01.11.2007 · Der Handschlag war wirklich golden: Mehr als 160 Millionen Dollar bekommt Merrill-Lynch-Boss Stan O'Neal. Auch in Deutschland haben viele Vorstände finanziell ausgesorgt, wenn sie ihren Schreibtisch räumen.
Von Roland Lindner und Christoph NoackDas Abschiedspaket für Stan O'Neal heizt die Debatte um überzogene Abfindungen für Manager in den Vereinigten Staaten wieder an. Der zurückgetretene Vorstandsvorsitzende der Investmentbank Merrill Lynch verlässt das Unternehmen mit einem Paket an Aktien und Pensionsleistungen im Wert von 161,5 Millionen Dollar, nachdem die Bank unter seiner Führung hohen Verlust gemacht hatte.
Die Diskussion wird jedoch nichts daran ändern, dass es auch in Zukunft solche goldenen Handschläge geben wird, meint Brian Foley, ein auf Managementvergütung spezialisierter Unternehmensberater in New York: „Wir werden weiter üppige Pakete sehen. Man kann davon ausgehen, dass viele Vorstandsvorsitzende in Amerika Verträge haben, die ihnen 100 Millionen Dollar und mehr garantieren“, sagte Foley dieser Zeitung
Abfindung für O'Neal birgt Zündstoff
Merrill Lynch war sich offenbar wohl bewusst, welcher Zündstoff in den Verhandlungen über die Konditionen für O'Neals Abgang steckt. Anders als bei weiteren umstrittenen Fällen enthielt das Paket von O'Neal keine formale Abfindungszahlung. Sein Paket setzt sich vielmehr im Wesentlichen zusammen aus Aktien und Aktienoptionen, die derzeit einen Wert von 131,4 Millionen Dollar haben, sowie Pensionsleistungen, deren Volumen Merrill Lynch auf 24,7 Millionen Dollar beziffert.
Diese Aktien und Pensionsansprüche hat O'Neal im Laufe seiner Karriere bei der Bank angesammelt, einen Teil erst in diesem Jahr - als Belohnung für die Rekordergebnisse, die Merrill Lynch noch im Jahr 2006 auswies. Letztlich kommt es aber gar nicht so sehr darauf an, ob es eine Barabfindung gibt, meint Foley: „Entlassen zu werden und dabei all diese Leistungen behalten zu dürfen, ist genauso gut wie eine Barzahlung.“
200 Millionen für Pfizer-Chef McKinnell
Ohnehin war auch in anderen prominenten Fällen die Barabfindung der kleinere Teil des Pakets: Im vergangenen Jahr drängte der Pharmakonzern Pfizer seinen Vorstandsvorsitzenden Hank McKinnell aus dem Unternehmen. Das Abschiedspaket von McKinnell war fast 200 Millionen Dollar wert, davon entfielen knapp 12 Millionen Dollar auf eine Barabfindung. Im Januar entließ die Baumarktkette Home Depot Bob Nardelli und schnürte ihm ein Paket von 210 Millionen Dollar einschließlich 20 Millionen Dollar Abfindung.
Merrill Lynch hatte wahrscheinlich keine Möglichkeiten, O'Neal seine Ansprüche wegzunehmen - zumal sein Abgang als „Pensionierung“ dargestellt wurde. Nur bei einer begründeten Entlassung hätte O'Neal wohl um sein Paket fürchten müssen. Für eine solche Entlassung muss sich ein Manager aber in der Regel schon grobe, nachweisbare Fehltritte leisten, schlechte Ergebnisse reichen dafür nicht aus. „Das heißt nicht, dass es richtig ist, dass O'Neal von Merrill Lynch so ein Abschiedspaket bekommt, wenn man ihn für die Verluste verantwortlich machen kann, wonach es ja aussieht. Als Investor wäre ich darüber sehr unglücklich“, sagt Foley.
Hoher Lebensstandard bis ans Ende ihrer Tage
Richard Breeden, der frühere Chef der Börsenaufsicht SEC, äußerte kürzlich seinen Unmut über goldene Handschläge in der „New York Times“. „Abfindungen sollten traditionell Menschen beim Übergang zwischen zwei Arbeitsplätzen helfen. Jetzt sind sie zu einem Mittel verkommen, den Managern einen hohen Lebensstandard bis ans Ende ihrer Tage zu ermöglichen.“
O'Neal bekam bei Merrill Lynch auch einige Leistungen, zu denen Merrill Lynch wohl nicht verpflichtet gewesen wäre. So bekommt er die Anwaltsgebühren erstattet, die ihm beim Aushandeln seiner Rücktrittsvereinbarung entstanden sind. Und ihm wird für bis zu drei Jahre ein Büro einschließlich eines Mitarbeiters in New York zur Verfügung gestellt.
O'Neals Nachfolger darf auch hoffen
Wer immer der Nachfolger von O'Neal wird, muss sich wahrscheinlich ebenfalls keine finanziellen Sorgen machen. Das gilt nach Meinung von Foley besonders, wenn Merrill Lynch einen Manager von außen rekrutiert, wie zum Beispiel den hoch gehandelten Laurence Fink vom Finanzdienstleister Blackrock: „Man muss ihm schon einen Anreiz geben, um zu Merrill Lynch zu wechseln.“
Auch in Deutschland sind die Abfindungszahlungen in die Kritik geraten. Nicht zuletzt die Zahlungen, die Jürgen Schrempp, früherer Vorstandsvorsitzender von Daimler-Chrysler, noch nach seinem Ausscheiden erhielt, sorgte für Gesprächsstoff. Denn die bloße Ankündigung seines Rückszugs und der damit verbundene Anstieg der Aktie bescherte dem Konzernlenker ohne Fortune auch noch eine Zusatzvergütung aus seinen Aktienoptionen, die dadurch erst so richtig lohnend wurden. Aktionärsschützer schätzen diesen Extrabonus auf 50 Millionen Euro.
Rente mit 44 für Utz Claassen
Aber auch „die Rente mit 44“ des ehemaligen Vorstandsvorsitzender des Energieversorgers EnBW, Utz Claassen, gilt als gewöhnungsbedürftig. Denn Claassen ging noch vor Ablauf seines Fünf-Jahres-Vertrags - und erhält dennoch ein stattliches Übergangsgeld von angeblich 360.000 Euro im Jahr. Sollte er bis zum Rentenalter dieses Übergangsgeld beziehen, dann würde der Rückzug - wegen eines entsprechend verhandelten Anstellungsvertrags - mit fast 8 Millionen Euro belohnt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.370,54 | −1,69% |
| Dow Jones | 12.433,20 | −1,17% |
| EUR/USD | 1,2416 | −0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 103,98 $ | −2,69% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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