17.11.2009 · Der Medienriese Time Warner trennt sich am 9. Dezember endgültig von AOL. Die Titel der Internet-Tochter werden dann eigenständig an der Börse gehandelt. Damit endet ein neunjähriger Zusammenschluss, der als einer der größten Fehlschläge der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte gilt.
Der amerikanische Medienriese Time Warner macht Ernst mit der Trennung von seiner Problemtochter AOL. Die Internetsparte werde am 9. Dezember aus dem Konzern herausgelöst und am darauf folgenden Tag als eigenständiges Unternehmen an der Börse gehandelt, teilte Time Warner am Montag in New York mit. Der Konzern verschenkt AOL dabei an seine Anteilseigner: Für elf bestehende Time-Warner-Aktien erhalten diese ein neues AOL-Papier. Oben drauf kommt die Quartalsdividende von 0,1875 Dollar pro Anteilsschein.
Time Warner hatte bereits angekündigt, AOL bis zum Jahresende loswerden zu wollen (Time Warner spaltet AOL ab). Damit zieht der Medienkonzern einen Schlussstrich unter das jahrelange Desaster. Die einst 100 Milliarden Dollar schwere Fusion von AOL und Time Warner war im Jahr 2001 als Jahrhundert-Hochzeit gefeiert worden. Nach dem Platzen der Internet-Blase blieben gigantische Verluste, die Ehe galt als gescheitert.
Time Warner hatte nicht zuletzt wegen AOL auch im dritten Quartal einen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Der Überschuss war um fast 40 Prozent auf 661 Millionen Dollar (444 Mio Euro) gefallen. Die Internetsparte leidet unter sinkenden Nutzerzahlen und niedrigen Werbeeinnahmen.
Nach der Loslösung, das hatte der bisherige Mutterkonzern bereits angekündigt, muss AOL sein Geschäft erstmal einmal auf Vordermann bringen und dafür teuer umbauen. Time Warner selbst steckt bereits seit längerem in einem Umbau. In Europa hat sich der Konzern längst vom AOL-Geschäft mit Internetzugängen getrennt. Auch die Kabelnetz-Sparte ist weg. Zum Kerngeschäft von Time Warner gehören TV-Sender (CNN), Magazine („Time“, „Fortune“) oder Filmstudios (Warner Brothers).
AOL-Chef Tim Armstrong will sich künftig im Gegensatz zu Yahoo und Microsoft, die mit Google auf dem Suchmaschinenmarkt konkurrieren, auf Online-Inhalte, Kommunikation und Werbung konzentrieren. Der frühere Google-Manager setzt damit auf Einnahmen von Firmen, die auf der AOL-Website oder Partnern wie den Promidienst TMZ.com Werbung schalten. Der Markt dafür ist aber durch die globale Rezession besonders stark geschrumpft.
Soviel zum Thema "merger of equals"
Bernd Michalski (michalski2)
- 17.11.2009, 10:17 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.371,95 | −1,59% |
| Dow Jones | 12.442,40 | −1,10% |
| EUR/USD | 1,2399 | −0,71% |
| Rohöl Brent Crude | 104,01 $ | −2,66% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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