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Luxus im WC : Japaner wollen Toiletten revolutionieren

Für mehr Wohlbefinden: Hightech auf dem Stillen Örtchen Bild: Carsten Germis

Beheizbare Brille, Dusche und Föhn – japanische Hersteller erwarten eine auf der ganzen Welt wachsende Nachfrage nach Luxus-WCs.

          Besucher aus dem Ausland sind immer wieder überrascht, wenn sie in den Bädern ihrer Hotelzimmer in Japan auf die Hightech-Toiletten stoßen, die hier Standard sind. Sie betreten das Bad, nähern sich der Toilette – und schon klappt automatisch der Deckel auf. Die Brille ist beheizbar, ein Bidet eingebaut. Und wem es allein mit Toilettenpapier nicht sauber genug wird, der kann sich sein Hinterteil mit einer Warmwasserdusche spülen und dann trocken föhnen lassen. In japanischen Haushalten gehören solche Duschtoiletten mittlerweile zum Standard.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Zwei von drei Japanern nutzen sie angeblich schon. Unternehmen wie Toto – in Japan mit Abstand die Nummer eins – und die Lixil-Gruppe mit ihren Hightech-Toiletten der Marke Inax drängen nun mit Macht nach Europa. Trotz der andauernden Euro-Krise erwarten sie, dass Toiletten mit japanischem Standard auch beim europäischen Verbraucher auf Interesse stoßen. „Europa ist unser nächstes Ziel“, kündigt Toto-Manager Masanori Akasaka an, der am Stammsitz des Unternehmens in Kitakyushu die Anteilseigner betreut.

          Eigene Fabrik in Bottrop

          Schon vor fünf Jahren ist Toto auf den europäischen Markt gegangen. In Düsseldorf ist das europäische Hauptquartier. In Bottrop hat Toto sogar eine eigene Fabrik. Dort werden allerdings nur noch die Toilettendeckel auf die aus Indien gelieferten Toiletten montiert. Auch nach fünf Jahren ist es für die Japaner aber noch schwer, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Zu unbekannt ist die Marke in Europa noch. „Außerdem ist es ein kulturelles Tabu, offen über Toiletten zu sprechen“, sagt Akasaka. Doch Toto habe einen langen Atem und wolle Schritt für Schritt expandieren. „Unser Ziel ist eher der Luxusmarkt.“ In den Vereinigten Staaten habe es auch einige Jahre gebraucht, bis Toto dort Fuß gefasst habe.

          Neben Komfort und Bequemlichkeit will Toto im Ausland auch damit werben, dass seine Produkte umweltfreundlich sind. Gerade mal 3,8 Liter Wasser verbraucht das neueste Modell mit einer Spülung, heißt es. Der jüngste Coup der Toto-Ingenieure in Kitkyushu ist eine Toilette, die sich selbst reinigt. Die Oberfläche ist dazu mit einer Zirkonbeschichtung überzogen, die unter Licht eine chemische Reaktion auslöst. Im Deckel ist eine UV-Lampe eingeschaltet, die sich nach dem Schließen einschaltet. Wenn man den Toto-Managern glauben darf, sah eine Männertoilette auch nach zehn Monaten noch sauber aus, ohne dass jemals eine Bürste verwendet werden musste.

          Toto muss im Ausland expandieren, weil der japanische Markt mit seiner alternden Bevölkerung nicht mehr wächst. Wichtigster Auslandsmarkt ist jetzt schon China mit einem Umsatz von 40,43 Milliarden Yen im vergangenen Geschäftsjahr. Dort werden in der Masse aber eher einfache Toiletten verkauft. Das sind 54 Prozent aller Auslandsumsätze, es folgen die anderen asiatischen Länder mit 19 Prozent. In Amerika wird 24 Prozent des Umsatzes erzielt. Europa liegt mit 2,66 Milliarden Yen und 3 Prozent weit abgeschlagen. „Das soll sich ändern“, erklärt Akasaka. Toto-Präsident Kunio Harimoto hat es sich zum Ziel gesetzt, Toto bis zum 100. Geburtstag zu „einem wahrhaft globalen Unternehmen“ zu machen.

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