25.04.2007 · Der Machtkampf bei Siemens ist entschieden: Nach Heinrich von Pierer scheidet auch Vorstandschef Klaus Kleinfeld spätestens im Herbst beim Münchner Konzern aus. Der Aufsichtsrat sucht nach dem Eklat nun einen Nachfolger.
Von Joachim HerrNach Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer scheidet auch der Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld aus. Kleinfeld stehe für eine Verlängerung seines zum 1. Oktober auslaufenden Vertrages nicht mehr zur Verfügung, teilte Siemens nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch in München mit. Einen Nachfolger gab der Aufsichtsrat nicht bekannt. Nach Angaben des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme will Kleinfeld seine Aufgabe bis 30. September erfüllen. Der Kurs der Aktie drehte daraufhin ins Minus und gab 1 Prozent auf 88,36 Euro nach.
Die am Tag zuvor bekanntgewordene Suche nach einem Nachfolger hat den größten europäischen Elektronikkonzern in eine tiefe Führungskrise gestürzt. „In diesen Zeiten braucht das Unternehmen Klarheit über seine Führung“, erklärte Kleinfeld seinen Abschied.
Ackermann wollte den Vertrag nicht verlängern
Im Aufsichtsrat trafen die Lager der Kleinfeld-Gegner und seiner Unterstützer aufeinander. An der Spitze der Aufsichtsräte, die Kleinfelds Vertrag offenbar nicht verlängern wollten, stand Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank. Als Befürworter einer Verlängerung galt dagegen auf der Kapitalseite Albrecht Schmidt, der ehemalige Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank, wie es vor Beginn des Treffens in München hieß.
Der Machtkampf bei Siemens ist entschieden: Nach Heinrich von Pierer scheidet auch Vorstandschef Klaus Kleinfeld spätestens im Herbst beim Münchner Konzern aus. Der Aufsichtsrat sucht nach dem Eklat nun einen Nachfolger.
Von Analysten hatte Kleinfeld noch am Mittwoch viel Zuspruch erhalten. Auslöser dafür waren die überraschend am Dienstagabend veröffentlichten Zahlen des Münchner Konzerns für das vergangene Quartal. Sie übertrafen die Erwartungen deutlich. So stieg der Konzerngewinn nach Steuern im Vergleich mit dem Vorjahreswert um mehr als ein Drittel auf knapp 1,26 Milliarden Euro. „Eine Entlassung von Klaus Kleinfeld wäre ein gravierender strategischer Fehler des Aufsichtsrats, da der Kapitalmarkt von den Qualitäten des Vorstands überzeugt ist“, hatte Ben Uglow von Morgan Stanley zuvor gewarnt.
Analysten sehen den Abgang skeptisch
Nach Ansicht der Beobachter von Independet Research ist Kleinfelds Ablösung ein deutlicher Rückschlag für Siemens. „Es wäre absolut falsch, Kleinfeld zum jetzigen Zeitpunkt abzulösen. Eine solche Entscheidung des Aufsichtsrats wäre absoluter Wahnsinn“, wurde ein Analyst einer Bank in London vor Bekanntwerden von Kleinfelds Rückzug von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Michael Bahlmann von der Bank MM Warburg hatte zuvor gesagt: „Ich würde nicht gut heißen, wenn Kleinfeld jetzt gehen müsste.“ Auch Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hatte sich vor den Siemens-Chef gestellt. „Aufklärung ist wichtiger, als ein politisches Bauernopfer“, sagte sie mit Blick auf die Korruptionsaffäre von Siemens. Der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen und schwarze Kassen erschüttert den Konzern seit einer Großrazzia im November 2006 und ist Auslöser der Krise.
Cromme zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt
Wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aus dem Umfeld von Klaus Kleinfeld signalisiert wurde, hatte der Vorstandschef vor der Aufsichtsratssitzung deutlich gemacht, dass er eine Verzögerung der Entscheidung über seine Vertragsverlängerung nicht hinnehmen werde. Ein Siemens-Sprecher hatte schon am Dienstag gesagt, am Mittwoch werde eine Entscheidung fallen. Die Aussage kommentierte jedoch vor der Sitzung ein Mitglied des Aufsichtsrats mit Missfallen: „Die Presseabteilung und das Büro von Herrn Kleinfeld können dem Gang der Dinge nicht vorgreifen.“ Zur Diskussion stand für den Fall einer Vertragsverlängerung offenbar auch eine Klausel, die eine mögliche Abfindung für Kleinfeld beschränkt hätte. Bisher haben interne Ermittlungen im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre Kleinfeld zwar nicht belastet. Es heißt aber auch, das Ergebnis der Untersuchungen der amerikanischen Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton sei noch offen. Mit der Abfindungsklausel hätte sich der Aufsichtsrat vor Haftungsrisiken schützen können, falls doch Hinweise für ein Fehlverhalten Kleinfelds auftauchen sollten.
Kleinfeld ist seit Januar 2005 Vorstandschef von Siemens. Ein Jahr zuvor war er nach seiner Zeit als Amerika-Chef in den Zentralvorstand mit Verantwortung für das Informations- und Kommunikationsgeschäft berufen worden. Somit war er für die Kommunikationstechniksparte zuständig, die im Mittelpunkt der Korruptionsaffäre steht.
Gerhard Cromme wurde in der Sitzung als Nachfolger von Heinrich von Pierer zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. Pierer hatte am vergangenen Donnerstag seinen Rücktritt angekündigt. Wichtigste Aufgabe Crommes wird es zunächst sein, einen Nachfolger für Vorstandschef Klaus Kleinfeld zu finden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.738,47 | +0,68% |
| FAZ-INDEX | 1.504,02 | +0,59% |
| TecDAX | 775,33 | +0,71% |
| MDAX | 10.290,00 | +0,40% |
| SDAX | 5.011,74 | +0,53% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.491,54 | +0,43% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,48 | +0,59% |
| Dow Jones | 12.874,00 | +0,57% |
| Nasdaq 100 | 2.569,49 | +0,87% |
| S&P500 | 1.351,77 | +0,68% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3162 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 117,79 $ | −0,09% |
| Gold | 1.727,00 $ | +0,91% |
| Bund Future | 138,32 € | −0,22% |