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Managergehälter : Aktionärsschützer: Springer-Chef verdient wohl mehr als alle Dax-Vorstände

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner Bild: dpa

Der Axel-Springer-Konzern schweigt seit Jahren über das Gehalt für Mathias Döpfner. Aktionärsschützer haben es nun geschätzt – auf einen gewaltigen Betrag.

          An der Spitze der Rangliste der bestverdienenden Vorstandsvorsitzenden aller 30 Dax-Konzerne hat in diesem Jahr SAP-Chef Bill McDermott mit einem Gehalt von rund 13,8 Millionen Euro erstmals Daimler-Chef Dieter Zetsche abgelöst. Noch mehr Geld verdiente wahrscheinlich der Vorstandsvorsitzende eines MDax-Konzerns: Zwar schweigt das Medienhaus Axel Springer über das Gehalt für Mathias Döpfner, nach Schätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München dürfte ihm im vergangenen Jahr mehr als 19 Millionen Euro gewährt worden sein.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Sprecherin des Springer-Konzerns sagte in einer Reaktion, die Rechnung der Aktionärsschützer stehe auf „extrem wackeligen Füßen“. Döpfner und die drei weiteren Vorstände hätten im vergangenen Jahr gemeinsam 19,2 Millionen Euro verdient, zusätzlich sei ihnen zusammen eine langfristig variable Vergütung von 32,1 Millionen Euro gewährt worden. Dieser Betrag darf laut der Sprecherin nicht einem einzelnen Jahr zugeordnet werden, sondern müsse auf mehrere Jahre verteilt werden.

          Die Autoren der Studie rechnen anders, sie ordnen die langfristig variable Vergütung dem vergangenen Jahr zu. „Wir gehen davon aus, dass dieser Betrag der Wahrheit recht nahe kommt“, sagte DSW-Pressesprecher Jürgen Kurz am Dienstag bei der Vorstellung einer Studie zu den Gehältern in Dax- und MDax-Unternehmen in Frankfurt.

          Weil Axel Springer die Vergütung der Vorstandsmitglieder nur als Gesamtsumme und nicht einzeln veröffentlicht, waren die Aktionärsschützer auf eine Schätzung angewiesen. Dabei gingen sie davon aus, dass der Vorstandsvorsitzende das 1,8-fache eines normalen Vorstandsmitglieds bekommt. Dieser Wert entspricht laut dem Münchener Wirtschaftswissenschaftler Gunther Friedl der üblichen Spreizung der Gehälter im MDax in den vergangenen Jahren. Laut der Analyse könnte Döpfner mit seinem Gehalt sogar europaweit vorne liegen, noch vor dem französischen Renault-Chef Carlos Ghosn, der im vergangenen Jahr knapp 15,4 Millionen Euro verdient hat.

          Klarheit über das tatsächliche Gehalt des Springer-Chefs dürfte es erst geben, wenn der Konzern sein Schweigen bricht. Bislang nutzt das Unternehmen eine sogenannte „Opt-out-Klausel“ im Gesetz. Danach kann die Hauptversammlung mit qualifizierter Mehrheit beschließen, dass die Gehälter nicht einzeln ausgewiesen werden. Nach Einschätzung der Aktionärsschützer dürfte damit aber bald Schluss sein, wenn die von der EU schon beschlossene Neufassung der Aktionärsrichtlinie in nationales Recht umgesetzt wird. Dann werde der Einzelausweis der Spitzengehälter für alle Pflicht. Die Klausel sei ein „Überbleibsel aus alten, intransparenten Zeiten“, deren „Tage zum Glück gezählt“ seien, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

          Nennt die Verschwiegenheit des Springer-Konzerns ein „Überbleibsel aus alten, intransparenten Tagen“: DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler
          Nennt die Verschwiegenheit des Springer-Konzerns ein „Überbleibsel aus alten, intransparenten Tagen“: DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler : Bild: dpa

          Insgesamt sind die Managergehälter im vergangenen Jahr nur sehr moderat gestiegen. Der Anstieg lag laut der Studie im Dax bei lediglich 1,0 Prozent, während gleichzeitig die Bruttolöhne der Gesamtbevölkerung um 2,5 Prozent zulegten. Es sei bereits das zweite Jahr in Folge, in dem die Vorstandsgehälter langsamer als die Löhne stiegen, sagte Friedl. Zur Mäßigung habe beigetragen, dass in Deutschland seit Jahren intensiv über die Höhe der Mangergehälter debattiert werde. Das habe den Druck auf die Aufsichtsräte, die über die Höhe der Managervergütung bestimmen, deutlich erhöht.

