01.08.2005 · Immer öfter werden neue Entwicklungen von Pharmakonzernen einfach gekauft. Die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente ist vielen Unternehmen zu zeit- und kostenaufwendig.
Die Innovationen der Pharmabranche kommen zunehmend aus der Biotechnologie. Immer weniger traditionelle Pharmaunternehmen entdecken neue Präparate im Rahmen ihrer Grundlagenforschung und begleiten sie dann durch sämtliche Entwicklungsphasen. Vielmehr gehen die großen Konzerne dazu über, die Rechte an neuen Hoffnungsträgern von kleineren Biotechnologieanbietern zu übernehmen, was im Fachjargon „einlizenzieren“ genannt wird.
Dahinter steckt grundsätzlich der Gedanke, die fixen Kosten einer eigenen Forschung durch variable Überweisungen (sogenannte Meilensteinzahlungen) an Forschungspartner zu ersetzen. Erst von der Phase II der klinischen Entwicklung an, also in der vorletzten Entwicklungsphase vor dem Zulassungsantrag, übernehmen Pharmakonzerne eine größere Zahl von Entwicklungskandidaten in ihre eigene Obhut.
Krebspatienten sollen für Umsatz sorgen
Ein besonderes Augenmerk liegt in jüngster Zeit auf Präparaten, die der Behandlung von Krebskrankheiten dienen. Denn gerade auf diesem Gebiet wurden in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren wesentliche Erkenntnisfortschritte erzielt. Eine Medikamentengruppe, die die Börse schon heute bewegt und auf die Patienten und die Pharmaunternehmen gleichermaßen hoffen, soll Tumoren die Sauerstoff- und Nährstoffzufuhr abschneiden.
Das Marktpotential für diese sogenannten Angiogenese-Hemmer schätzt die Schweizer Bank Vontobel auf 13 Milliarden Dollar, und das, obwohl diese Präparate bisher nur eine Verlängerung des Lebens von vielleicht drei Monaten sorgen können. Das bisher wohl hoffnungsvollste Medikament, das nach diesem Wirkmechanismus arbeitet, ist - zur Behandlung von Darmkrebs - schon eingeführt worden. Es handelt sich um das Präparat Avastin der Schweizer Roche und deren Tochtergesellschaft Genentech aus San Francisco, dem Pionier der Biotech-Branche schlechthin.
Medikamente als Hoffnungsträger
Andere Unternehmen müssen auf diesem Gebiet mit Rückschlägen zurechtkommen. Dazu gehört die Berliner Schering AG. Denn deren Darmkrebsmittel PTK/ZK liefert im Rahmen klinischer Studien bisher nicht die gewünschten Ergebnisse. Den jüngsten Rückschlag gab es erst vor wenigen Tagen. Inzwischen werden mit dem Medikament nur noch wenige Hoffnungen verknüpft. Die deutsche Bayer AG und ihr amerikanischer Partner Onyx haben wiederum positive Studienresultate für ihr neues Krebsmedikament Sorafenib vorgelegt. Nach Daten einer späten klinischen Studie der Phase III zur Anwendung des Präparats bei fortgeschrittenem Nierenkrebs verlängert Sorafenib das Überleben der Patienten deutlich.
Sorafenib ist einer der größten Hoffnungsträger der Bayer-Pharmasparte. Dem Mittel wird ein Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro im Jahr zugetraut. Sorafenib soll das Enzym Raf-Kinase hemmen. Dadurch soll das Wachstum der Tumorzellen unterbunden und gleichzeitig in die Gefäßneubildung eingegriffen werden, um die Blutversorgung des Tumors zu stoppen. Nach der Genehmigung durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA könnte das Präparat in der ersten Jahreshälfte 2006 auf den Markt kommen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.371,95 | −1,59% |
| Dow Jones | 12.442,40 | −1,10% |
| EUR/USD | 1,2399 | −0,71% |
| Rohöl Brent Crude | 104,01 $ | −2,66% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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