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Manager-Boni Die Nomenklatura der Banken

18.02.2009 ·  Die Banken müssen ihr Vergütungssystem ändern. Denn es ist ein wesentlicher Grund für die Finanzkrise. Erfolgsabhängige Boni können aber auch in Zukunft sinnvoll sein. Bloß wie geht das?

Von Markus Frühauf
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Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge sind in Deutschland derzeit nur noch Prostituierte und Vorbestrafte unbeliebter als Investmentbanker. Die Umfrage im Auftrag des Männermagazins „Playboy“ datiert allerdings vom November 2008. Mittlerweile stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Investmentbanker die Prostituierten und Vorbestraften noch unterbieten.

Schuld daran sind die Investmentbanker von Dresdner Kleinwort, die auf ihre erfolgsabhängigen Gratifikationen pochen, obwohl sie die Hauptverantwortung für den auf mehrere Milliarden Euro geschätzten Verlust der Dresdner Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr tragen. Sie wollen notfalls den Bonuspool von 400 Millionen Euro einklagen, den ihr die ehemalige Dresdner-Bank-Eigentümerin Allianz im Sommer 2008 versprochen hatte. Das war vor dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank am 31. August 2008. Inzwischen musste der Bund der Commerzbank mit gut 18 Milliarden Euro Kapital unter die Arme greifen.

Der gewöhnliche Bankmitarbeiter kann von Spitzengehältern nur träumen

Der Gedanke, dass sich Investmentbanker auf Kosten des Steuerzahlers bereichern, versetzt die Politik bis hin zur Bundeskanzlerin in Aufruhr. Doch auch in den Banken selbst sorgt die Diskussion für Unruhe. Denn von den Millionenbeträgen der Spitzenmanager kann der gewöhnliche Bankmitarbeiter nur träumen.

Die Gehaltsschere in deutschen Banken ist groß. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi erhält der nach Tarifvertrag angestellte Bankmitarbeiter im Schnitt 3300 Euro brutto im Monat. Das sind im Jahr einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld 46.200 Euro. Investmentbanker dagegen können in erfolgreichen Jahren einschließlich erfolgsabhängiger Vergütungen mit einem zweistelligen Millionenbetrag rechnen. Insgesamt beschäftigt die deutsche Kreditwirtschaft 680.500 Mitarbeiter. Wie viele Spitzenverdiener sich darunter befinden, darüber schweigen sich die Institute aus.

Zahl der Topverdiener dürfte im niedrigen vierstelligen Bereich liegen

Das private Bankgewerbe, zu dem die Deutsche Bank, die Commerzbank oder die Hypo-Vereinsbank zählen, beschäftigt insgesamt 190.000 Mitarbeiter. Davon befinden sich 32 Prozent im außertariflichen Bereich, auf den im Jahr 2007 zwei Drittel des gesamten Personalaufwands entfiel. Doch die Zahl der Spitzenverdiener, die siebenstellige Beträge oder mehr kassieren, dürfte im niedrigen vierstelligen Bereich liegen. Einen Näherungswert, wie groß diese Nomenklatura ist, hat die Commerzbank geliefert: Einschließlich der Dresdner Bank arbeiten gut 400 Manager in den beiden Ebenen unterhalb des Vorstands. Insgesamt zählt das Institut 67.000 Mitarbeiter.

Die deutsche Kreditwirtschaft beschäftigt gut 1000 Vorstandsmitglieder. Nach einer Studie der Personalberatung Kienbaum erhielt jedes fünfte Vorstandsmitglied in den Jahren von 2004 bis 2007 ein fixes Jahresgehalt von mehr als 500.000 Euro. Einschließlich erfolgsabhängiger Vergütungen kamen 40 Prozent der Vorstände auf mehr als 500.000 Euro. Davon wiederum kassierten 13 Prozent der Bankvorstände ein Jahressalär von mehr als einer Million Euro.

Debatten nicht nur in Deutschland

Banken, die vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin Kapitalhilfen in Anspruch nehmen, dürfen ihren Vorständen nicht mehr als 500.000 Euro im Jahr zahlen - bislang trifft das für die Commerzbank und die Aareal Bank zu. Auch bei ihnen sind aber von der Gehaltsgrenze die Spitzenverdiener unterhalb der Vorstandsebene nicht betroffen, wie etwa die gut 400 Topmanager der Commerzbank. Die verdienen zwar ein fixes Gehalt von weniger als 500.000 Euro jährlich. Darin sind aber keine erfolgsabhängigen Vergütungen enthalten, so dass die Grenze - einen erfolgreichen Geschäftsverlauf vorausgesetzt - überschritten werden kann. Das fixe Gehalt hat bei Topbankern in der Regel einen Anteil von weniger als die Hälfte am gesamten Jahressalär.

