http://www.faz.net/-gqe-74brz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 13.11.2012, 13:43 Uhr

Medien „Frankfurter Rundschau“ meldet Insolvenz an

Die „Frankfurter Rundschau“ ist pleite. Der Verlag hat Insolvenz beim Amtsgericht Frankfurt angemeldet. Was aus der Zeitung wird, ist noch unklar. Die Gehälter der Mitarbeiter seien bis Ende Januar 2013 gesichert, teilten die Eigentümer-Gesellschaften bei einer Betriebsversammlung mit.

© dapd Vor dem Aus? Die „Frankfurter Rundschau“ ist insolvent

Der traditionsreichen „Frankfurter Rundschau“ droht das Aus. Die seit Jahren mit Verlusten arbeitende Zeitung meldete am Dienstag Insolvenz an. Die beiden Eigentümer sähen keine Chance mehr, die Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH in die Gewinnzone zurückzuführen, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung des Kölner Verlagshauses M. DuMont Schauberg und der SPD-eigenen Verlagsbeteiligungs-Gesellschaft DDVG. Im ersten Halbjahr habe der Verlag massiv Umsätze mit Anzeigen und im Druck verloren. „Somit war auch für die Geschäftsleitung keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens mehr erkennbar“, hieß es in der Mitteilung.

In den vergangenen Jahren schrieb die Frankfurter Rundschau jeweils rund 20 Millionen Euro Verlust. Erst fünf Stunden nach dem Insolvenzantrag beim Frankfurter Amtsgericht wurde die Belegschaft in einer Betriebsversammlung informiert. Als vorläufiger Insolvenzverwalter soll der Anwalt Frank Schmitt aus der Großkanzlei Schultze & Braun nun die Lage sondieren. Der Betrieb solle fortgeführt werden. Die Löhne der Mitarbeiter sind nur bis Ende Januar durch das Insolvenzgeld sicher.

Die „FR“ hat schon mehrere drastische Kürzungsrunden hinter sich. Zur Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, die die Zeitung trägt, gehört eine Großdruckerei in Neu-Isenburg bei Frankfurt, in der auch andere überregionale Tageszeitungen wie „Bild“ und „Handelsblatt“ gedruckt werden. „Wir haben nie erwartet, dass unser Engagement in Frankfurt hohe Gewinne zeitigen würde. Eine sich nunmehr abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste ist aber sowohl für M. DuMont Schauberg als auch die DDVG nicht länger darstellbar“, erklärten die Eigentümer.

Insolvenzantrag fuer "Frankfurter Rundschau" gestellt © dapd Vergrößern Schon im April 2011 demonstrierten Mitarbeiter und Redakteure der Rundschau in Frankfurt für den Verbleib der Mantelredaktion am Main - vergebens

„Das ist ein schwarzer Tag für die Beschäftigten und ein schwarzer Tag für die Pressevielfalt in Deutschland“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Werneke. Das Blatt sei ein Garant für Meinungsstärke und journalistische Qualität und vom deutschen Zeitungsmarkt nicht wegzudenken. Er warf dem Mehrheitseigentümer vor, die Zeitung „bis zur Unkenntlichkeit geschliffen und das Blatt auf regionale Bedeutung herabgestuft“ zu haben.

Massive Kritik an den Eigentümern

DuMont Schauberg, dem auch der „Kölner Stadtanzeiger“, die „Berliner Zeitung“ und die „Mitteldeutsche Zeitung“ in Halle gehören, war vor sechs Jahren mit 50 Prozent bei der Rundschau eingestiegen. Die DDVG hält seither noch 40 Prozent, die nach dem Zeitungsgründer bekannte Karl-Gerold-Stiftung zehn Prozent.

Verdi appellierte an die SPD, die als linksliberal eingestufte Zeitung zu retten: „Gerade die SPD sollte ein hohes Interesse daran haben, dass die FR als wahrnehmbare Stimme auf einem vielfältigen Zeitungsmarkt erhalten bleibt“, sagte Werneke. „Die Insolvenz ist die Folge von jahrzehntelangem Missmanagement“, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken.

