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Metro Die Zeit wird knapp für Jürgen Kluge

 ·  Eckhard Cordes hat vorzeitig hingeworfen. Nun fehlen Franz Markus Haniel die Argumente für eine Vertragsverlängerung seines Vorstandsvorsitzenden Jürgen Kluge.

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In dem wochenlangen Gezerre um die künftige Führung des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro gibt es nur Verlierer. Am Sonntag hat der Metro-Vorstandsvorsitzende Eckhard Cordes nun doch überraschend schnell das Handtuch geworfen. Und die beiden Vertreter des Großaktionärs Haniel haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Eine professionelle Nachfolgesuche für den Vorstandsvorsitz eines der weltgrößten Handelskonzerne sieht anders aus.

So stehen Jürgen Kluge, der Vorstandsvorsitzende von Haniel und in dieser Funktion auch Aufsichtsratsvorsitzender der Metro, und Franz Markus Haniel, Aufsichtsratschef des gleichnamigen Duisburger Ruhrkonzerns, vor dem nächsten Dilemma. Sie müssen alsbald einen geeigneten Kandidaten präsentieren, der fähig ist, den international breit aufgestellten Dax-Konzern endlich wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen. Am Montag hat die Ankündigung Cordes' für einen abermaligen Kursrutsch der Metro-Aktie von mehr als 6 Prozent auf unter 32 Euro gesorgt. Diese Wertvernichtung trifft nicht nur die beiden Großaktionäre, die Ruhrfamilien Haniel und Schmidt-Ruthenbeck, die zusammen über einen Poolvertrag eine knappe Kapitalmehrheit halten. Sie trifft auch die Vielzahl der übrigen in- und ausländischen Aktionäre, die ein Recht auf gute Unternehmensführung haben.

Das Geld fehlt

Kluge und Haniel sind seit langem unzufrieden mit der gewichtigsten Einzelbeteiligung im Haniel-Portfolio und deren Lenker Cordes. Vor allem der frühere McKinsey-Deutschlandchef Kluge gilt als scharfer Kritiker des Managers, der sein eigener Vorgänger bei Haniel war und in dieser Funktion seinerzeit die Beteiligung an Metro für viel Geld aufgestockt hatte. Geld, das der Ruhrdynastie zur Umsetzung ihrer eigenen Strategien heute fehlt. Beide, Kluge und Haniel, galten daher seit langem als Gegner einer nochmaligen vollen Vertragsverlängerung für Cordes.

Kluge, der den Clan-Repräsentanten Haniel im Frühjahr 2010 an der Metro-Aufsichtsratsspitze beerbt hat, stand in dem Gremium mit seiner Skepsis im Übrigen nicht allein da. Umso überraschender war für Außenstehende die Wende, als dann vor fast drei Wochen eine Ehrenerklärung der Großaktionärsfamilien für den amtierenden Metro-Chef kam und dessen Weiterbeschäftigung plötzlich wieder sicher schien. "Welcher Machtkampf?", fragten die beiden Haniel-Vertreter unmittelbar darauf in einem höchst ungewöhnlichen Zeitungsinterview zur wochenlangen Führungsstreit und sorgten damit für neuerliches Stirnrunzeln. "Bei Metro entscheidet der Aufsichtsrat über Vorstandspersonalien, sicherlich unter Berücksichtigung der Meinung der Großaktionäre", schob Haniel politisch korrekt gegenüber der Tageszeitung FTD nach. Immerhin hat er Fehler in der Führungsdebatte eingeräumt.

