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Machtkampf spitzt sich zu Porsche: Verkauf an Volkswagen „kein gangbarer Weg“

29.06.2009 ·  Der hochverschuldete Sportwagenbauer Porsche hat den „Rettungsvorschlag“ aus Wolfsburg zurückgewiesen. „Es ist für uns kein gangbarer Weg, 49,9 Prozent der Porsche AG an VW zu verkaufen“, hieß es. Unterdessen sieht Niedersachsens Ministerpräsident Wulff im eskalierenden Machtkampf bereits Ähnlichkeiten mit Fernseh-Seifenopern.

Von Susanne Preuß
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Der hochverschuldete Sportwagenbauer Porsche hat am Montagnachmittag auf das Ultimatum seitens VW reagiert und den „Rettungsvorschlag“ aus Wolfsburg zurückgewiesen. „Es ist für uns kein gangbarer Weg, 49,9 Prozent der Porsche AG an VW zu verkaufen“, sagte ein Porsche-Sprecher in Stuttgart. Porsche könne auf den Vorschlag gar nicht eingehen, weil dann sofort der Kredit über 10,75 Milliarden Euro fällig werde, den das Unternehmen sich bei einem Bankenkonsortium gesichert habe.

Die Hälfte Porsches für drei bis vier Milliarden Euro

Kurz bevor der Einstieg des Emirats Qatar im Kreis der Eigentümerfamilien besprochen werden sollte, hatte VW diese Verkaufsvariante ins Gespräch gebracht und deren Annahme mit einer Frist verbunden. Bis zum heutigen Montag sollten Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche signalisieren, ob sie sich für diese Rettungsmöglichkeit entscheiden, sonst stehe sie nicht mehr zur Verfügung.

Der Vorschlag sieht vor, dass VW der Porsche Holding SE für einen Betrag von drei bis vier Milliarden Euro einen Anteil von 49 Prozent an der Porsche AG (also das operative Sportwagengeschäft) abkauft. In einem nächsten Schritt würde Qatar VW-Aktienoptionen aus dem Besitz der Porsche Holding übernehmen. Zum Schluss müssten Porsche und VW fusionieren. An diesem vereinten Automobilkonzern könnten die Familien Porsche und Piëch 40 Prozent der Aktien halten, Niedersachsen 20 Prozent, Qatar 15 Prozent und ein weiterer Staatsfonds 5 Prozent.

Wulff sieht Machtkampf als „Kopie von Dallas und Denver“

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff verlangte unterdessen eine schnelle Entscheidung über die von VW vorgeschlagene Fusion. Die Querelen müssten ein Ende haben. „Wir müssen jetzt klären, ob jeder seinen eigenen Weg geht oder es einen gemeinsamen Weg gibt“, sagte er am Montag vor einer CDU-Parteiveranstaltung in Berlin. Niedersachsen als Miteigentümer von VW halte viel von einem Zusammenschluss. VW und Porsche hätten bereits in einigen Projekten erfolgreich zusammengearbeitet.

Zur Debatte über Fristsetzungen und einen Erpressungsvorwurf von Porsche an VW äußerte sich Wulff kritisch. „Es gibt eine gewisse Irritation bei mir“, sagte er. „Offenbar stehen nicht alle Fakten allen zur Verfügung.“ VW und Porsche müssten sich angesichts der aktuellen Veränderungen auf dem globalen Automobilmarkt wieder um ihre Zukunftsstrategie als Autobauer kümmern. „Darin muss das Interesse liegen und nicht auf einer Kopie von Dallas und Denver“, sagte Wulff, der auch dem Aufsichtsrat von VW angehört.

„Erpressen lassen wir uns nicht“

Wolfgang Porsche, der auch Sprecher der dominierenden Eigentümerfamilie Porsche ist, hatte am Wochenende empört reagiert auf das Ultimatum, hinter dem er offenbar seinen Cousin Ferdinand Piëch, den Aufsichtsratschef von Volkswagen, als treibende Kraft vermutet. „Erpressen lassen wir uns nicht. Dies hilft niemandem. Es schadet der Sache. Das ist nicht der Stil, der Gemeinsamkeiten fördert“, schreibt der üblicherweise sehr zurückhaltende Wolfgang Porsche in einer außergewöhnlich umfangreichen Erklärung, die er gemeinsam mit Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, seinem Stellvertreter im Aufsichtsrat, abgab: „Ultimaten gehören nicht in das 21. Jahrhundert. Deshalb fragen wir uns schon, worum es eigentlich wirklich geht und ob es überhaupt noch um die Sache geht.“

Nach Informationen aus Unternehmenskreisen sollen in einem Brief aus Wolfsburg an Wolfgang Porsche Fristen genannt worden sein. Der „Spiegel“ berichtete, den „Kooperationsmodell“ genannten Rettungsplan hätten die VW-Vorstände Martin Winterkorn und Hans Dieter Pötsch gemeinsam mit Wulff und Piëch ausgearbeitet. Sollte Porsche nicht auf das Angebot eingehen, droht VW dem Bericht zufolge mit der Kündigung eines 700-Millionen-Euro-Kredits an Porsche. Außerdem würde das Emirat Qatar Porsche dann nicht mehr retten wollen. Vertreter des Emirats haben offenbar bei Besuchen in Niedersachsen verdeutlicht, dass sie sich nur an einem VW-Porsche-Konzern beteiligen wollten, wenn Einigkeit über den künftigen Kurs bestehe - der aus Wolfsburger Sicht nur die Integration von Porsche bedeuten kann.

„In hohem Maße irritiert über die Wortwahl“

Wolfgang Porsche zeigte sich „in hohem Maße irritiert über die Wortwahl“ der Erklärung aus Wolfsburg und bietet Gespräche an: „Wir hoffen sehr, dass die Urheber des Ultimatums ... sich wieder beruhigen und in internen Gesprächen und nicht über Schlagzeilen ihre Vorschläge verfolgen.“ Zuvor hatte das Stuttgarter Unternehmen schon zuversichtliche Signale über die Einigung mit dem potentiellen Investor Qatar verbreitet. „Wir befinden uns auf der Zielgeraden“, hatte Porsche über den Stand der Verhandlungen schon am Freitag mitgeteilt. Die Buchprüfung sei von den Investoren positiv abgeschlossen worden.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking zeigte sich in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ schon siegesgewiss. Sein Vertrag als Porsche-Chef laufe bis 2012, erklärte er dort, und: „Ich habe bei Porsche ein Projekt begonnen, nämlich die Schaffung einer starken Allianz von Porsche und VW. Das möchte ich zu Ende bringen.“ Die Verhandlungen mit der Qatar Investment Authority verliefen in einer „sehr guten und konstruktiven Atmosphäre“.

Ungeachtet des Drucks aus Niedersachsen braucht Porsche schnell einen Geldgeber, weil der Sportwagenbauer sich an dem auf Kredit finanzierten Einstieg bei VW verhoben hat. Die schrumpfenden Gewinne aus dem operativen Geschäft und aus den Dividendenzahlungen von VW reichen nicht einmal für die Zinszahlungen. Um eine absehbare Liquiditätslücke auszugleichen, hat Porsche bei der Staatsbank KfW einen Kredit über 1,75 Milliarden Euro beantragt, allerdings mit wenig Aussicht auf Erfolg.

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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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