschem Aktienrecht werden weder Jain noch Cohrs oder Parker jemals eintreten. Auch aus diesem Grund ist eine Sitzverlagerung der Bank ins Ausland nicht zu den Akten gelegt. Jain selbst nimmt diese Diskussion mit Humor: "Ich habe meinen Hauptsitz bei British Airways und Lufthansa."

Quelle: hlr. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2004, Nr. 221 / Seite 18
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