          Seit sieben Jahren können zudem die Aktionäre auf den Hauptversammlungen über die Managergehälter abstimmen. Ihren Unmut über zu hohe oder undurchsichtige Vergütungssysteme haben sie auch in diesem Jahr öfter gezeigt. Die Zahl der Gegenstimmen war in diesem Jahr so hoch wie nie zuvor. Die durchschnittliche Ablehnungsquote ist auf fast 34 Prozent gestiegen (siehe Grafik), es ist der dritte Anstieg in Folge. Von den acht Dax-Unternehmen, die ihre Aktionäre in diesem Jahr über das Vergütungssystem für ihre Spitzenmanager abstimmen ließen, fielen gleich drei durch: der Pharmakonzern Merck, die Rückversicherung Munich Re und das Medienunternehmen Pro Sieben Sat1. Die Ablehnung der Aktionäre ist aber rechtlich nicht bindend.

          Bild: F.A.Z.

          Dass die Furcht vor einer Abstimmungsniederlage dennoch die Aufsichtsräte diszipliniert, zeige der Fall der Deutschen Bank, sagte Tüngler. Nachdem die Aktionäre im vergangenen Jahr die Gehälter für die Spitzenmanager der Bank abgelehnt hatten, versprach der Aufsichtsrat Besserung, änderte das Vergütungssystem, stellte es in diesem Jahr abermals auf die Tagesordnung und wurde dafür mit den wenigsten Gegenstimmen in diesem Jahr belohnt. Negativ aufgefallen ist dagegen der Software-Konzern SAP. Im vergangenen Jahr schrammte das Unternehmen mit mehr als 45 Prozent Gegenstimmen nur knapp an einer Abstimmungsniederlage vorbei, dennoch änderte der Aufsichtsrat nichts.

          Nachträgliche Ergänzung:

          Die DSW hält auch nach der Kritik der Axel-Springer-Sprecherin, die Rechnung stehe auf „extrem wackeligen Füßen“ an ihrer Darstellung fest. Das zugrunde gelegte Bewertungsprinzip werde seit Auflegung der Studie durchgängig für alle Unternehmen angewandt und sei „methodisch korrekt und wissenschaftlich anerkannt“, sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Auf ihrer Internetseite verteidigen die Aktionärsschützer ihr Vorgehen.

          Der Streitpunkt ist verkürzt gesagt weiterhin, welchem Jahr man die langfristig variablen Vergütungskomponenten zuordnet und in welcher Höhe man diese Beträge ansetzt, da sie dem Springer-Chef ja lediglich gewährt wurden aber noch nicht zugeflossen sind. Weil das Programm auf insgesamt sieben Jahre ausgelegt ist, kann man die variable Langfristvergütung entweder dem Jahr zuordnen, in dem die Vergütungskomponente gewährt wurde, oder dem Jahr, in dem tatsächlich Geld fließt. Die Aktionärsschützer haben als Betrag den „Wert zum Gewährungszeitpunkt“, wie er im Vergütungsbericht angegeben ist, verwendet. Dieser Betrag wurde vollständig dem vergangenen Jahr zugeordnet. Wörtlich heißt es vom DSW: „Der Zeitwert bei Gewährung entspricht den Kosten für die Aktionäre im jeweiligen Geschäftsjahr, in diesem Fall in 2016. Wird unterstellt, dass über die Laufzeit des Programms von sieben Jahren kein weiteres LTIP [= „Long Term Incentive Program“, zu deutsch: Langfristig variables Vergütungsprogramm] aufgelegt wird, ergeben sich in den darauf folgenden Geschäftsjahren Werte von Null für das LTIP. In diesem Fall würde die gewährte Vergütung in den darauffolgenden Jahren deutlich sinken.“

          Weil das Unternehmen nicht den Empfehlungen des Corporate Governance Kodex folge, insbesondere nicht die von diesem angeratenen Mustertabellen verwende, sei nicht nachvollziehbar, welche Beträge Herrn Döpfner tatsächlich zugeflossen seien. Aus dem aktuellen Vergütungsbericht sei auch nicht erkennbar, was Herrn Döpfner aus den in 2012 und 2014 gewährten langfristigen Vergütungskomponenten zugeflossen ist.

          Quelle: F.A.Z.

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