02.12.2009 · Der Autokonzern Daimler will die Mercedes-C-Klasse künftig nicht mehr in Sindelfingen bauen, sondern vor allem in Bremen - und in Tuscaloosa, Alabama. Im Gegenzug soll von 2014 an die Mercedes-SL-Montage nach Sindelfingen verlagert werden. Das soll Kosten sparen, keine Arbeitsplätze.
Der Autobauer Daimler verlagert einen Teil der Produktion von Mercedes-Benz in die Vereinigten Staaten. Im Bremer Werk wird die Produktion der Mercedes-Benz C-Klasse ab dem Jahr 2014 aufgestockt, wie Daimler am Mittwoch in Stuttgart mitteilte. Das Werk Sindelfingen werde künftig keine C-Klasse-Modelle mehr bauen, sondern erhalte im Gegenzug den Luxus-Roadster SL aus dem Werk Bremen.
Die Beschäftigten in Sindelfingen, dem größten Pkw-Werk des Konzerns, hatten in den vergangenen Tagen für den Erhalt von rund 5000 Arbeitsplätzen demonstriert, deren Bestand im Zuge der seit Monaten diskutierten Verlagerung der Montage der C-Klasse nach Gewerkschaftsangaben auf dem Spiel stand. Die Beschäftigung der Sindelfinger Mitarbeiter aus der C-Klasse-Produktion könne durch die Produktionsverlagerung des Mercedes-Benz SL und andere Maßnahmen erhalten werden, teilte Daimler mit. Sindelfingen werde als zentraler Technologie- und Forschungsstandort sowie als Produktionsstandort von Fahrzeugen der Ober- und Luxusklasse gestärkt.
Betriebsrat enttäuscht
Der Daimler-Betriebsrat hat enttäuscht auf die Pläne reagiert. „Unsere Befürchtungen sind wahr geworden“, sagte die Sprecherin des Gesamtbetriebsrats, Silke Ernst, am Mittwoch. Trotz der vom Konzern angekündigten Beschäftigungssicherung seien im größten Daimler-Werk nun 3000 Arbeitsplätze gefährdet.
„Wir fordern ein Konzept zur Beschäftigungssicherung und einen langfristigen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen“, sagte Ernst. Der Konzern müsse darlegen, wie neue Produkte und zusätzliche Aufgaben aussehen können (Daimler bringt Belegschaft in Rage).
Der stellvertretende Betriebsratschef bei Daimler in Bremen, Jürgen, Corrs sagte, die Entscheidung gebe im Moment dem Bremer Werk „Luft zum Atmen“. Doch wer wisse schon, ob der Markt 2014 die C-Klasse auch in dem Umfang abfrage. Zudem schmerze die Bremer natürlich, dass sie die Mercedes-SL-Montage verlieren.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll die umsatzstarke C-Klasse von 2014 an zu 60 Prozent in Bremen, zu 20 Prozent in Tuscaloosa (Bundesstaat Alabama) und zu jeweils 10 Prozent in China und Südafrika gebaut werden. Der vom Betriebsrat befürchtete Abbau von 3000 Stellen in Sindelfingen ist damit vom Tisch.
1800 Stellen von der Verlagerung betroffen
Nach Daimler-Angaben sind im bisher größten Daimler-Produktionswerk allerdings 1800 Stellen von der Verlagerung betroffen. „Den betroffenen Mitarbeitern werden auch zukünftig attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten“, sagte ein Daimler-Sprecher.
Der Autobauer rechnet in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Absatzschub und will ab dem Jahr 2015 jährlich rund 1,5 Millionen Autos ausliefern. Das wären gut 50 Prozent mehr als in diesem Jahr, in dem Daimler wie andere Autobauer mit der Absatzkrise kämpft und Kurzarbeit fährt.
Durch den Umbau der Produktionsstandorte erhofft sich Daimler vor allem Einsparungen bei den Produktionskosten und geringere Belastungen durch den schwachen Dollar-Kurs. „Aufgrund des starken Wettbewerbs im Segment der C-Klasse ist für uns eine kostenoptimale Aufstellung der Produktion für die Zukunft enorm wichtig“, sagte Mercedes-Benz-Produktionschef Rainer Schmückle. Durch die künftige Produktion der C-Klasse im Werk Tuscaloosa ergäben sich auch Vorteile durch geringere Zoll- und Logistikkosten. Der Bau von Fahrzeugen in Tuscalooosa für den amerikanischen Markt ermögliche dort weiteres Wachstum in Zeiten eines starken Euro.
Vorstandschef Dieter Zetsche betonte in einer Mitteilung, die Entscheidung sei aus „strategisch-wirtschaftlicher Sicht unabdingbar“. Weiter hieß es: „Der Standort Deutschland ist und bleibt das Herz unseres Produktionsverbunds.“ Die zentrale Fertigung von Kompaktfahrzeugen der Marke Mercedes-Benz soll wie bisher im Werk Rastatt (Baden) bleiben.
„Dies bedeutet keinerlei Beeinträchtigung der Marke“
Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer nannte Daimlers Standort-Strategie einen richtigen Schritt. „Daimler steht bei weitem nicht so gut da, wie man glaubt, wenn man an den Stern denkt“, sagte der Professor von der Universität Duisburg-Essen der Deutschen Presse-Agentur. „Daimler kämpft mit Ertragsproblemen und kann sich daher keine Kosten-Ineffizienzen erlauben.“
Die größten Konkurrenten Audi und BMW hätten sich sehr stark im Premiummarkt positioniert. Seit Jahren baue Daimler in den Vereinigten Staaten die M- und R-Klasse und auch die Konkurrenten produzierten im Ausland. „Dies bedeutet keinerlei Beeinträchtigung der Marke“, sagte Dudenhöffer. „Der Kunde kauft mit seinem Mercedes nicht ein Stück Deutschland, sondern ein Stück Mercedes.“
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