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Lust am Einkaufen Das Manufactum-Prinzip

Ein Haushaltswaren-, Möbel-, Brot- und Käsegeschäft im Opernturm hat den Frankfurtern die Lust am Einkaufen zurückgegeben. Das Manufactum-Prinzip lautet: Nimm deine Kundschaft ernst.

© Foto Verena Müller Vergrößern Bei Manufactum in Frankfurt stehen Kunden andächtig vor Waren, die so oder ähnlich schon ihre Eltern gesehen haben

Das ist eben der Unterschied. Wer dieser Tage in Frankfurt zugibt, er sei noch immer nicht in „My Zeil“ gewesen, kommt glimpflich davon. Wer immer noch nicht bei Manufactum war, muss sich erklären. Dabei ist das Einkaufszentrum an der Zeil schon ein Jahr geöffnet, das Fachgeschäft im Opernturm aber erst ein paar Wochen. Manufactum ist Stadtgespräch. Sie haben auch gutes Brot! An diesem Satz erkennt man in Frankfurt gegenwärtig den, der auf der Höhe der Zeit ist.

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Manufactum ist Kult, seit Jahren. 1988 erschien der erste Katalog des Versandhauses aus dem Städtchen Waltrop im nördlichen Ruhrgebiet. Das erste Fachgeschäft nach einem Ladenlokal am Stammsitz eröffnete 2001 in München, das in Frankfurt ist das siebte. Der Slogan „Es gibt sie noch, die guten Dinge“ wurde zum geflügelten Wort, der Katalog zum Lesestoff. Manufactum ist gerade so viel Kapitalismus, wie selbst Feuilletonisten ertragen. „Hier wurde die schwarz-grüne Koalition vorbereitet“, schwärmte die „tageszeitung“ 2008 mit Verweis auf das neue Hamburger Bündnis. Die „Welt“ meinte bei der Suche nach der deutschen Bürgerlichkeit ausgerechnet bei einer Bücher-Bürste von Manufactum fündig zu werden. Denn ein Bürger sei ein Mensch, der seine Bücher bürste, ergab heftiges Grübeln bei dem Springer-Blatt. Und „sind wir nicht alle ein bisschen manufactum?“, fragte gelegentlich die „Süddeutsche Zeitung“ in einer sonst tiefschürfenden Analyse des deutschen Mittelstands.

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Alle? Das würde ihnen natürlich so passen in der Unternehmenszentrale in Waltrop, die stilecht in schicken alten Zechengebäuden untergebracht ist. Augenblicklich ist dort die Freude über den guten Start der Frankfurter Filiale groß. Doch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ruhm des Versandhauses seine wirtschaftliche Bedeutung bei weitem übersteigt. Über den Jahresumsatz verlautet nichts, aber Geschäftsführer Manfred Ritter lässt doch zumindest erkennen, dass die 100 Millionen Euro, von denen gelegentlich zu lesen war, allenfalls ein fernes Ziel seien. Und selbst wenn die Marke erreicht würde - der gesamte deutsche Versandhandel kommt auf 29 Milliarden. Immerhin verrät Ritter, dass der Umsatz bisher in jedem Jahr gestiegen sei, also auch in der Krise 2009.

Manufactum © dpa Vergrößern Auch Badewannen wie Annodazumal bietet Manufactum an

Produktpalette auf Kleidung, Möbel und Lebensmittel ausgeweitet

Das von dem Buchhändler Thomas Hoof gegründete Unternehmen gehört seit 2008 vollständig zur Hamburger Otto-Gruppe. In deren Portfolio, das von dem gleichnamigen Versandhaus und Ketten wie Sport Scheck, Bonprix und Zara geprägt ist, stellt die Manufactum GmbH & Co. KG mit ihren inzwischen an die 400 Mitarbeitern sicherlich eine Perle dar, mit der der Konzern noch einiges vorhat; außer vom Ausbau des Filialgeschäfts war bei der Übernahme auch von einer Internationalisierung die Rede. Ohnedies wurde die Produktpalette längst auf Kleidung, Möbel und Lebensmittel ausgeweitet. Auf Backwaren und Käse spezialisierte Geschäfte firmieren als Brot & Butter. Der vergebliche Versuch 2004, eine solche Filiale am Merianplatz in Frankfurt zu etablieren, zeigt, dass auch diesem Unternehmen nicht alles gelingt. Nun ist Brot & Butter Teil der Manufactum-Filiale im Opernturm.

Die Erwähnungen von Manufactum im Otto-Geschäftsbericht sind ebenso kurz wie erfreulich, doch über den Gewinn erfährt man nichts. Auch Geschäftsführer Ritter schweigt zu Branchenberichten, wonach die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern bei beachtlichen acht bis zehn Prozent liegen soll. Fürs Geldverdienen bestehen nun allerdings beste Voraussetzungen. Manufactum setzt sich von großen Teilen des Einzelhandels dadurch ab, dass es seine Kunden ernst nimmt.

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