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Veröffentlicht: 11.12.2012, 07:40 Uhr

Maria Ramos Afrikas mächtigste Bankerin

Maria Ramos scheut die Herausforderungen nicht: Die Tochter portugiesischer Einwanderer wird die neue südafrikanische Großbank Barclays Africa Limited leiten. Die 54-Jährige schwankt zwischen „Eiserner Lady“ und zu viel Lockerheit.

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© IMAGO Scheut keine Herausforderung: Maria Ramos

Vor 34 Jahren saß die junge Maria Ramos als Lehrling hinter einem Schalter der Barclays-Bank in Südafrika. Niemand, und vermutlich auch nicht sie selbst, hätte damals gedacht, dass die Tochter portugiesischer Einwanderer einmal zur mächtigsten Bankerin Afrikas werden sollte - und wieder bei Barclays, die sich zwischenzeitlich aus Südafrika verabschiedet hatten, in Diensten steht. In der vergangenen Woche besiegelten die zweitgrößte britische Bank und die südafrikanische Absa-Bank den schon lange geschmiedeten Plan, ihre Afrika-Geschäfte zusammenzulegen. Aus der 1,6 Milliarden Euro schweren Transaktion soll die größte Bank auf dem Kontinent mit 14,4 Millionen Kunden, 1300 Filialen und 43.000 Mitarbeitern hervorgehen. Absa übernimmt die Afrika-Aktivitäten von Barclays in zehn Ländern, im Gegenzug erhöht Mehrheitsaktionär Barclays seinen Anteil an Absa von 55,5 auf 62,3 Prozent. Ramos wird die Führung des wohl Mitte kommenden Jahres entstehenden neuen Unternehmens Barclays Africa Limited übernehmen.

Claudia Bröll Folgen:

Dass die heute 53 Jahre alte Südafrikanerin Herausforderungen nicht scheut, hat sie in ihrer Laufbahn mehrfach bewiesen. Schon als Lehrling hatte sie sich um ein Stipendium bei Barclays bemüht, das eigentlich nur Männern vorbehalten war, und dieses auch bekommen. Ihr späterer Wechsel auf die Chefposition von Absa, der an der Kundenzahl gemessen größten südafrikanischen Bank, galt als Beweis, dass Frauen die sprichwörtliche gläserne Decke in der Finanzbranche doch durchbrechen können.

Mitglieder der Widerstandsbewegung

Öffentlich in Erscheinung trat Ramos in einer Zeit, in der die Rassentrennung in Südafrika zu Ende ging und Nelson Mandela zum Staatspräsidenten gewählt werden sollte. Von Karriereambitionen in der Wirtschaft konnte zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede sein. Die Volkswirtin wirkte als Mitglied der Widerstandsbewegung und heutigen Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress lieber am Entwurf einer neuen Verfassung für das Land mit. Danach wurde sie von der neuen Regierung ins Finanzministerium als Generaldirektorin berufen - trotz ihrer weißen Hautfarbe. In dieser Zeit lernte sie ihren langjährigen Lebensgefährten und heutigen Ehemann Trevor Manuel kennen, mit dem sie sich gemeinsam für einen marktwirtschaftlichen Kurs in der Wirtschaftspolitik einsetzte. Manuel war viele Jahre lang Finanzminister und ist heute Minister für Nationale Planung.

Als Ramos in die Wirtschaft wechselte, wurde die Beziehung von einigen als problematisch gesehen. Allerdings bestreitet kaum jemand, dass sie ihren Aufstieg aus eigener Kraft geschafft hat. Den größten Respekt verdiente sie sich als Chefin des Infrastrukturkonzerns Transnet, weil sie es schaffte, dem trägen Staatskoloss privatwirtschaftlichen Geist einzuhauchen. Bei ihrem Antritt hatte Transnet noch einen hohen Verlust verbucht, bei ihrem Abschied schrieb der Konzern Gewinn.

Bei Absa jedoch hat das Bild der Vorzeigemanagerin einige Kratzer erhalten. Das Magazin „Financial Mail“ zählte die Quereinsteigerin zu denjenigen südafrikanischen Vorstandschefs, die den größten Ansehensverlust erlitten haben. Der Aktienkurs bleibt hinter der Kursentwicklung der Konkurrenz zurück. Seit Ende 2010 erlebt die Bank einen Exodus von Führungskräften. Hinter vorgehaltener Hand ist von Meinungsverschiedenheiten mit der als „nicht ganz einfach“ beschriebenen Chefin zu hören. Auch werden immer wieder Zweifel laut, ob sie bei einer Fülle von Aufsichtsratsmandaten ihre Hauptaufgaben erledigen kann. Sie selbst reagiert auf solche Kritik amüsiert: „Erst hat man mich als eiserne Lady beschrieben, jetzt soll ich plötzlich zu locker sein und keine Enscheidungen treffen.“

Das Potential ist mit hohen Risiken verbunden

Die als Meilenstein bezeichnete Transaktion mit Barclays bietet damit auch für Ramos die Chance, die Zweifler eines Besseren zu belehren. Leicht wird das nicht fallen. Der afrikanische Kontinent bietet für Banken grundsätzlich ein riesiges Wachtumspotential. Ein großer Teil der stark zunehmenden Bevölkerung hat noch kein Bankkonto. Gleichzeitig macht es beispielsweise die Mobilfunktechnik möglich, auch die Menschen in den abgelegenen Ecken des Kontinents zu erreichen. Der Rohstoffreichtum wiederum zieht großes Interesse von ausländischen Investoren auf sich, die auf Finanzdienstleister mit Afrika-Erfahrung angewiesen sind. Nicht umsonst tobt ein harter Konkurrenzkampf zwischen Barclays, den südafrikanischen Banken Standard und First Rand und der britischen Standard Chartered.

Doch wie so oft in Afrika ist das Potential mit hohen Risiken verbunden. Dass die Barclays-Transaktion so lange auf sich warten ließ, hatte auch mit einem Sammelsurium unterschiedlicher Regelwerke, Interessen und mit den Eitelkeiten der Regierungen auf dem Kontinent zu tun. Hinzu kommen politische Risiken. Barclays Ägypten und Barclays Zimbabwe etwa waren nicht Teil der Transaktion, weil die politische Situation eine Bewertung der Vermögenswerte unmöglich machte.

Ihre Zeit bei Transnet und im Finanzministerium dürfte Ramos für das Tauziehen mit staatlichen Institutionen gerüstet haben. Auch hilft, dass Barclays bereits in den Ländern etabliert ist. „Die Transaktion ist verlockend und einzigartig“, warb sie. Und diesmal waren auch die Absa-Anleger an der Börse dieser Meinung.

Quelle: F.A.Z.

 

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