24.10.2007 · Am Dienstag fiel das VW-Gesetz, am Mittwoch triumphierte Porsche vor Gericht im Mitbestimmungsstreit mit VW. Ein echter Doppelsieg für den kleinen Autobauer. Damit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Porsche seine Vision von einem Großkonzern verwirklichen wird.
Porsche-Chef Wendelin Wiedking hat innerhalb von zwei Tagen einen Doppelsieg eingefahren. Einen Tag nach dem Aus für das VW-Gesetz triumphierte der Lenker des Sportwagenbauers am Mittwoch auch vor dem Ludwigsburger Arbeitsgericht: Der Antrag auf eine einstweilige Verfügung des VW-Betriebsrates gegen den Eintrag der neuen Porsche Holding ins Handelsregister wurde abgeschmettert. Damit ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der erfolgsverwöhnte Top-Manager seine Vision von einem Großkonzern verwirklichen die vollständige Übernahme des Wolfsburger Autokonzerns verkünden wird.
Was zwischen den Autobauern VW und Porsche erst nach einer zweiten „Ehe im Himmel“ aussah, hatte in den vergangenen Wochen die Züge eines Scheidungskriegs angenommen: Es wurde um Macht, Aufmerksamkeit und Mitbestimmung gerungen. In der Sache ging es um die Konstruktion eines künftigen Porsche/VW-Großkonzerns. Dabei gilt die Automobil- Holding SE als ein Herzstück, da in ihr die VW-Anteile bei einer mehrheitlichen Übernahme des Autokonzerns sowie auch mögliche weitere Tochtergesellschaften gebündelt werden sollen.
Sturm gelaufen
Im Aufsichtsrat des Gremiums nach Europäischem Recht, in dem nach dem Willen von Wiedeking auch die Porsche AG künftig geführt wird, sollen gleichberechtigt je drei Arbeitnehmervertreter von Porsche und VW sitzen. Dagegen war der Wolfsburger Betriebsrat Sturm gelaufen. Diese Vereinbarung gehe zu Lasten der VW-Belegschaft. Künftig hätten die Stimmen der 12.000 Porsche-Mitarbeiter genau so viel Gewicht wie die der 324.000 VW-Beschäftigten, monierten die Kläger.
Im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Ludwigsburger Arbeitsgerichts hatten sich die Betriebsratschefs von VW und Porsche, Bernd Osterloh und Uwe Hück, vor Prozessbeginn zwar noch demonstrativ die Hand gegeben und waren danach für mehrere Minuten zusammen vor die Tür gegangen. Danach war es aber mit den Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Streithähnen, die mit ihrer Halbglatze und den millimeterkurzen Haaren fast wie Brüder aussehen, vorbei.
Mangelder Wille zur Einigkeit
Beide Seiten beharrten in der mündlichen Verhandlung vehement auf ihren Positionen, so dass der Vorsitzende Richter nach etwas mehr als einstündigem Schlagabtausch den mangelnden Willen zur Einigkeit feststellte. Eine Annäherung gab es auch nach der Gerichtsentscheidung zwischen Niedersachsen und Schwaben nicht. Nach der Ankündigung von Osterloh, trotz der Niederlage vor Gericht weiter für mehr Einfluss der VW-Beschäftigten zu kämpfen und Beschwerde gegen den Beschluss einzulegen, werden die Juristen beider Autobauer erneut in Stellung gehen.
Versöhnlich gab sich derweil der wortgewaltige Porsche- Betriebsratschef Hück: „Der Osterloh wird jetzt nicht angezählt, weil der Osterloh ein Freund von mir ist“, verkündete der passionierte Tai-Boxer in seiner gewohnt blumigen Sprache. Ein erneutes Sparring mit seinem Gegenspieler wird in dem Konflikt jedoch kaum vermeidbar sein.
Gleich ist Gleich ?
C. Müller (Chrizz)
- 24.10.2007, 14:47 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.370,73 | −1,68% |
| Dow Jones | 12.437,70 | −1,14% |
| EUR/USD | 1,2421 | −0,54% |
| Rohöl Brent Crude | 103,93 $ | −2,73% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?