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Digitale Geschäftsideen : Lass den intelligenten Kühlschrank sprechen

„Am Ende profitiert die ganze Branche von neuen Geschäftsmodellen und technischen Lösungen“, meint der Metro-Vorstandsvorsitzende Olaf Koch. Bild: Reuters

Der Metro-Konzern fördert Gründungen, die sich mit digitalen Lösungen für seine Kunden befassen. Vor allem Restaurantbesitzer sollen profitieren. Und sich vom intelligenten Kühlschrank helfen oder sich die Abrechnungen abnehmen lassen.

          „Frag Paul“ heißt eines der Start-ups, die soeben ein Förderprogramm des Düsseldorfer Metro-Konzerns durchlaufen haben. Paul ist eine digitale Personalabteilung für kleine Restaurants. Viel zu oft müssen sich Restaurantbesitzer mit Personalfragen und Abrechnungen herumschlagen. In dieser Zeit sollten sie sich lieber auf das konzentrieren, was wichtig für das Geschäft ist, nämlich die Gäste, meint Mitbegründer Marc Stratmann. Aufgaben wie Lohnbuchhaltung, Personalmanagement, Zeiterfassung oder Schichteinteilung will derweil das Jungunternehmen erledigen und nach den eigenen Planungen bis Anfang kommenden Jahres schon rund hundert Kunden bedienen.

          Brigitte  Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          „Hyre“ heißt eine weitere digitale Geschäftsidee aus dem Metro-Accelerator-Programm. Hierbei handelt es sich um einen Online-Marktplatz, der Event-Veranstaltern zuverlässig qualifiziertes Personal zu einem vergleichsweise günstigen Preis vermittelt. „Tsenso“, ein anderes Beispiel, ist eine cloudbasierte Lösung zur Temperaturüberwachung, die Informationen zu den Lagerbedingungen vom Lebensmittelerzeuger bis zum Teller des Konsumenten sammelt.

          Der so entwickelte „Fresh Index“ sei eine Art Echtzeit-Haltbarkeitsanzeiger, beschreibt Mitgründer Matthias Brunner. Dadurch soll es nach den Vorstellungen der Entwickler Groß- und Einzelhändlern möglich werden, genauere Entscheidungen in Bezug auf Qualitätssicherung zu fällen und Schwachstellen innerhalb der Lieferketten aufzudecken. Und gibt es dereinst in der vernetzten Küche einen intelligenten Kühlschrank, so soll dieser dank des Frischeindexes dem Verbraucher auch mitteilen können, ob der darin gelagerte Joghurt noch genießbar ist.

          Kunden durch Einsatz neuer Technologien erfolgreicher machen

          Der Metro-Konzern gilt vielfach als schwerfälliger Handelsriese. Mit ihren großflächigen Cash-&-Carry-Märkten, den Real-SB-Warenhäusern oder den Fachmärkten von Media-Saturn bedienen die Düsseldorfer vor allem reife Geschäftsmodelle. Und auch im Großhandelsgeschäft hat sich an den Geschäftsabläufen in den zurückliegenden Jahren kaum etwas geändert. Die Nutzung digitaler Lösungen zur Optimierung von Betrieb und Kundenansprache ist nach wie vor gering ausgeprägt. Im Rahmen ihrer Online- und Digitaloffensive hat Metro deshalb vor mehr als einem Jahr eine Initiative gestartet, mit welcher der Konzern innovative Jungunternehmen fördern will.

          Das Programm wurde im Frühjahr 2015 gemeinsam mit dem amerikanischen Partner Techstars entwickelt, einem auf Mentorenschaft spezialisierten Förderer von Neugründungen. Es richtet sich primär an solche Gründer, die mit digitalen Innovationen den Kernkunden des Metro-Großhandels, also der Gastronomie, den Hotels und den Caterern, auf die Sprünge helfen sollen.

          Inzwischen hat die zweite Runde von zehn internationalen Teams das dreimonatige Metro-Accelerator-Programm auf dem von mehreren Unternehmen initiierten Gründercampus German Tech Entrepreneurship Center durchlaufen. An diesem Mittwoch haben die Gründer ihre Geschäftsmodelle rund 300 Investoren und Fachleuten beim sogenannten Demo Day vorgestellt, um kommerzielle Partner für die Weiterentwicklung zu finden. „Die Digitalisierung setzt sich zunehmend auch in der Gastronomie und der Hotellerie durch. Unser Ziel ist es, diesen Wandel aktiv mitzugestalten und unsere Kunden durch den Einsatz neuer Technologien erfolgreicher zu machen“, begründet der Metro-Vorstandsvorsitzende Olaf Koch die Initiative des Konzerns, mit der nicht zuletzt auch der eigene Umsatz angekurbelt werden soll. „Am Ende profitiert die ganze Branche von neuen Geschäftsmodellen und technischen Lösungen“, meint er.

          Drittes Accelerator-Programm im kommenden Jahr

          Mit dem Förderprogramm will das Unternehmen nach eigenen Angaben Innovationen unterstützen und Gründern helfen, ihre Ideen und Lösungen zu testen, zu verbessern und erfolgreich auf den Markt zu bringen. Dazu erhalten die Gründer auf dem Campus auf der Berliner Museumsinsel Zugang zur Marktexpertise und den Kunden- und Lieferantennetzwerken von Metro. Begleitet werden die mit jeweils bis zu 120 000 Euro geförderten Teams von jeweils rund 120 externen Mentoren. Die zehn Start-ups aus sieben Ländern, die das jetzt beendete Programm durchlaufen haben, waren aus rund 600 Bewerbern ausgewählt worden.

          Nach Angaben der Initiatoren haben es inzwischen acht der elf Gründer aus dem 2015 aufgelegten ersten Förderprogramm geschafft, weitere externe Investoren zu finden. Metro selbst hat sich beispielsweise an dem in der Gründerserie der F.A.Z. vorgestellten Unternehmen Lunchio beteiligt. Dabei handelt es sich um eine Online-Plattform, über die Berufstätige in zahlreichen Restaurants ihr Mittagessen im Voraus bestellen und bezahlen können, um später ihre Pause entspannter zu genießen (F.A.Z. vom 23. Mai).

          Flowtify, eine Hygienemanagement-App für die Gastronomie, hat inzwischen mit dem Frühphaseninvestor High-Tech Gründerfonds aus Bonn einen weiteren wichtigen Geldgeber gewonnen. Im kommenden Jahr soll es ein drittes Accelerator-Programm für Gastronomie und Hotellerie geben. Zudem will Metro gemeinsam mit dem Partner Techstars ein weiteres Förderprogramm für digitale Handelslösungen starten.

          Quelle: F.A.Z.

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