26.03.2010 · Weil sie mit ihren Diensthandys auch privat telefoniert haben, stellt ihnen ihr Arbeitgeber LSG Sky Chefs den Stuhl vor die Tür. Manche der geschassten Mitarbeiter der Lufthansa-Tochter sind 30 Jahre im Betrieb.
Von Jochen RemmertDer Schock ist den drei Männern tief in die Gesichter geschrieben. Der eine ist fast 25 Jahre bei der Lufthansa-Catering Tochter LSG Sky Chefs beschäftigt, der zweite 16, der dritte fast 15 Jahre. Genauer gesagt, sie waren so lange Zeit bei LSG Sky Chefs angestellt. Denn ihnen ist gekündigt worden, fristlos.
Den Dreien, Familienväter, Häuslebauer, ist zum Verhängnis geworden, dass sie ihr Diensthandy auch privat genutzt haben. Bei LSG Sky Chefs ist das nur gestattet, wenn sich die Mitarbeiter vom Dienstmodus ab- und mit einer zweiten PIN-Nummer im Privatmodus wieder anmelden. Die drei Arbeiter, die ihre Namen lieber nicht nicht veröffentlicht sehen wollen, geben im Gespräch ohne Umschweife zu, dass sie diese Regel nicht strikt beachtet haben. „Wenn man schnell vom Vorfeld aus daheim anruft, um zu sagen, wann man rauskommt, meldet man sich nicht erst ab und dann wieder an“, sagt einer. Seine Kollegen und er hätten geglaubt, für die Handys gelte eine Flatrate, eine Pauschale. Eine Unternehmenssprecherin gab zu dieser Frage keine Auskunft, sondern bekräftigte die Verpflichtung, Privatgespräche nur im Privatmodus zu führen.
Auch Schwerbehinderten soll gekündigt werden
So wie den drei Männern ist es 13 weiteren der 450 Beschäftigten in der Transportabteilung ergangen, darunter zwei, die seit 32 Jahren im Unternehmen arbeiten, wie der Betriebsratsvorsitzende Frank Hartstein sagte. Zudem lägen für vier Schwerbehinderte dem Integrationsamt Anträge auf Kündigung vor.
Bei LSG Sky Chefs war auch über die Höhe der Kosten und die Zahl der geplanten Kündigungen keine Auskunft zu bekommen. Hartstein beziffert die Kosten, je nach Fall, auf monatlich 12,50 bis 20 Euro. In einem Fall sind allerdings mehr als 80 Euro im Monat innerhalb von zwei Jahren angefallen. „Da sind Dinge gelaufen, die nicht hätten passieren dürfen“, gibt Gerold Schaub, Fachbereichleiter bei Verdi in Hessen, zu. Fristlos zu kündigen, sei aber nicht verhältnismäßig. Bislang wurden 33 Mitarbeiter in dieser Sache vom Dienst suspendiert, heißt es weiter aus dem Betriebsrat, der den Kündigungen schon widersprochen hat.
In einem der Rhein-Main-Zeitung vorliegenden Schreiben der Betriebs- und der Personalleitung von Anfang März wird die Belegschaft darüber informiert, dass man bei der Vorbereitung einer Revision auf Unregelmäßigkeiten bei den Diensthandys in der Transportabteilung 2008 und 2009 gestoßen sei. Sie seien im Dienstmodus privat und „in erheblichen Umfang“ genutzt worden. Nach Gesprächen mit den Betroffenen sei man in einigen Fällen zu dem Ergebnis gekommen, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich sei. Zahlen wurden auch hier nicht genannt.
Diensthandy vielfach nicht im Dienst
Mit Diensthandys sind die Mitarbeiter der Transportgruppe ausgestattet, die Essen und Getränke für die Passagiere mit Hubwagen an Flugzeuge transportieren, weil sie oft in rascher Folge von einem Auftrag zum nächsten dirigiert werden müssen. Wie die Vorfeldarbeiter des Flughafenbetreibers Fraport gehören sie zu den Leuten, die am Boden oft die Zeit wieder einarbeiten müssen, die in der Luft etwa durch Warteschleifen verloren gegangen ist. Via Diensthandy werden zudem auch in der Freizeit Änderungen in den Einsatzplänen übermittelt. Die Mitarbeiter sollen auf diese Weise immer erreichbar sein, wie Betriebsratschef Hartstein sagt. Im Dienst dürfen die LSG-Beschäftigten in etlichen Bereichen des Betriebes keine eigenen Handys mitführen, ist einer Dienstanweisung zu entnehmen. Auch im zweiten Frankfurter Betrieb der Lufthansa-Tochter, die in Rhein-Main 3700, in Deutschland 8000 und weltweit 30.000 Mitarbeiter zählt, gibt es Diensthandys. Bei diesen gibt es aber nach Angaben von Beschäftigten keine Möglichkeit in den Privatmodus zu wechseln, es sind nur Dienstgespräche erlaubt.
Privatgespräche mit Diensttelefonen sind immer heikel. So hat das Landesarbeitsgericht Hessen die fristlose Kündigung eines Außendienstlers bestätigt, der das Diensthandy auch privat genutzt hatte. Das war ihm zwar gestattet, der Mann verursachte aber rund 380 Euro Telefonkosten im Monat, was dem Arbeitgeber nach vier Monaten aufgefallen war. Auf die Frage, warum die Fehlnutzung in ihrem Haus erst nach gut zwei Jahren auf gefallen sei, antwortete die Sprecherin, man kontrolliere die Mitarbeiter eben nicht.
Leiharbeiter im Einsatz, als Ersatz
Für die suspendierten und gekündigten Mitarbeiter sind inzwischen Leiharbeiter im Einsatz, wie der Betriebsrat mitteilte. Die Lufthansa-Tochter, die im Krisenjahr 2009 um knapp zehn Prozent auf gut 2,1 Milliarden Euro Umsatz zurückfiel, beabsichtige, eine eigene Zeitarbeitsfirma zu gründen. Ziel sei es, Lohn- und Gehaltstarife durchzusetzen, die deutlich unter dem im Unternehmen noch geltenden Konzerntarifvertrag lägen. Vor allem für langjährige Mitarbeiter ist der komfortabel, auch deshalb, weil er betriebsbedingte Kündigung für alle ausschließt, die länger als 15 Jahre dabei sind. Die LSG-Sprecherin widersprach auf Nachfrage aber der Vermutung aus dem Betriebsrat, dass es einen Zusammenhang zwischen den nun ausgesprochen Kündigungen und dem Wunsch gebe, Kosten zu senken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 9.001,02 | +0,60% |
| EUR/USD | 1,3239 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,24 $ | +0,29% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |