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Macht Geld glücklich? : Arme reiche Investmentbanker

In Londons Untergrund: ein völlig erschöpfter Banker. Die Jobs in der City sind gut bezahlt - doch glücklich machen sie nicht unbedingt. Bild: (c) Richard Baker/In Pictures/Co

In der Londoner City werden jetzt die Boni verteilt. Aber der Preis, den die Banker für ihren beruflichen Erfolg zahlen, ist hoch. Zu Besuch in einer Psychoklinik - mitten im Finanzviertel.

          Macht Geld glücklich? Wenn ja, dann müsste die Londoner City in diesem Monat eine Insel der Glückseligen sein. Denn es ist Bonus-Saison: Immer im Januar und Februar werden in den Niederlassungen der internationalen Investmentbanken in London, New York, Frankfurt und anderswo die Leistungsprämien für das zurückliegende Jahr verteilt. Traditionell machen zu Jahresbeginn amerikanische Institute wie Goldman Sachs und Bank of America Merrill Lynch den Anfang. Die Angestellten europäischer Häuser wie der Deutschen Bank und Barclays erfahren diesen Monat, wie hoch ihr Bonus ausfällt.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Es ist Bescherung - und im Idealfall hat sie viele Nullen. Erfolgreiche Banker können mit dem Jahresbonus ihr Grundgehalt mehr als verdoppeln. In der Finanzbranche an der Themse gibt es Tausende von Einkommensmillionären. Macht das viele Geld die Banker glücklich? Wer Tony Urwin besucht und sich eine Stunde lang mit ihm unterhält, der stellt hinterher eine andere Frage: Macht Geld vielleicht unglücklich?

          Wachsender Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung

          Urwin ist Psychologe und Geschäftsführer des „Priory Wellbeing Centre“ in der Londoner City. Das Priory ist eine renommierte psychotherapeutische Klinikgruppe in Großbritannien. Bekannt geworden ist sie vor allem wegen ihrer Patienten aus dem Showgeschäft, Kate Moss, Eric Clapton und Johnnie Depp ließen sich von den Therapeuten seelisch wieder aufrichten. Doch seit einigen Wochen peilt die Priory Group mit ihrem neuen „Wohlfühlzentrum“ eine andere Patientengruppe an: die chronisch gestressten Spitzenverdiener in der City - Banker, Anwälte, Berater. „Es gibt hier definitiv einen wachsenden Bedarf“, sagt Tony Urwin. Die Privatklinik habe vor der Eröffnung der Filiale eine Umfrage in der City durchführen lassen: „78 Prozent sagten, sie überlegten, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben, oder haben das in der Vergangenheit bereits getan“, berichtet Urwin. Die Resonanz auf das neue Angebot übertreffe bei weitem die Erwartungen. Hunderte Banker hätten in den vergangenen Wochen den Kontakt gesucht.

          Nicht alle erkennen rechtzeitig die Warnsignale ihres Körpers. Vergangenes Jahr stürzte sich ein Manager vom Dach des Londoner Hochhauses der Großbank JP Morgan in den Tod. Ein früherer Topmanager der Deutschen Bank erhängte sich Anfang 2014 in seiner Londoner Wohnung. Im Herbst brachte sich ein New Yorker Jurist des Frankfurter Geldhauses um. Andere ziehen ausgelaugt die Notbremse: Ende 2011 nahm António Horta-Osório, der Vorstandschef der britischen Großbank Lloyds, wegen akuter Erschöpfung eine sechswöchige Auszeit. 2013 gab der Barclays-Spitzenmanager Hector Sants wegen „Stress und Erschöpfung“ seinen Posten auf.

          Angstzustände, Herzrasen, Schlaflosigkeit

          Das neue ambulante Behandlungszentrum der Priory-Klinik liegt nur ein paar Straßenecken von der Bank of England entfernt. 15 Therapeuten arbeiten hier. An den lindgrün getönten Wänden hängen großformatige Fotografien, die Blumenwiesen und südliche Landschaften zeigen. Die Behandlungszimmer sind mit cremefarbenen Ledersofas möbliert. Die Menschen, die hier Hilfe suchen, werden von Angstzuständen gepeinigt, sie haben Herzrasen, können nicht mehr abschalten, nicht mehr schlafen. So wie Lloyds-Chef Horta-Osório, der später berichtete, er habe, als er sich krankschreiben ließ, fünf schlaflose Nächte hinter sich gehabt.

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