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Malaysia Frauenquote selbst verordnet

07.07.2011 ·  Die drittgrößte Volkswirtschaft Südostasiens ist vom Islam geprägt - rund 60 Prozent. Trotzdem will Malaysia bis 2016 dafür sorgen, dass 30 Prozent der Manager in Zukunft weiblich sind.

Von Christoph Hein, Singapur
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Ausgerechnet Malaysia. In dem südostasiatischen Land bekennt sich die Mehrheit der Menschen zum Islam, und doch will ausgerechnet Malaysia nun Frauen mit einer Quotenregelung in die Spitzenpositionen der Wirtschaft verhelfen. Ministerpräsident Najib Razak hat erklärt, dass das Kabinett in Kuala Lumpur eine Richtlinie verabschiedet habe, nach der bis zum Jahr 2016 mindestens 30 Prozent der „Entscheider-Positionen in Unternehmen“ von Frauen besetzt sein müssten. Damit ist das muslimische Malaysia das erste Land Asiens, das sich eine solche Politik verordnet.

Gut 60 Prozent der knapp 30 Millionen Malaysier sind islamischen Glaubens. Die Wirtschaft wird stark von der Regierung gelenkt - das könnte dem Vorhaben eine Chance geben. Strafen sind freilich nicht vorgesehen, wird die Quote in einem Unternehmen nicht erreicht: „Wir beginnen in der ersten Phase mit dem Überreden. Dafür brauchen wir keine Gesetze - es geht um den Markt, die Produktivität, die Profitabilität“, sagte Shahrizat Jalil, Ministerin für Frauen, Familie und kommunale Entwicklung. Frauen stellten die Hälfte der Nation dar, seien eine wichtige Konsumentengruppe. „Deshalb sehe ich keinen Grund, warum sie nicht in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden sollten.“

Keine Strafandrohungen

„Das 30-Prozent-Ziel sollte nicht mit Strafen durchgesetzt werden, weil dann die Wahrnehmung entstehen könnte, dass eine Frau nur deshalb Entscheidungsträgerin wurde, weil die Quote erfüllt werden musste“, sagte Shamsuddin Bardan, Vorsitzender des malaysischen Arbeitgeberverbandes. Er begrüßte das Vorgehen und wies darauf hin, dass 60 Prozent der Hochschulabgänger Malaysias weiblich seien, nur 45 Prozent aber dauerhaft Karriere machten. In drei Jahren soll es eine erste landesweite Überprüfung der Fortschritte geben. Zugleich sollen Frauen stärker gefördert werden, eine bessere Ausbildung bekommen. „Wenn wir einen Talentpool haben, gibt es überhaupt keine Ausrede mehr“, sagte die Ministerin.

Grundsätzlich hat Malaysia ein islamisches Verständnis von Emanzipation. So hatte es im Jahr 2007 im konservativen Bundesstaat Terengganu eine hitzige Debatte darüber gegeben, ob Frauen im Bikini baden dürften. Das Land versteht sich als Brücke in den arabischen Raum und verdient sein Geld auch durch den raschen Ausbau des islamischen Bankwesens. In jedem Fall hat Malaysia Nachholbedarf, was Frauen in Schlüsselpositionen angeht: Nach einer Untersuchung der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2007 waren in Malaysia nur gut 9 Prozent der Bundespolitiker weiblich. Im Nachbarland Singapur lag der Wert bei einem Viertel.

Ministerpräsident Najib verwies anlässlich der Vorstellung des Programms darauf, dass die Regierung schon im Jahr 2004 die gleiche Regel für Beschäftigte im öffentlichen Dienst erlassen habe. Der Anteil von Frauen sei daraufhin von 18,8 Prozent aller Führungskräfte - beispielsweise Amtsleiter - auf inzwischen 32,3 Prozent gestiegen. „Dieser Weg wird der Katalysator für unsere Politik im Unternehmenssektor sein“, sagte er. „Wir haben erkannt, dass der Unternehmensbereich sehr langsam damit ist, Frauen Chancen einzuräumen. Und dies, obwohl es viele Frauen mit großem Potential, Talent, Erfahrung und Wissen gibt2, ergänzte Frauenministerin Shahrizat. Ihr Ministerium hatte den Politikwechsel angestrengt.

„Wir brauchen fähige Leute, egal welches Geschlecht sie besitzen“

Najibs Angaben zufolge waren im vergangenen Jahr nur 13 Prozent aller Positionen in den Verwaltungsräten von Unternehmen mit Frauen besetzt. Bei den 200 an der Börse Bursa Malaysia gehandelten Aktiengesellschaften betrug der Wert nur 7,6 Prozent, in den Finanzinstitutionen waren es gerade einmal 6 Prozent. Das bekannteste weibliche Gesicht in Malaysias Politik ist Zeti Akhtar Aziz, die seit dem Jahr 2000 amtierende Gouverneurin der Zentralbank Bank Negara Malaysia.

Allerdings gibt es auch Gegenwind aus berufenem Munde. So sagte die redegewandte und als Verhandlungsführerin stets gefürchtete, frühere Handelsministerin Rafidah Aziz nach der Entscheidung: „Das ist nicht richtig. Sowohl der öffentliche wie der private Sektor müssen die Besten einstellen. Wir brauchen fähige Leute, egal welches Geschlecht sie besitzen.2 Sie wende sich gegen die Entscheidung, weil sie zum einen dazu verleite, offene Stellen „mit irgendjemandem“ zu besetzen, zum anderen, weil auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit Malaysias gefährdet sei.

Der Regierung wird ihr Vorhaben dadurch einfacher gemacht, dass das Wirtschaftsleben Malaysias stark staatlich geprägt ist. So hält der Staatsfonds Khazanah Nasional Anteile an den wichtigen Großunternehmen. Die führenden Unternehmen der drittgrößten Volkswirtschaft Südostasiens sind sogenannte „Government Linked Companies2 (GLC), die eng an die Regierung gebunden sind. So ist zu erwarten, dass nun der Rohstoffkonzern Petronas, der allein für 40 Prozent der Staatseinnahmen steht, die Besetzung seines Rates mit derzeit sechs männlichen Mitgliedern wird ändern müssen.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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