Die Diskussion über ungerechtfertigte Boni-Ausschüttungen schlägt nicht nur in Deutschland hohe Wellen. In den Vereinigten Staaten hat sich Präsident Barack Obama darüber empört, dass die Wall-Street-Banken für das zurückliegende Jahr 18 Milliarden Dollar an erfolgsabhängigen Vergütungen ausschütten wollen. Das ist der sechsthöchste Betrag in der Geschichte, und das für ein Geschäftsjahr, in dem die amerikanische Regierung die Banken mit einem Betrag von mehr als 1 Billion Dollar auffangen musste. Auf dem G-20-Treffen in London am 2. April, auf dem die 20 wichtigsten Volkswirtschaften der Welt über die Finanzkrise beraten werden, stehen deshalb die Vergütungssysteme der Banken auf der Agenda.

Zu kurzfristig angelegte Vergütungssysteme

Tatsächlich haben die erfolgsabhängigen Gehaltsbestandteile dazu beigetragen, dass die Banken zu hohe Risiken eingegangen sind. Die falsche Einschätzung der eigenen Risikotragfähigkeit durch die Banken ist wesentliche Ursache für die inzwischen die gesamte Weltwirtschaft erfassende Krise. Die Vergütungssysteme der Banken waren zu kurzfristig ausgerichtet: Über den Zeitraum von einem Jahr hat es sich für den Investmentbanker gerechnet, hohe Risiken einzugehen, weil dadurch sein Ertrag und damit sein Bonus stieg. Die Belastungen aus den riskanten Strategien, gerade bei Kreditderivaten oder forderungsbesicherten Wertpapieren, sind aber erst nach Jahren aufgetreten. Da waren die Boni längst geflossen.

Es reift deshalb die Einsicht, dass die Banken ihre Vergütungssysteme langfristiger und nachhaltiger ausrichten müssen. Die erfolgsabhängigen Vergütungen sollen sich mit den Interessen der Investoren decken. Das bedeutet, dass zu einem jeweils späteren Zeitpunkt auftretende Verluste berücksichtigt werden müssen. Die Deutsche Bank will Aktien, die über verschiedene Zeiträume gehalten werden, stärker als Boni-Instrument einsetzen. Der Aktienkurs spiegele den nachhaltigen Unternehmenserfolg, argumentieren die Befürworter. Kritiker wenden dagegen ein, dass das Management über das Instrument der Aktienrückkäufe den Aktienkurs im eigenen Interesse beeinflussen kann. Allerdings erfolgen Aktienrückkäufe nur in Zeiten, in denen Unternehmen über zu viel Liquidität verfügen, also in „guten Zeiten“. Zudem sind sie im Interesse der Aktionäre, weil die zusätzliche Nachfrage den Kurs treibt.

Nicht alle Bankenbereiche haben defizitär gearbeitet

Die erfolgsabhängige Vergütung von Bankern deckt sich mit den Interessen der Aktionäre nur, wenn sie zielgerecht eingesetzt wird. Boni können deshalb durchaus auch in Verlustjahren gezahlt werden, wenn damit die individuelle Leistung belohnt wird. Das gilt auch jetzt in Zeiten der Krise: Nicht alle Bankenbereiche haben im vergangenen Jahr defizitär gearbeitet. Selbst im Kapitalmarktgeschäft, das dem Investmentbanking zugeordnet wird, war Geld zu verdienen. Die Deutsche Bank zum Beispiel blickt im Devisenhandel auf ein erfolgreiches Jahr zurück, obwohl die kapitalmarktnahen Bereiche für den Rekordverlust von 3,9 Milliarden Euro die Hauptverantwortung tragen. Erfolgreiche Mitarbeiter wegen der Verluste von Kollegen aus anderen Bereichen zu bestrafen, kann sich demotivierend auswirken.

Als nicht gerade erfolgsorientiert gelten die garantierten Boni, wie sie derzeit bei Dresdner Kleinwort in der Diskussion sind. Gerechtfertigt wurden sie bislang aus einem anderen Grund: Sie werden als „Halteprämien“ bezeichnet, weil der Mitarbeiter dafür belohnt wird, dass er dem Arbeitgeber treu bleibt und nicht zur Konkurrenz abwandert, wo noch üppigere Gehälter winken.

Dass sich die Gehaltsspirale in den Jahren zwischen 2003 und 2007 für Investmentbanker immer schneller nach oben drehte, lag auch an der Konkurrenz durch die Hedge-Fonds. Diese im Gegensatz zu Banken kaum regulierten Anlagevehikel hatten in besseren Zeiten ihren Investoren, darunter Industrieunternehmen, Pensionsfonds, Versicherungen sowie schwerreiche Einzelpersonen, jährliche Renditen von 30 Prozent aufwärts versprochen. Diese waren nur über hochriskante Anlagestrategien zu erreichen. Im Erfolgsfall erhielten Hedge-Fonds-Manager jährliche Vergütungen in dreistelliger Millionenhöhe. Um ihre besten Leute nicht an die Hedge-Fonds zu verlieren, mussten Banken großzügigere Verdienstchancen gewähren. Doch das dürfte Vergangenheit sein: Denn die Hedge-Fonds leiden unter der Finanzkrise noch mehr als die Banken. Rund die Hälfte der weltweit auf 9000 geschätzten Hedge-Fonds steht vor dem Aus. Damit dürfte sich die Gehaltsspirale für Investmentbanker wieder zurückdrehen.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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