22.08.2008 · Taktieren um den Tankflugzeug-Auftrag: Boeing will im Wettstreit mit EADS über einen Milliardenauftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums mehr Zeit - und droht sogar mit einem Rückzug seines Angebotes. Branchenkenner vermuten: Boeing spekuliert auf einen Regierungswechsel.
Von Christian SchubertDer amerikanische Flugzeughersteller Boeing fordert mehr Zeit, um einen neuen Vorschlag für den Tankerflugzeug-Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums ausarbeiten zu können. Ansonsten könnte das Unternehmen aus dem Bieterverfahren aussteigen, sagte der Leiter der Boeing-Rüstungssparte Jim Albaugh in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“.
Boeing fordert sechs Monate mehr Zeit, um ein Angebot für ein größeres Flugzeug als die bisher vorgesehene Boeing 767 abgeben zu können, anstelle der zwei Monate, die das Pentagon den Bietern voraussichtlich einräumen wird. „Ich würde lieber kein Angebot einreichen als eines, das nicht konkurrenzfähig ist“, sagte Albaugh.
Es geht um 179 Tankflugzeuge
Bei dem Großauftrag geht es um die Lieferung von 179 Tankflugzeugen für die amerikanische Luftwaffe im Gesamtwert von 40 Milliarden Dollar. Boeing hatte schon 2003 einen schweren Rückschlag erlitten, als das Unternehmen sein Angebot wegen eines Korruptionsskandals zurückziehen musste. Die zweite Niederlage folgte im Februar dieses Jahres, als der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und sein amerikanischer Partner Northrop Grumman den Zuschlag erhielten. Allerdings wird das Verfahren jetzt neu aufgerollt, weil der amerikanische Rechnungshof auf Beschwerde von Boeing Fehler bei der Auftragsvergabe feststellte.
Das amerikanische Verteidigungsministerium, das in dem Verfahren die Regie von der Luftwaffe übernommen hat, wird nach Angaben des „Wall Street Journals“ voraussichtlich in der kommenden Woche eine letzte Aufforderung für Gebote versenden. Eine Schlüsselfrage ist die Menge des transportierbaren Treibstoffes. EADS bietet mit seinem umgebauten A330 das größere Flugzeug an. Auch ist der Airbus das jüngere Modell.
„Wir werden den Tankerauftrag auch im zweiten Anlauf erhalten, weil wir das technisch wie finanziell überlegene Produkt haben“, sagte der EADS-Vorstandsvorsitzende Louis Gallois im Juni auf der Luftfahrtschau von Farnborough. Nach der bisherigen Planung soll die endgültige Vergabeentscheidung bis Ende des Jahres fallen. Boeing könnte aber auch aus politischen Gründen daran interessiert sein, den Prozess in die Länge zu ziehen, um unter einer neuen politischen Führung in Washington zum Zuge zu kommen, vermuten europäische Branchenexperten.
Für EADS hängen mehrere Ziele von dem Projekt ab. Das Unternehmen will eine Produktionsstätte im amerikanischen Alabama errichten, wenn es den Zuschlag erhalten sollte. Dort könnten in der Zukunft auf Frachtflugzeuge gebaut werden. EADS würde damit zum einen seine Abhängigkeit vom starken Euro gegenüber dem Dollar senken und zum anderen innerhalb des Konzerns seinen Umsatzanteil im Verteidigungsgeschäft gegenüber dem Verkauf von Passagierflugzeugen erhöhen.
Wahrheit stirbt wohl bereits vor dem Kriege...
Peter Maria Reinike (P.Maikaefer)
- 22.08.2008, 18:28 Uhr
¿Was ist das denn?
Chris Heidrich (Rockwilder1979)
- 23.08.2008, 00:58 Uhr
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