Das Brodeln hinter den Kulissen ist offenbar weiter gegangen. Cordes hat jedenfalls keine vertrauensvolle Basis für eine weitere Zusammenarbeit mehr gesehen, wie er am Sonntagnachmittag mitteilte. Das zielt vornehmlich auf den Aufsichtsratsvorsitzenden eines Unternehmens, also auf Kluge. Für den promovierten Chemiker, der vor zwei Jahren als großer Hoffnungsträger nach Duisburg geholt wurde, um den Haniel-Konzern zu restrukturieren und das durch den teuren Kauf der Metro-Aktien dahin geschmolzene Vermögen der inzwischen deutlich mehr als 600 Familienmitglieder zu retten, ist die Causa Cordes schon das zweite Personal-Desaster. Auch der Vorstandsvorsitzende der zweiten großen Haniel-Beteiligung Celesio, Fritz Oesterle, ist in Unfrieden gegangen. Ein Grund waren kritische Äußerungen Kluges über das Celesio-Management in einem F.A.Z.-Interview. Geraume Zeit gelang es nicht, einen neuen Celesio-Vorstand zu präsentieren.

Gegnerische Häme

Eine solche Panne darf ihm jetzt bei Metro nicht noch einmal passieren. Schon seit langem sind Top-Personalberater mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten beauftragt, der das Zeug hat, einen Dax-Konzern zu führen, und zugleich Handelsexpertise mitbringt. Dieser Suchauftrag hatte schon vor Weihnachten 2010 für Missstimmung zwischen Kluge und Cordes gesorgt, sah letzterer dadurch schon damals die Beine seines Stuhls angesägt. Auch was den versprochenen Umbau von Haniel angeht, konnte Kluge bisher nicht liefern.

Weder ist ihm gelungen, zukunftsträchtige Übernahmekandidaten zu präsentieren, die zu ertragsstarken Perlen im diversifizierten Beteiligungsportfolio entwickelt werden können. Noch konnte der Haniel-Chef bisher Beteiligungsverkäufe realisieren, die die angespannte Kassenlage entlasten und eine weitere Herabstufung der Ratingagenturen abwenden könnten. Gegner Kluges erinnern nicht ohne Häme daran, dass dessen eigene Vertragsverlängerung im kommenden Frühjahr ansteht.

Ernsthaftes Wanken

Auch der 56 Jahre alte Clan-Chef des mehr als 250 Jahre alten, früher lieber im Stillen agierenden Familienunternehmens, hat Federn gelassen. Zwar ist es angesichts der höchst unterschiedlichen Interessen- und Vermögenslage der verzweigten Familien ohnehin äußerst schwierig, Einvernehmen zwischen den Gesellschaftern zu erreichen. Aber der studierte Ingenieur, der sich nach seinem Abschied aus der Geschäftsführung des Banknotendruckers Giesecke & Devrient vor rund sechs Jahren vornehmlich auf sein Mandat bei Haniel konzentriert, trägt die Verantwortung für die Bestellung der beiden teuren Manager Cordes und Kluge. Den früheren Daimler-Vorstand Cordes holte er seinerzeit zunächst als Haniel-Chef nach Duisburg.

Als Aufsichtsratsvorsitzender des Ruhrkonglomerats begleitete er die von Cordes betriebene Aufstockung der Metro-Beteiligung auf 34 Prozent zu Kursen von bis zu 60 Euro. Und er installierte die vorübergehende Doppelspitze von Cordes bei Haniel und bei Metro. Dass er sich als Repräsentant der größten Aktionärsfamilie kürzlich überraschend der Rückenstärkung von Cordes anschloss, soll auf Vermittlung von Peter Küpfer, dem Repräsentanten der zweiten Aktionärsfamilie Schmidt-Ruthenbeck geschehen sein. Küpfer, der im Gegensatz zu Haniel dem Metro-Aufsichtsgremium angehört, ist Befürworter des Noch-Metro-Chefs. Sein Bedauern über das Ende von dessen Ära klang am Sonntag auch ehrlicher als das des Poolpartners. Schon unken Beobachter, der Poolvertrag zwischen beiden Familien gerate in Gefahr. Das wiederum könnte die Person Haniel ernsthaft ins Wanken bringen.

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

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