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Massiver Stellenabbau Jetzt fliegen die Banker raus

Der Ruf ist ruiniert. Die Boni schwinden. Zehntausende verlieren ihre Jobs. Den Investmentbankern geht es an den Kragen.

© dpa Vergrößern Mitleid hat der Berufsstand nicht zu erwarten: Transparent bei einer Demonstration in Berlin

Der erste Satz hat das Unheil schon angedeutet. „We will treat you with respect“, sagt der Personalchef zur Begrüßung, und die Investmentbankerin ahnt: „Es ist vorbei: Ich bin raus.“ Wenige Floskeln später folgt die Kündigung: Die hochqualifizierte Frau, Anfang 40, ist arbeitslos. Nicht sofort, ein paar Monate läuft das Gehalt noch weiter. Weh tut es trotzdem - „respect“ hin oder her.

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Die Tatsache, dass sie nicht allein ist, spendet keinen Trost. Das macht die Sache nur schlimmer. Fast 100.000 Banker verlieren gerade ihren Job: in New York, London, Zürich, Frankfurt. Wo also soll die Investmentbankerin hin, wenn alle entlassen?

Zähneklappern auf Porsche-Niveau

Mitleid hat der Berufsstand nicht zu erwarten. Dazu haben es die Söldner der Finanzmärkte nach Ansicht der Öffentlichkeit zu bunt getrieben. Der „Boni-Banker“, dieser Gierhals, ist der Buhmann schlechthin, schuldig an allem, aber verantwortlich für nichts. Die Banker, so geht die Erzählung unter Stammtisch- und Talkshow-Brüdern, brocken uns eine Krise nach der anderen ein und kommen dann - Gipfel der Frechheit - ungeschoren davon kommt. So weit das Klischee.

Über die Schuldfrage wird noch zu reden sein, aber die Legende von der Unverwundbarkeit der Investmentbanker ist jedenfalls widerlegt: Die Krise fordert gerade im Bankenviertel ihre Opfer. Es regiert die Tristesse, Heulen und Zähneklappern ist angesagt (wenn auch auf Porsche-Niveau). Und es sieht ganz danach aus, als brauchte der Occupy-Protestler, vom amerikanischen Magazin „Time“ gerade zur Person des Jahres gekürt, für 2012 einen neuen Bösewicht als Ersatz für den Boni-Banker: Die Boni werden weniger, die Banker auch.

„Fast alle drehen das Rad zurück“

Nach Jahren des ausschweifenden Wachstums wird die Branche heftig zurechtgestutzt, eine Entlassungswelle zieht um den Globus: In der Londoner City fällt die Zahl der Bankbeschäftigten auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt, schätzt das Forschungsinstitut Centre for Economics & Business Research.

In Deutschland, wenngleich milder betroffen, verschwinden ebenfalls Tausende Stellen. Der Finanzplatz Frankfurt sei nur noch ein Schatten seiner selbst, diagnostiziert Friedrich-Wilhelm Graf von Pfeil, Partner der Personalberatung Korn-Ferry, zuvor selbst zwei Jahrzehnte Investmentbanker: „Fast alle Banken drehen das Rad zurück, Stellen werden massiv gestrichen, die Gehälter sinken.“

Infografik / Beschäftigte / Die Banken schrumpfen Es gibt immer weniger Bankangestellte © F.A.Z. Bilderstrecke 

Beinahe täglich meldet eine Bank neue Hiobsbotschaften: Die Bankengruppe HSBC will rund 30.000 Mitarbeiter entlassen, die Bank of America sogar 36 000. 1600 Stellen fallen bei Morgan Stanley weg, 2350 bei der französischen Crédit Agricole, 1000 bei Goldman Sachs. 2000 Jobs streicht die Credit Suisse, 3000 Barclays, 4500 die Citigroup, 500 die Deutsche Bank.

Besonders gefährdet sind die Arbeitsplätze im Bereich „Fixed Income“, also dem Handel mit Zinsprodukten und Anleihen. Das schwache Geschäft mit Übernahmen (M&A) tut sein Übriges, die ehemaligen Könige im Finanzdistrikt leiden: Milliardengewinne hatten sie in der Vergangenheit für die Banken eingefahren und einen happigen Teil davon gleich für sich als Bonus kassiert. Diese Zeiten sind fürs erste vorbei.

Angst um den Arbeitsplatz

„Die Lage wird jeden Tag trüber“, sagt Andreas Halin, Personalberater mit Spezialität Finanzwesen. Selbst gute Banker plagt plötzlich, in der Mitte ihrer Karriere, die Angst um den Arbeitsplatz. Die Stimmung schwankt zwischen Fatalismus und Lethargie. „Wenn sie morgens ins Büro gehen, wissen viele nicht, ob die Sichel niedergeht oder nicht“, sagt Headhunter Halin. Er wagt eine düstere Prognose: „Knapp jeder Fünfte, der im Sommer 2011 noch als Investmentbanker tätig war, kann bis Mitte nächsten Jahres seinen Job los sein.“

Die Vorboten erleben sie gegenwärtig, wenn die Boni für 2011 ausgehandelt werden. Die Spitzen der Banken sind vor allem damit beschäftigt, die „Erwartungen nach unten zu managen“, wie einer sagt. Das bedeutet: Die Chefs stellen ihre Truppen auf magere Zeiten ein. „Die Boni-Töpfe werden 30 bis 50 Prozent niedriger ausfallen als im Vorjahr“, schätzt Korn-Ferry-Experte Graf von Pfeil.

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Veröffentlicht: 27.12.2011, 09:14 Uhr

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