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Manipulation beim „Gelben Engel“ : Autokonzerne empört über ADAC-Betrug

Beschädigter Publikumspreis: Beim „Gelben Engel“ 2014 wurde manipuliert Bild: dpa

Nach Manipulationen bei der Vergabe des Publikumspreises „Gelber Engel“ fordert die Industrie lückenlose Aufklärung. Gibt Volkswagen den Preis zurück?

          Zuerst hat der ADAC den Autopreis „Gelber Engel“ manipuliert und dann die Öffentlichkeit belogen, um am Sonntag doch die Betrugsvorwürfe einzugestehen. Zwar trat der Kommunikationschef des ADAC mit sofortiger Wirkung zurück, aber die schwere Vertrauenskrise ist damit noch nicht behoben. Mehrere Manager großer Autokonzerne forderten von Deutschlands bedeutendstem Autoclub mit seinen fast 19 Millionen Mitgliedern lückenlose Aufklärung und neue, transparente Strukturen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Auch ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair steht in der Kritik. Er hatte am vergangenen Donnerstag, als die Manipulationsvorwürfe längst öffentlich waren, die „Gelben Engel“ verliehen und in der offiziellen Feier vor versammelter Autoindustrie noch von „Unterstellungen und Unwahrheiten“ gesprochen. Damit nicht genug, verspottete Obermair gar die „Süddeutsche Zeitung“, die über Mauscheleien im ADAC berichtet hatte: Immerhin habe das Blatt die vier Buchstaben des ADAC richtig abgedruckt. Das sorgte unter Teilnehmern der Veranstaltung für heftige Kritik. „Im Lichte der neuen Erkenntnisse hat er sich mit diesen Äußerungen selbst beschädigt“, sagte ein Automanager.

          Abwarten in Wolfsburg

          Besonders groß ist der Ärger im Volkswagen-Konzern, dessen VW Golf vom ADAC in der Kategorie „das Lieblingsauto der Deutschen“ prämiert wurde. „Die absolute Zahl der abgegebenen Stimmen“ sei „geschönt“ worden, nicht aber die Rangfolge der Ergebnisse, teilte der ADAC am Sonntag mit. Diese Manipulation habe Kommunikationschef und „Motorwelt“-Chefredakteur Michael Ramstetter gegenüber der ADAC-Geschäftsführung und dem Präsidium am Tag nach der Preisverleihung eingeräumt und seinen Rücktritt erklärt. Ramstetter muss deswegen mit juristischen Schritten rechnen.

          Behält Volkswagen den Preis? VW-Chef Martin Winterkorn mit dem „Gelben Engel“

          BMW und VW mahnten Klarheit und Transparenz an. „Der ADAC muss diese Vorgänge vollständig aufklären“, sagte ein VW-Sprecher der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Frage, ob VW den nunmehr beschädigten Preis „Lieblingsauto der Deutschen“ zurückgeben werde, ließ er offen. Offenbar wollen die Wolfsburger zunächst abwarten, welche Ergebnisse die weitere Aufklärungsarbeit zutage fördert. Zugleich wies der VW-Sprecher darauf hin, dass der Golf das meistverkaufte Auto in Deutschland und daher auch unabhängig von Fehlern bei der ADAC-Preisvergabe objektiv das Lieblingsauto der Deutschen sei.

          ACE kritisiert „aufgeblasene Selbstinszenierung“

          Wie objektiv es bei den seit zehn Jahren verliehenen ADAC-Preisen zugegangen ist, wird in der Branche nun mehr denn je bezweifelt. „Das ist alles ein großer Mist“, sagte ein verärgerter Manager eines Automobilkonzerns. Schon bei der Preisvergabe im vergangenen Jahr soll der Verdacht aufgekommen sein, dass es in der „Lieblingsauto“-Kategorie womöglich nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Damals hatte die A-Klasse von Mercedes gewonnen, obwohl auch in jenem Jahr der Golf das meistverkaufte Auto war. Offenbar muss es ADAC-Kommunikationschef Ramstetter peinlich gewesen sein, dass bei fast 19 Millionen Lesern der ADAC-Mitgliederzeitung „Motorwelt“ weniger als 4000 Stimmen ausreichten, damit der VW Golf die Leserwahl gewinnen konnte – als manipuliertes Endergebnis für den „Gelben Engel 2014“ wies der ADAC mit 34299 Stimmen aus. Die tatsächliche Zahl lässt der ADAC nach Aussage eines Sprechers jetzt ermitteln.

          Der Auto Club Europa (ACE) stellt nun derartige Auszeichnungen für die Automobilbranche in Frage. Sie seien überflüssig und das Ganze eine „aufgeblasene Selbstinszenierung“ des ADAC. Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive in Bergisch-Gladbach, wirft dem ADAC Hybris vor: „Der ADAC hat sich größer gemacht als er ist. Das hätte er doch gar nicht nötig gehabt“, sagte Bratzel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Verein habe als Interessenvertreter der Autofahrer gegenüber der Politik viel Vertrauen verspielt. So mancher Politiker werde fragen, ob die Datenbasis, auf welcher dieser Lobby-Verein argumentiere, überhaupt stimme. „Nicht jeder, der einen Schutzbrief hat, verfolgt automatisch die gleichen Interessen wie der ADAC“, sagte Bratzel. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, die Vorgänge beim ADAC zeigten, dass „großen Verbänden manchmal etwas mehr Bescheidenheit im Auftreten gut täte“. Hinter vorgehaltener Hand verweisen Automanager auf strukturelle Probleme innerhalb des ADAC: „Hier haben alle Kontrollmechanismen versagt.“

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