25.09.2003 · Der spektakulärste Prozeß der deutschen Wirtschaftsgeschichte steht bevor: Die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone wird noch einmal aufgerollt. Bis zuletzt hatten einige Beteiligte das wohl nicht für möglich gehalten. FAZ.NET-Spezial.
Der spektakulärste Prozeß der deutschen Wirtschaftsgeschichte steht bevor: Die Übernahme von Mannesmann durch Vodafone wird noch einmal aufgerollt. Bis zuletzt hatte einige Beteiligte das wohl nicht für möglich gehalten.
Doch nun müssen sich ehemalige Mannesmann-Aufsichtsratsmitglieder wie der Deutsche-Bank-Chef Ackermann und Ex-IG-Metall-Chef Zwickel sowie der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser vor Gericht verantworten. Sie haben im Zuge der Übernahme Abfindungen von insgesamt 111 Millionen Mark kassiert - allein Esser erhielt 60 Millionen Mark. Die Zahlungen flossen nicht allerdings nicht aus der Hand der Aktionäre, sondern kamen aus der Substanz des Konzerns.
Doch der Prozeß zielt nicht allein auf die schwindelerregend hohen Prämien, an denen Ackermann auch heute nichts Unanständiges erkennen kann. Es geht auch um die Rolle der Corporate Governance und die Frage nach der richtigen und guten Führung eines Unternehmens. Von dem Vorwurf, die entsprechenden Beschlüsse seien nicht ordnungsgemäß zustande gekommen, spricht allerdings vor allem im Ausland kaum jemand. In Großbritannien und den Vereinigten Staaten wird die Zulassung der Anklage in der Mannesmann-Affäre überwiegend als Beleg für die Provinzialität des Wirtschaftsstandorts Deutschland gesehen.
Einzigartig ist auch die Situation, in die der Chef des größten deutschen Finanzinstituts geraten ist. Daß Ackermann als Lenker eines Großunternehmens während eines gegen ihn laufenden Strafprozesses im Amt bleibt, ist so aufsehenerregend wie das Verfahren selbst. Bei den Mitarbeitern der Deutschen Bank hat die Zulassung der Anklage gegen ihren Vorstandssprecher die Angst um Arbeitsplätze erneut entfacht. Neben dem andauernden umfangreichen Personalabbau kommt nun die Sorge um den Finanzplatz durch den Imageschaden und den Verbleib des deutschen Branchenprimus in Frankfurt hinzu.
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