07.01.2009 · Dem Merckle-Imperium wird zwei Tage nach dem Selbstmord des Unternehmers Adolf Merckle ein Überbrückungskredit zur Verfügung gestellt. Die Merckle-Gruppe muss aber den Pharmahersteller Ratiopharm verkaufen. Zudem muss sich Merckles Sohn Ludwig aus dem Imperium zurückziehen.
Dem Merckle-Imperium wird zwei Tage nach dem Selbstmord des Unternehmers Adolf Merckle ein Überbrückungskredit von mehreren Banken zur Verfügung gestellt. Um die Kredite wurde monatelang gerungen. Die Höhe beläuft sich nach Angaben aus informierten Kreisen auf 400 Millionen Euro. Durch den Überbrückungskredit soll das Merckle-Imperium mit 100.000 Mitarbeitern kurzfristig vor der Insolvenz bewahrt werden. Adolf Merckle hatte nach Angaben des VEM-Sprechers selbst noch alle nötigen Unterschriften geleistet, bevor er sich am Montag das Leben nahm. Sein Firmenimperium war durch die Finanzkrise und nach Verlusten bei Spekulationen mit VW-Aktien ins Wanken geraten.
Die finanziell schwer angeschlagene Merckle-Gruppe muss aber den Pharmahersteller Ratiopharm verkaufen. Zudem haben die Banken durchgesetzt, dass sich Ludwig Merckle - der Sohn von Adolf Merckle - aus dem Imperium zurückziehen müsse.
Ludwig Merckle äußerte sich dennoch positiv zur Vereinbarung: „Wir sind sehr froh, eine Lösung gefunden zu haben“. Nach dem Selbstmord des Firmenpatriarchen Adolf Merckle war sein Sohn Ludwig gemeinsam mit Ratiopharm-Finanzchefin Susanne Frieß Geschäftsführer der Merckle-Vermögensgesellschaft VEM.
Verkauf wird mehrere Monate in Anspruch nehmen
Der Verkauf des 1973 gegründeten Generikaherstellers werde durch einen Treuhänder, der von den Banken und der VEM gemeinsam bestimmt werde, zusammen mit der Ratiopharm-Geschäftsführung gesteuert, hieß es weiter. Der Verkauf werde mehrere Monate in Anspruch nehmen.
2.850 der insgesamt 5.400 Mitarbeiter sind nach Firmenangaben in Deutschland beschäftigt, davon 2.300 an den Produktionsstätten in Ulm und Blaubeuren. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Oliver Windholz, sagte: „Die Geschäftsführung wird alles in ihren Möglichkeiten stehende tun, um in diesem Verkaufsprozess die Interessen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu wahren.“
Kurs der HeidelbergCement-Aktie legt zu
Von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft soll zudem ein Sanierungsgutachten für die Gesamt-Gruppe erstellt werden. Das brauche eine gewisse Zeit. Es wird erwartet, dass die komplette Restrukturierung der Merckle-Gruppe mit zusammen rund 100.000 Beschäftigten bis zu 18 Monate dauern wird. Nach der Bekanntgabe der vorläufigen Rettung stieg der Kurs der Aktie des Baustoffherstellers HeidelbergCement am Nachmittag um 5 Prozent. Der Merckle-Clan hält an HeidelbergCement - unter anderem durch die VEM - rund 80 Prozent.
Der 74-jährige Merckle hatte sich am Montag in Blaubeuren bei Ulm von einem Zug überfahren lassen (siehe Adolf Merckle tot aufgefunden ). Seiner Familie hinterließ er nach Angaben der Staatsanwaltschaft Ulm einen Abschiedsbrief. Die wirtschaftliche Notlage seiner Unternehmen (Ratiopharm, Heidelberg Cement) und „die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können“, hätten den 74-Jährigen gebrochen, teilte die Familie mit. Merckles Firmenimperium - darunter der Pharmakonzern Ratiopharm und der Zementhersteller HeidelbergCement - war durch die Finanzkrise und nach Verlusten bei Spekulationen mit VW-Aktien ins Wanken geraten.
Der meist vom Erfolg verwöhnte Unternehmer war offensichtlich nicht damit zurecht gekommen, dass sein Imperium in Zahlungsschwierigkeiten geraten war. Die Banken hatten weitere Kredite an die Bedingung geknüpft, dass Merckle seine Kontrolle über einige wichtige Unternehmen wie Ratiopharm und Heidelberg Cement abgibt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.372,50 | −1,55% |
| Dow Jones | 12.448,60 | −1,05% |
| EUR/USD | 1,2399 | −0,71% |
| Rohöl Brent Crude | 104,01 $ | −2,66% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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