29.07.2010 · Diese Mädchenband muss den Medienmogul Sumner Redstone wirklich fasziniert haben: Der Sängerin schenkte er sehr viele Viacom-Aktien, zum Missfallen von MTV warb er bei dem Sender für die Band - und ein Anruf bei einem Journalisten verleiht ihm nun die Aura eines Mafiabosses.
Von Roland LindnerSumner Redstone ist für seine Kapriolen bekannt. Der Verwaltungsratsvorsitzende und Großaktionär des amerikanischen Medienkonzerns Viacom machte vor ein paar Jahren Schlagzeilen, als er einen Vertrag seines Unternehmens mit dem Schauspieler Tom Cruise nicht erneuerte und ihn in einem spektakulären Interview mit dem „Wall Street Journal“ öffentlich scharf attackierte. Redstone kritisierte damals das Verhalten von Cruise, der sich zuvor einige fragwürdige Auftritte geleistet hatte. Unter anderem ging es um dessen aggressives Eintreten für Grundsätze der Scientology-Sekte, deren prominentestes Mitglied Cruise ist (siehe Tom Cruise: Paramount kündigt Vertrag).
Für den 87 Jahre alten Medienmogul ist es offenbar nichts Ungewöhnliches, sich im Geschäft von persönlichen Animositäten oder auch Vorlieben leiten zu lassen und dabei auch in inhaltliche Fragen seines Imperiums einzugreifen. Das unterstreicht die bizarre Geschichte, mit der Redstone gerade in der amerikanischen Boulevardpresse für Schlagzeilen sorgt. So soll Redstone versucht haben, einer Mädchenband mit einer Show auf dem zu Viacom gehörenden Jugendsender MTV zum Durchbruch zu verhelfen. Von einer der Sängerinnen soll er so hingerissen gewesen sein, dass er ihr Viacom-Aktien geschenkt hat. Den Vogel schoss er schließlich ab, als er den Journalisten, der die Geschichte ans Licht brachte, anrief und zur Preisgabe seiner Quelle drängte. Ein Mitschnitt des Anrufs kam an die Öffentlichkeit und lässt Redstone wie einen finsteren Mafiaboss erscheinen.
„Wir werden ihn nicht umbringen. Wir wollen nur mit ihm reden“
Die Affäre begann im Juni, als der Online-Dienst „The Daily Beast“ erstmals über die seltsame Faszination von Redstone für die Mädchenband Electric Barbarellas berichtete. Demnach soll er das Management von MTV dazu gedrängt haben, eine Pilotfolge für eine Reality-Serie über die Gruppe zu drehen. Die MTV-Führung um die Vorstandsvorsitzende Judy McGrath sollen über die Initiative von Redstone entsetzt gewesen sein, denn nach ihrer Auffassung seien sowohl die Show als auch die Musik der Band qualitativ bodenlos schlecht, hieß es in dem Bericht weiter. Redstone soll die sechs Mädchen außerdem auf seine persönlichen Kosten von Kalifornien nach New York eingeflogen zu Treffen mit Plattenfirmen eingeflogen haben.
Vor wenigen Tagen schrieb der Autor des Berichts, Redstone habe ihn angerufen und auf dem Anrufbeantworter aufgefordert, auszupacken, wer bei Viacom die Geschichte über die Electric Barbarellas ausgeplaudert hat. Der Journalist Peter Lauria tat nichts dergleichen, stellte dafür aber die Aufzeichnung des Anrufs ins Internet und blamierte Redstone damit auf die Knochen. Redstone sagte mit Blick auf den Maulwurf, dessen Identität er von Lauria einforderte: „Wir werden ihn nicht umbringen. Wir wollen nur mit ihm reden. Wir werden ihn nicht feuern.“ Die Stimme des Medienmoguls klingt dabei aber alles andere als beruhigend. Ein Sprecher von Viacom bestätigte hinterher die Authentizität des Bandes, distanzierte das Unternehmen aber gleichzeitig von Redstone und sagte, dieser habe auf eigene Faust gehandelt. Ein Sprecher von Redstone wurde mit den Worten zitiert, der Unternehmer bedaure den Anruf.
Pikantes Aktiengeschenk erregt Aufmerksamkeit der Börsenaufsicht
Zusätzlich pikant wird die Geschichte noch dadurch, dass Redstone einer Sängerin der Band, der 29 Jahre alten Heather Naylor, ein stattliches Paket von Viacom-Aktien geschenkt haben soll. Die Unterhaltungspublikation „Hollywood Reporter“ berichtete unter Berufung auf eine auf Anfang März datierende Eingabe bei der Börsenaufsicht SEC, dass Naylor insgesamt 3250 Aktien von Redstone bekommen haben soll. Die Sängerin habe kurz danach Viacom-Aktien für 100.000 Dollar verkauft.
Sumner Redstone unterstreicht mit der Episode, dass er auch in höherem Alter nichts von seinem Elan verloren hat. Redstone wurde auch erst recht spät in seinem Leben zum Medienmogul: Er war schon 64 Jahre alt, als er Viacom im Jahr 1987 kaufte. Zuvor hatte er ein eher unauffälliges Leben geführt und stand an der Spitze einer von seinem Vater gegründeten Kinokette. Nach der Transaktion baute er Viacom mit einem Zukauf nach dem anderen zu einem riesigen Medienkonglomerat aus. Im Jahr 2006 spaltete er das Unternehmen in zwei Teile auf: Auf der einen Seite ist Viacom mit Kabelfernsehsendern wie MTV oder dem Kinderkanal Nickelodeon und den Paramount-Filmstudios. Auf der anderen Seite steht CBS mit dem gleichnamigen Sender sowie einigen anderen Fernsehkanälen und einem auf Außenwerbung spezialisierten Unternehmen. Redstone ist Verwaltungsratsvorsitzender bei beiden Unternehmen.
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