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Offensive gegen Umsatzverlust : McDonald’s führt den Tischservice in Deutschland ein

Konstante im Brötchen: Die Schnellrestaurantkette McDonald‘s feilt an besserem Service und einem neuen Erscheinungsbild, der Big Mac aber bleibt. Bild: Picture-Alliance

Der größte Hamburger-Konzern der Welt kämpft gegen den Kundenschwund und den wachsenden Wettbewerb. Deutschland-Chef Holger Beeck will nun mit neuen Konzepten Gäste zurückgewinnen. Auch bislang fast Undenkbares wird Realität.

          Zwei Jahre lang musste McDonald’s Deutschland herbe Umsatzrückgänge und einen Verlust von Gästen hinnehmen. Der Januar und Februar dieses Jahres aber lässt Holger Beeck, seit Dezember 2013 Vorstandsvorsitzender der deutschen Tochtergesellschaft, hoffen. Die Zahlen seien deutlich positiv gewesen, sagt er und führt dies auf erste Maßnahmen zurück, um eine Wende zum Guten zu schaffen. In seinen Augen wirkt jetzt auch die seit Jahresanfang laufende Werbekampagne. Die Werbeagentur wurde zuvor ausgewechselt.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Beeck, der im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung überraschend selbstkritisch die Lage beurteilt, versucht, frischen Wind in das Unternehmen zu bringen. „In den mehr als 40 Jahren hat es für die Gäste von McDonald’s immer die gleiche Reise durch unsere Restaurants gegeben: am Counter bestellen, bezahlen, essen, Tablett zurückbringen. Das ändert sich.“ Es wird sich vieles im Erscheinungsbild der Restaurants ändern, das Produktangebot entschlackt und übersichtlicher, die Qualität verbessert, der Service schneller und effizienter werden. „Unser Ziel ist es, Komplexität aus dem Angebot zu nehmen, auch um Platz für Neues zu schaffen“, kündigt Beeck an. Individuelle Angebote bekommen mittelfristig einen größeren Stellenwert, damit gewinnt auch die Digitalisierung der Prozesse an Gewicht.

          In einer verbreiteten Preisstruktur gibt es Platz für mehr Premiumprodukte. Bislang fast Undenkbares wird Realität: Das Selbstbedienungsrestaurant McDonald’s wird an den wichtigsten Standorten einen Tischservice anbieten, kündigt Beeck an und bestätigt einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das hat es bislang allenfalls an attraktiven Plätzen in Frankreich, etwa in Paris, gegeben.

          Neuheiten werden an diesem Montag sichtbar

          Viele von den angekündigten Neuheiten wie der Tischservice werden an diesem Montag sichtbar. Beeck weiht mit großem Tamtam das renovierte Restaurant im Terminal 2 des Frankfurter Flughafens ein, mit 650 Plätzen das größte in Deutschland und das Flaggschiff. Nicht nur Schauspieler Matthias Schweighöfer und Boxer Henry Maske werden dort sein. Die omnipräsente Tagesschau-Nachrichtensprecherin Judith Rakers wird die Schau moderieren, und auch Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender des Flughafenbetreibers Fraport ist mit von der Partie. Das Ereignis ist so wichtig, dass der erst seit vier Wochen tätige McDonald’s-Konzernchef, der Brite Steve Easterbrook, anreist. Deutschland ist schließlich hinter den Vereinigten Staaten, Japan und Frankreich die viertgrößte Landesgesellschaft.

          Die acht Restaurants, die in diesem Jahr in Deutschland noch eröffnet werden, präsentieren sich in dem neuen Markenauftritt. Der Hochlauf im Bestand der knapp 1400 deutschen Standorte, zumeist von 240 Franchisenehmern betrieben, beginnt von Juni 2016 an. Die Abläufe im Verkaufsprozess werden sich ändern, damit sämtliche Arbeitsprozesse bis hin zur Küche im Hintergrund des Restaurants. „McDonald’s hat gemeinsam mit den Franchisepartnern in großer Geschlossenheit den Fahrplan für die nächsten drei bis fünf Jahre erstellt“, sagt Beeck. „Wir müssen wieder zeitgemäßer werden“, mahnt er. „Was wir in Frankfurt sehen, ist ein maßgeblicher Teil der Antwort und sind die Grundlagen von McDonald’s Deutschland für die Zukunft.“

          Der gesamte Konzern ist in vielen Regionen auf der Suche nach Lösungen für die Probleme, die von der Konzernzentrale in Oak Brook im amerikanischen Bundestaat Illinois koordiniert werden. „Die Konzepte sind im Grundsatz für ganz Europa relevant, allerdings in unterschiedlichen Ausprägungen“, sagt der Deutschland-Chef. Seit 2013 steht der Konzern unter Druck. Neben dem wachsenden Bewusstsein für gesundes Essen, das dem Fastfood nicht abgenommen wird, macht dem immer noch unbestrittenen Marktführer mit einem Anteil von rund 70 Prozent unter den Schnellrestaurant-Ketten in Deutschland das Wiedererstarken der Bäckereien zu schaffen. Deren Präsenz ist gerade an Tankstellen deutlich gewachsen.

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