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Veröffentlicht: 12.03.2012, 17:40 Uhr

Martin Winterkorn Deutschlands bestbezahlter Qualitätsfanatiker

17,5 Millionen Euro hat Martin Winterkorn 2011 verdient. Der 64 Jahre alte Schwabe ist keiner, der seinen Wohlstand zur Schau stellt. Was macht der VW-Konzernchef also mit all dem Geld?

von und
© dapd Privatsache: Martin Winterkorn will nicht sagen, was er mit dem ganzen Geld macht

Was er mit all dem Geld machen wolle, wurde Martin Winterkorn auf der Bilanzpressekonferenz gefragt. Doch darauf antwortete der VW-Konzernchef nicht. Das sei seine Privatsache. Angenehm war ihm keine der Fragen, die sich um den Gehaltssprung drehten, den man auf Seite 139 des Geschäftsberichts nachlesen kann: Denn 17,5 Millionen Euro hat Winterkorn 2011 verdient.

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Und das habe dieser auch „verdient“, sagte der VW-Personalvorstand Horst Neumann, der seinem Chef bei diesem - zumindest in Deutschland - delikaten Gehaltsthema zur Seite stand. Ob Winterkorn so viel Geld brauche, schob Neumann etwas unsicher nach, „das traue ich mich nicht zu beantworten“.

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Nein, brauchen wird Winterkorn 17 Millionen Euro nicht. Dazu hat er in seiner langen, steilen Karriere schon zu viel verdient. Daher dürfte auch die Finanzierung der Villa im Münchner Edelbezirk Bogenhausen, die Winterkorn 2009 Wolfgang Porsche abgekauft hat, längst gesichert sein. Der 64 Jahre alte Schwabe ist keiner, der seinen Wohlstand zur Schau stellt. Ja, er liebt teure Uhren und nennt eine stattliche Sammlung sein eigen.

Aber an den edlen Chronometern schätzt er vor allem die Handwerkskunst, die Mechanik, die Perfektion. Und Perfektion ist es auch, die Winterkorn im Autobau verlangt. Da steht er auf einer Linie mit seinem Chefkontrolleur und Bruder im Geiste, Ferdinand Piëch, der ihn, Winterkorn, am 1. Januar 2007 als Nachfolger von Bernd Pischetsrieder an die Spitze von Europas größtem Autokonzern gehievt hat.

Die zwanzig bestbezahlten Dax-Chefs Rang 1: Martin Winterkorn (Volkswagen) mit 16,596 Mio. Euro im Jahr 2011 (* Grundvergütung + variable Boni, ohne Sonderzahlungen, Quelle: Hostettler, Kramarsch & Partner) © dpa Bilderstrecke 

Winterkorn nahm sogleich wichtige Mitarbeiter von Ingolstadt nach Wolfsburg mit, darunter den Chefdesigner Walter Maria de’Silva und den Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. Der Physiker und Werkstoffspezialist Winterkorn ist am liebsten in den Werken unterwegs, um seinen Leuten seine Qualitätsstandards einzuschärfen.

Dabei braucht er Brüder im Geiste - und hat doch viel zu tun, wie die jüngsten Qualitätsprobleme im mexikanischen Werk in Puebla zeigen. Winterkorn ist Techniker durch und durch. Längst weiß jeder, dass er auch Konkurrenzmodelle akribisch unter die Lupe nimmt - und deren Vorzüge sogleich erkennt („Da scheppert nix“).

Infografik / Volkswagen AG / Kennzahlen © dpa Vergrößern 2011 hat Volkswagen über eine Million Fahrzeuge mehr ausgeliefert als im Jahr zuvor

Die Vorlage der Bilanz hingegen, und sei sie noch so gut, ist für ihn eher eine lästige Pflicht. Begeisternd und mitreißend fällt seine Rede vor den Journalisten und Analysten am Montag jedenfalls nicht aus. Aber das war auch gar nicht Teil seiner Ausbildung. Winterkorn hat Metallkunde und Metallphysik studiert, in der Forschung von Bosch gearbeitet, und seine erste Stelle bei Audi war 1981 die eines Assistenten des Vorstandes für, natürlich: Qualitätssicherung.

1993 wechselte Winterkorn erstmals als Leiter der „Konzern-Qualitätssicherung“ zu Volkswagen, es folgten weitere Karrierestationen und am 1. März 2002 die Ernennung zum Vorsitzenden des Vorstandes der Audi AG. Mit seiner fanatischen Einstellung zur Qualität und seinem Erfolg bei Audi hat er sich nachhaltig die Anerkennung eines weiteren Technik- und Qualitätsfanatikers gesichert, eben die von Ferdinand Piëch.

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