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Merck-Chef Karl-Ludwig Kley „Die Rückkehr zur D-Mark? Das wird nichts“

Für die deutsche Wirtschaft ist die „Alternative für Deutschland“ keine Option, sagt Karl-Ludwig Kley. Den eigenen Konzern will der Chef des Chemie- und Pharmakonzerns Merck mit dem größten Umbau seit der Gründung fit für die Zukunft machen.

© Röth, Frank Die Euro-Rettungspolitik sei nicht zurückzudrehen, meint Karl-Ludwig Kley

Mit dem Namen der eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ kann Karl-Ludwig Kley in den Tagen nach deren Gründungsparteitag noch nicht viel anfangen. Der Vorsitzende der Geschäftsleitung des Pharma- und Chemiekonzerns Merck KGaA will das Kürzel „AfD“ noch nie gehört haben, verwechselt es zunächst mit einem Automobilclub. Zum weiteren Scherzen über die politischen Inhalte der Parteineugründung ist ihm aber nicht zumute. Vielmehr fällt seine Meinung dezidiert negativ aus. „Ich halte den Wunsch, zur D-Mark zurückzukehren, für keinen Beitrag, der nach vorne gerichtet ist“, sagt Kley im Gespräch mit dieser Zeitung in der Konzernzentrale in Darmstadt.

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Dabei ist Kley kein begeisterter Euro-Anhänger, der nicht in der Lage wäre, nach links und rechts zu schauen. Im Gegenteil. „Der Euro ist in den Jahren nach seiner Einführung nie das Schicksal Europas gewesen“, sagt er. „Auch wäre es vor ein paar Jahren vielleicht noch möglich gewesen, Griechenland aus der Währungsunion zu entlassen. Inzwischen aber haben sich die europäischen Politiker und die europäischen Institutionen so sehr auf ihre Politik zur Bewältigung der Euro-Krise festgelegt, dass ein Scheitern des Euro einem Scheitern der Institutionen gleichkäme.“ Deutschland aber brauche Europa. Eine Verklärung der Vergangenheit nach dem Motto „Wie war es doch so schön“ helfe da nicht weiter.

Es geht um die Gestaltung der Zukunft

In seiner Analyse geht es Kley nach eigenen Worten nicht in erster Linie um Merck, einen Konzern mit rund 40000 Mitarbeitern in mehr als hundert verschiedenen Ländern. „Wir sind so stark und bewegen uns auch jetzt schon in so vielen Währungsräumen, dass wir mit einer solchen Entwicklung umgehen könnten“, versichert er. Besorgt sei er vielmehr in seiner Rolle als Präsident des Verbands der Chemischen Industrie (VCI). „Als VCI-Präsident sage ich Ihnen mit Blick auf eine potentielle Rückkehr zur D-Mark: Das wird nichts. Unsere Branche ist zu 96 Prozent mittelständisch geprägt - und hier hätte ich in Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit dieser stark exportorientierten Unternehmen in einem Umfeld mit einer deutlich aufwertenden D-Mark ernsthafte Bedenken.“

Es sei bei aller nachvollziehbarer Kritik an einzelnen Entscheidungen unmöglich, argumentiert Kley, die vergangenen vier bis fünf Jahre europäischer Rettungspolitik zurückzudrehen. „Sie müssen immer an das anknüpfen, was bisher geschehen ist. Und deshalb bin ich mit Blick auf die Bundestagswahl sehr dafür, dass die Wähler ihre Stimme den Parteien geben, denen es um die Gestaltung der Zukunft und nicht um Nostalgie geht.“

Infografik / Der Umsatz von Merck Umsatz nach Sparten © F.A.Z. Bilderstrecke 

Auf Nostalgie setzt Kley auch im eigenen Haus nicht, auch wenn es sich gerne auf sein Gründungsjahr 1668 beruft und als „das älteste chemisch-pharmazeutische Unternehmen der Welt“ darstellt. Der Manager, der seit 2007 an der Spitze von Merck steht, hat dem Konzern im vergangenen Jahr vielmehr die tiefsten Einschnitte seit seiner Gründung verordnet. Sie zielen auf die 350-Jahr-Feier von Merck und stehen deshalb unter dem Titel „Fit für 2018“. Zuerst wurden die Landesgesellschaften zugunsten der Zentrale entmachtet. Dann kündigte Kley die Streichung von 1100 Stellen in Deutschland und 500 Stellen in der Schweiz an, in diesem Ausmaß ein Novum für Merck. Und die Pharmasparte Serono, kurz vor Kleys Beförderung an die Unternehmensspitze für 10,6 Milliarden Euro übernommen, wird nun nicht mehr von Genf aus geführt, sondern wie der Rest des Konzerns von Darmstadt aus.

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