28.06.2010 · Der Münchner Technologiekonzern Siemens hat bei der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin eine Banklizenz beantragt. Damit will Siemens seinen Kunden die Finanzierung erleichtern und mehr Sicherheit bei der Geldanlage gewinnen.
Siemens will eine eigene Bank gründen. Mit dem Geldhaus will sich der Münchener Technologiekonzern direkten Zugang zu den Zentralbanken verschaffen und so seine milliardenschweren Mittel sicherer anlegen. „Wir haben vor einiger Zeit eine Banklizenz beantragt“, begründete Finanzvorstand Joe Kaeser die Entscheidung in einem Medienbericht. Er hoffe, diese in nächster Zeit von den Behörden zu erhalten.
„Unsere Liquidität liegt derzeit bei fast neun Milliarden Euro, dafür brauchen wir insbesondere sichere Anlagemöglichkeiten“, sagte Kaeser. „Das könnten wir in Zukunft eben dann selbst mit gestalten. Es ist ja auch wirklich kein Hexenwerk“, zeigte sich der Manager selbstbewusst.
Keine Konten für Privatkunden
Wie groß die Siemens-Bank werden soll, sei noch offen, sagte ein Sprecher. Fest steht dagegen, dass das Unternehmen keine Konten für Privatkunden plant. Der Konzern verfügt bereits jetzt über eine Finanzsparte namens Siemens Financial Services. 2009 hatte sie knapp 1.900 Mitarbeiter und eine Bilanzsumme von 11,7 Milliarden Euro.
Die Bankenkrise habe deutlich gemacht, dass man auch als Kunde in Mitleidenschaft gezogen werden könne, sagte Kaeser. „Vor drei Jahren kam ich noch nicht einmal auf die Idee, mir Sorgen zu machen, wo wir zum Beispiel unsere Liquidität anlegen, mit wem wir Währungs- oder Zinssicherungsgeschäfte machen. Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre sehe ich hier realen Handlungsbedarf.“
Unternehmen streben zur Bundesbank
Seit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman 2007 suchen Großunternehmen verstärkt direkte Zuflucht für ihr Geld in den sicheren Kassen der Bundesbank. Im Februar war der Versicherer Talanx allerdings mit dem Versuch gescheitert, sich auf dem Gerichtsweg ein Konto bei der Zentralbank zu erstreiten. Der Konzern aus Hannover hatte Gleichbehandlung mit den Banken gefordert, war aber mit dem Vorstoß vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt abgeblitzt, da die Richter das Unternehmen nicht für systemrelevant hielten.
Siemens will sich mit einer eigenen Bank zudem seine Absatzfinanzierung erleichtern. Das Unternehmen arrangiert mit seiner Finanzsparte SFS häufig für seine Kunden Finanzierungspakete für Großanlagen, etwa Windparks. Mit einer eigenen Bank fallen die Transaktionskosten für das Schnüren von Kreditbündeln oder anderen Finanzierungsmodellen weg. Kaeser dämpfte Befürchtungen, die Hausbanken würden unter der Initiative leiden. „Keine verlässliche Bank wird deshalb Siemens als Kunden verlieren.“
In Finanzkreisen gab man sich gelassen: „Siemens wird auch künftig Kapitalmarkttransaktionen nicht ohne Profi-Betreuung machen. Hier ist wohl viel PR-Geklingel im Spiel. Auch im Kreditgeschäft ist für die Banken nicht mit größeren Einbußen zu rechnen.“ Dennoch gibt der Konzern mit dem Schritt ein Stück weit seinen Spöttern recht, die Siemens wegen seiner Finanzmacht seit langem als „Großbank mit angeschlossener Elektroabteilung“ bezeichnen.
Großbank mit angeschlossener Elektroabteilung
Hans-Ulrich Grefe (Ha_Ulrich)
- 28.06.2010, 17:00 Uhr
Großbank mit angeschlossener Elektroabteilung
Hans-Ulrich Grefe (Ha_Ulrich)
- 28.06.2010, 17:00 Uhr
Es krieselt, krieselt, krieselt gar graulich !
Karl Mohr (MoriaeEncomium)
- 28.06.2010, 18:03 Uhr
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