19.05.2008 · Seit Jahresanfang ist das Durchschnittsalter der Vorstandsvorsitzenden im Dax von knapp 57 auf etwas mehr als 55 Jahre gesunken. Das ist kein Jugendkult. Doch es verändert sich etwas.
Von Julia LöhrMit Martin Blessing an der Spitze der Commerzbank vollzieht sich ein weiterer Schritt des Generationswechsels unter den Vorstandsvorsitzenden der größten deutschen Unternehmen. Frank Appel, der im Februar Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel beerbte, ist 46 Jahre alt. Kasper Rorsted, seit April Henkel-Chef, ist ebenfalls 46; und nun Martin Blessing, 44 Jahre alt. Neben Postbank-Chef Wolfgang Klein gehört er zu den Nesthäkchen unter den Vorstandsvorsitzenden der Dax-Konzerne. Von einem Jugendkult kann allerdings nicht die Rede sein. Seit Jahresanfang ist das Durchschnittsalter der Vorstandsvorsitzenden im Dax von knapp 57 auf etwas mehr als 55 Jahre gesunken. Doch es verändert sich etwas.
Stefan Eikelmann, Leiter der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, hält den Einzug der Mittvierziger für eine normale Generationenfolge. Die Jungen seien nicht automatisch besser als die Alten - aber anders. Die neue Generation von Vorstandsvorsitzenden hat eine Menge gemeinsam“, sagt Eikelmann. "Sie ist hervorragend ausgebildet, hat schon früh Verantwortung übernommen und international Erfahrung gesammelt." Viele haben ein MBA-Programm absolviert, Blessing an der Universität von Chicago. Sie kennen sich aus mit modernen Managementmethoden. Und sie haben in ihrer noch jungen Karriere bereits mehrere Unternehmen von innen gesehen.
Nüchtern, analytisch und sachorientiert
„Ich habe das Gefühl, dass diese Generation extrem nüchtern, analytisch und sachorientiert arbeitet“, sagt Eikelmann. „Früher hatten viele Vorstandsvorsitzende einen Neun-Stunden-Tag. Von der jungen Generation hat das keiner.“ Die physischen Anforderungen seien durch die Globalisierung gestiegen. Wer in der Woche 40 Stunden im Flugzeug verbringe, um Kunden und Niederlassungen in aller Welt abzuklappern, müsse belastbar sein. Da sind die Jüngeren eindeutig im Vorteil.
Ihr analytisches Denken lernen die „Neu-Manager“, wie Personalberaterin Sabine Hansen sie nennt, gern in Unternehmensberatungen. Ob Wolfgang Klein, Frank Appel oder Martin Blessing - alle sind sie nach ihrem Studium durch die Schule von McKinsey gegangen. „Dadurch sind sie kapitalmarkt- und zahlenorientiert“, beobachtet die Beraterin, die für Heidrick & Struggles Führungspositionen besetzt. Sie sieht die vielen Stationen in den Lebensläufen der neuen Manager-Generation nicht nur positiv. „Viele junge Führungskräfte wechseln lieber den Job, als eine kritische Phase mit dem Unternehmen durchzustehen“, sagt Hansen. „Dabei ist so etwas eine wertvolle Erfahrung.“
Viel wichtiger als das Alter der Vorstandsvorsitzenden ist nach Ansicht von Unternehmensberater Eikelmann, dass die Übergabe des Chefpostens gut vorbereitet ist. Nichts sei schlimmer als eine leere Ersatzbank. Wenn es dem Unternehmen im Kern gutgehe, seien interne Nachfolger besser geeignet als solche von außen. „Sie sind mit den Interna vertraut und brauchen keine lange Einarbeitungszeit.“ So wie Martin Blessing, der bereits etliche Jahre Vorstandserfahrung in der Commerzbank gesammelt hat. Ob er diesen Vorteil in seiner neuen Rolle nutzen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
| Name | Kurs | Prozent |
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