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Medienkonzern Bertelsmann zerlegt die Buchklubs

04.09.2007 ·  Buchklubs sind seit Jahren eine Krisensparte im Reich von Bertelsmann. Jetzt zieht der Konzern die Konsequenzen und verkauft die Aktivitäten in Nordamerika an die Konzernschwester Random House.

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Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann zerlegt sein Geschäft mit Buch- und anderen Medienklubs. Die für das Endkundengeschäft zuständige Sparte Direct Group gibt ihre Aktivitäten in Nordamerika an die Konzernschwestergesellschaft Random House ab, den größten Buchverlag der Welt. Es wird weiterhin von Stuart Goldfarb geleitet. Auf den Bereich entfällt rund eine Milliarde Euro Umsatz.

Das Bertelsmann-Klubgeschäft der neuen geschrumpften Direct Group in Europa und Asien mit Erlösen von rund 1,7 Milliarden Euro soll als Bereichschef der Spanier Fernando Carro leiten. Er hat bisher den kriselnden deutschen Buchklub und das Spanien-Geschäft geführt.

Keinen Sitz im Konzernvorstand mehr

Anders als der bisherige Chef der Direct Group, Ewald Walgenbach, erhält Carro aber keinen Sitz im Konzernvorstand von Bertelsmann mehr. Er berichtet an den Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens, Gunter Thielen.

Walgenbach hat angekündigt, das Unternehmen zu verlassen, und wechselt zur Beteiligungsgesellschaft BC Partners. Thielen, der zum Jahreswechsel seinen Stuhl an der Unternehmensspitze für Nachfolger Hartmut Ostrowski räumt, versicherte in einem Brief an die Mitarbeiter, die Medienklubs blieben „Kerngeschäft“ von Bertelsmann.

Verlust im ersten Halbjahr

Am Dienstag gab Bertelsmann bekannt, dass die Direct Group im ersten Halbjahr ins Minus fiel. Die Sparte wies einen operativen Verlust von 35 Millionen Euro in den ersten sechs Monaten aus. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres lag die Clubsparte noch mit 13 Millionen Euro im Plus.

Die Fernsehsparte RTL dagegen ist weiterhin im Aufwind und legte ein neues Rekordergebnis vor. Auch die Zeitschriftengruppe Gruner+Jahr entwickelte sich positiv. Die Musiksparte BMG musste den Verkauf des gewinnbringenden Musikverlags BMG Music Publishing verkraften. Das operative Minus im Tonträgergeschäft des Gemeinschaftsunternehmens Sony BMG fiel mit drei Millionen Euro deutlich kleiner aus als in den ersten sechs Monaten 2006, als es bei mehr als 30 Millionen Euro lag.

Mehr als 100.000 Beschäftigte im Konzern

Erstmals in seiner Geschichte hat Bertelsmann im ersten Halbjahr die Marke von 100.000 Beschäftigten übersprungen. Zum 30. Juni wurden im größten Medienunternehmen Europas weltweit 101.009 Beschäftigte gezählt, teilte Bertelsmann am Dienstag mit.

Der bereinigte Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2007 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,3 Prozent auf 9,0 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erhöhte sich um 1,9 Prozent auf 714 Millionen Euro. Unter dem Strich brach der Nettogewinn aber von 354 Millionen Euro auf 51 Millionen Euro ein. Grund sind laut Konzernchef Gunter Thielen vor allem teure Vergleiche im Streit um die Musiktauschbörse Napster.

Die Keimzelle des Konzerns

Die Buchklubs waren die Keimzelle des einzigen deutschen Medienkonzerns, der in der Weltliga mitspielt, sind allerdings mittlerweile an den Rand gerückt. Der Mann, der Bertelsmann aufgebaut hatte, Reinhard Mohn, hatte die Idee, den Kunden Bücher im Abonnement zu verkaufen, nach dem Zweiten Weltkrieg ersonnen und damit den Nerv der damaligen Zeit getroffen.

Über Jahrzehnte hinweg waren die Klubs für Bertelsmann ein wichtiger Gewinnbringer. Vor allem der deutsche Klub zählte jedoch schon längere Zeit zu den Sorgenkindern im Konzern. Nach jahrelangen Verlusten erreichte er erst 2006 wieder die Gewinnschwelle.

Abnahmepflicht halten viele für veraltet

Immer wieder gibt es deshalb Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Abonnementvertriebs mit Abnahmepflicht für die Kunden. Bertelsmann hat jedoch stets bekräftigt, an dem Geschäftsmodell festhalten zu wollen. Das Unternehmen verweist auf das Ausland, wo Bertelsmann etwa in Frankreich mit seinem Klub „France Loisirs“ erfolgreich ist. Die bisherige Direct Group beschäftigt weltweit rund 15.000 Mitarbeiter und hat 35 Millionen Kunden.

Die Konzernsparte ist vor sieben Jahren von Thielens Vorgänger Thomas Middelhoff als Klammer für das Endkundengeschäft geschaffen worden. Thielen hat den Bereich nach seinem Amtsantritt vor fünf Jahren aber bereits deutlich zurückgestutzt.

Quelle: dpa und theu./F.A.Z., 04.09.2007, Nr. 205 / Seite 15
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