Mehr zum Thema

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) forderte die Mediengruppe auf, auf Kündigungen redaktioneller Mitarbeiter weitgehend zu verzichten. „Die Journalistinnen und Journalisten der „FR“ brauchen eine berufliche Perspektive“, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Er rief die Geschäftsführung dazu auf, den Betroffenen adäquate Stellen bei anderen Medien der Gruppe anzubieten. „Die Insolvenz der Rundschau ist die Folge von jahrzehntelangem Missmanagement“, sagte Konken weiter. „Das Aus der renommierten Zeitung ist besonders bitter für die Beschäftigten, die über Jahre hinweg mit Einkommensverzicht für den Erhalt ihrer Zeitung gekämpft haben.“

Dramatisch sinkende Auflage

Die „Frankfurter Rundschau“ leidet noch stärker als andere Zeitungen nicht nur unter sinkenden Anzeigeneinnahmen, sondern auch unter Auflagenschwund. Jahrzehntelang mit dem Anspruch einer überregionalen Bedeutung angetreten, hatte sie sich unter der Ägide von Dumont auf den Großraum Frankfurt konzentriert. Die verkaufte Auflage ist in zehn Jahren auf 118.000 von 183.000 geschrumpft, obwohl die Zeitung 2007 mit dem Umstieg auf das kleinere Tabloid-Format neue Leser locken wollte. Seit zwei Jahren kommen die meisten überregionalen Inhalte von einer gemeinsamen Redaktion mit der „Berliner Zeitung“, seit dem vergangenen Jahr wird der überregionale Teil auch in Berlin produziert.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP und dapd

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Repression in der Türkei Bülent Mumay verhaftet, Haftbefehle gegen 47 weitere Journalisten ausgesprochen

Der F.A.Z.-Kolumnist und frühere Hürriyet-Mitarbeiter Bülent Mumay ist in der Türkei verhaftet worden. Insgesamt 47 neue Haftbefehle richten sich gegen Mitarbeiter der Zeitung Zaman. Mehr Von Karen Krüger

27.07.2016, 11:11 Uhr | Feuilleton
Türkei Regierung lässt Journalisten festnehmen

Nach der Verhängung des Ausnahmezustandes in der Türkei haben die Behörden Medienberichten zufolge am Montag Haftbefehle gegen 42 Journalisten erlassen. Unter ihnen sei auch Nazli Ilicak, eine frühere Parlamentsabgeordnete und Journalistin. Sie hatte der Regierung vor einigen Jahren Korruption vorgeworfen und war deshalb entlassen worden. Mehr

27.07.2016, 11:46 Uhr | Politik
Parsifal im Frankfurter Kino Genießen Sie die Emotion

Wie heißt doch gleich das rosa Wassereis? Auch solche Fragen wurden geklärt bei der Übertragung von Wagners Parsifal aus Bayreuth in ein Frankfurter Kino. Mehr Von Florian Balke

27.07.2016, 11:01 Uhr | Rhein-Main
Türkei Journalisten stehen vor dem Gericht

Sehr kritisch gegenüber Ankaras Umgang mit Journalisten äußerte sich am Freitag die Organisation Reporter ohne Grenzen in Berlin. Es sei nun klar, dass Journalisten in der Türkei nicht mehr sicher berichten können. Mehr

30.07.2016, 13:56 Uhr | Politik
Verhaftung türkischer Journalisten Bülent Mumay wieder frei

Seinen Posten als Online-Chef der türkischen Zeitung Hürriyet hatte Bülent Mumay bereits letztes Jahr auf Druck der Regierung aufgeben müssen. Am Dienstag war er dann einer von 89 Medienschaffenden, gegen die ein Haftbefehl erlassen wurde. Mehr

29.07.2016, 20:55 Uhr | Feuilleton

Minister Gabriel beim Mauscheln

Von Rainer Hank

Edeka darf Kaiser’s Tengelmann nicht übernehmen. Obwohl der Wirtschaftsminister es erlaubt hat. Der hat recht – aber doofe Argumente. Ein Kommentar. Mehr 3 5

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden