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Machtkampf bei Porsche : „Ich stehe mit offenem Visier an der Front“

  • Aktualisiert am

„Wir fahren derzeit auf Sicht”, sagt Wiedeking über die Finanzkrise. Man könne sich nicht gegen die Weltwirtschaft stemmen, sondern nur weiter begehrenswerte Fahrzeuge bauen, so der Porsche-Chef Bild: picture-alliance/ dpa

Wendelin Wiedeling über die Fehde mit VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch: „Bis 2012 bleibe ich der Firma erhalten“, sagt der Porsche-Chef im Interview. Eine 75-prozentige Beteiligung an VW wolle er in Zukunft nicht ausschließen.

          Wendelin Wiedeling über die Fehde mit VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch: „Bis 2012 bleibe ich der Firma erhalten“, sagt der Porsche-Chef im Interview. Eine 75-prozentige Beteiligung an VW wolle er in Zukunft nicht ausschließen.

          Herr Wiedeking, die Porsche-Aktie hat zwei Drittel ihres Wertes verloren. Was ist da los?

          Da müssen Sie die Börsenauguren fragen, die haben doch auf alles und immer eine Antwort. Wir jedenfalls wissen: Der innere Wert der Aktie ist deutlich höher.

          Früher hatte man sich noch was zu sagen: Ferdinand Piëch (l) und Wendelin Wiedeking bei der Porsche Hauptversammlung im Januar 1997.

          Sie ist zuletzt eingebrochen, weil Sie unter Hinweis auf die Finanzkrise keine Prognose für 2009 abgeben wollen.

          Wer jetzt Prognosen abgibt, der handelt fahrlässig. Niemand kann sagen, wie viele Banken noch in Konkurs gehen und wie lange die Verwerfungen an den Finanzmärkten anhalten.

          Wenn Investmentbanker ihre Jobs verlieren, bestellen sie keinen 911er.

          Klar ist doch: Auch wir können uns nicht gegen die Weltwirtschaft stemmen. Wir können nur begehrenswerte Fahrzeuge bauen. Und das tun wir.

          Kürzen Sie deswegen die Produktion, wie Daimler oder BMW?

          Wir fahren derzeit auf Sicht. Gott sei Dank haben wir schon im Herbst vorigen Jahres unsere Absatzzahlen in Amerika nach unten korrigiert, weil wir keine Lagerbestände aufbauen wollen. Jetzt werden wir die anderen Märkte anschauen. Auch die Lage in China oder Russland ist ja nicht unbedingt stabil.

          Keine Hoffnung, nirgends?

          Middle East läuft hervorragend, dank der Öleinnahmen. Auch Südamerika ist gut dabei. Und Asien bleibt ein Wachstumsmarkt. Insgesamt werden wir alles daransetzen, auch im laufenden Geschäftsjahr wieder einen Rekord einzufahren - wobei wir uns nie am Absatz messen, sondern am Ergebnis. Und da sind wir nach wie vor unangefochten die Nummer eins, selbst wenn man nur das operative Geschäft rechnet, also ohne die Gewinne aus unserer VW-Beteiligung.

          Dank Ihrer Spekulationskünste haben Sie eine einmalige Situation erreicht: Der Gewinn ist höher als der Umsatz.

          Im Moment tragen unsere Finanzleute noch die letzten Zahlen zusammen. Das Ergebnis, das wir dann Mitte November veröffentlichen, wird aber sicher beeindruckend sein. Unsere Aktionäre müssten glücklich sein.

          Offenbar nicht alle. Sie haben einen gewitzten Großaktionär als Gegenspieler: Ferdinand Piëch. Wittert der jetzt die Chance, Sie loszuwerden im Streit über das Vorgehen bei Volkswagen?

          Ich habe einen Vertrag mit dem Aufsichtsrat der Porsche SE. Und dieser Aufsichtsrat hat alle Etappen der VW-Beteiligung abgesegnet, die wir ordnungsgemäß und im Sinne der Aktionäre und des Aufsichtsrates abarbeiten.

          Der Keim für das Zerwürfnis liegt schon in der Frage, wer die Idee hatte zu dem VW-Coup: Ferdinand Piëech oder Sie?

          Entscheidend ist doch, wer den Weg für ein solches Vorhaben findet. Es genügt nicht, auf den Mond zu wollen, man muss auch wissen, wie man es anstellt.

          Sie haben sich nichts vorzuwerfen bei der Eroberung Wolfsburgs?

          Was heißt schon sich etwas vorwerfen? Die öffentliche Diskussion hat ja Gründe. Wir wussten ja schon vorher um die Gemengelage: das Land Niedersachsen, die EU, die Betriebsräte und die Gewerkschaften. Alle rühren da mit, und jeder hat seine ureigenen Interessen - ein spannender Stoff für ein Buch. Wir verfolgen unser übergeordnetes Ziel: die Allianz VW-Porsche. Am Ende wird das für alle eine gute Geschichte - für Mitarbeiter wie für Aktionäre. Davon bin ich fest überzeugt.

          Sie haben den Namen Ferdinand Piëch bis jetzt bewusst nicht in den Mund genommen.

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