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Deutsche Fluglinie expandiert : Die Lufthansa greift nun auch nach Alitalia

Wird Alitalia der der nächste Coup des Lufthansa-Chefs Carsten Spohr? Bild: dpa

Gerade erst hat die Lufthansa den Zuschlag für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin bekommen. Jetzt hat sie den nächsten Problemfall im Blick – obwohl sie zunächst davon gar nichts wissen wollte. Denn es hat sich etwas geändert.

          Für Alitalia schlägt in diesen Tagen die Stunde der Wahrheit. Ähnlich wie zuvor beim deutschen Pendant Air Berlin muss jetzt auch für die notleidende Fluggesellschaft in Italien eine Antwort auf die Frage gefunden werde, ob und – wenn ja – welche Teile des Flugbetriebs überlebensfähig sind. Immerhin steht fest: Nach mehreren gescheiterten Rettungsversuchen diverser Eigentümer gilt das einstige Vorzeigeunternehmen des Landes als Ganzes als unsanierbar.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Heute Abend endet die Frist für Interessenten, um verwertbare Geschäftseinheiten von Alitalia zu übernehmen. In den vergangenen Monaten hatten bis zu 32 Unternehmen aus der Luftfahrt und anderen Branchen unverbindliches Interesse am prominenten Sanierungsfall bekundet. Doch nach genauerer Analyse der Unternehmensdaten sahen das Gros von einer verbindlichen Offerte ab.

          Auch die Deutsche Lufthansa ließ den siechen Rivalen in Italien lange Zeit links liegen. Unter anderem auch deshalb, weil die Lufthanseaten die für die dortige Belegschaft schmerzlichen Aufräumarbeiten scheuten. Inzwischen haben sich aber wichtige Voraussetzungen für die überfällige Sanierung des ehemaligen Staatskonzerns geändert. Danach sind die von der Regierung in Rom eingesetzten Zwangsverwalter angeblich zur Abgabe von einzelnen Geschäftseinheiten bereit, um den zähen Prozess der Abwicklung zu beschleunigen, berichten Kenner von Alitalia.

          Harter Preiskampf

          Angesichts solcher Aussichten wittert der deutsche Platzhirsch die Gunst der Stunde. Um in dem für sie zweitwichtigsten Auslandsmarkt stärker Fuß zu fassen hat die Lufthansa nach einem Bericht der Zeitung „Corriere della Serra“ für ausgewählte Teile des Konzerns die stolze Summe von 500 Millionen Euro geboten. Allerdings werde die Verwertung der profitablen Restposten von Alitalia im Gegenzug zum Abbau von 6.000 der mehr als 11.000 Mitarbeiter sowie zur Streichung des über Jahre verlustreichen Kurz- und Mittelstreckennetzes führen, berichtet die Zeitung weiter.

          Die Lufthansa bestätigte mittlerweile, dass sie ein Konzept für eine neu ausgerichtete Alitalia eingereicht hat. Lufthansas Vorstandschef Carsten Spohr hatte zuvor jedoch sein Interesse an einer Expansion in Italien signalisiert. Dort machten Alitalia vor allem die Preisbrecher Ryanair und Easyjet das Leben schwer, indem sie über ruinöse Preiskämpfe immer mehr Kunden und Marktanteile abjagten.

          Nicht der einzige Kauf der Lufthansa

          Für die Lufthansa sei ein Kauf von Alitalia in der aktuellen Verfassung zwar kein Thema, machte Spohr in einem Interview unmissverständlich klar. Aber wenn Alitalia strategisch neu aufgestellt und im Zuge eines radikalen Umbaus von der Bürde seiner vielen (finanziellen) Altlasten befreit ist, könnte die Übernahme von Geschäftsteilen laut Spohr durchaus erwogen werden.

          Was die rasche Integration von ehemaligen Konkurrenten angeht, sammelte der Lufthansa-Konzern binnen Kürze viel Erfahrung: Zum einen wurden von Europas größter Fluggesellschaft in jüngster Vergangenheit die Swiss und die österreichische AUA übernommen.

          Zudem wurden Teile des Flugbetriebs von Brussels sowie 38 Flugzeuge von dem insolventen Rivalen Air Berlin auf die frisch formierte Billigflug-Plattform Eurowings übertragen. Auch wenn in den kommenden Monaten weitere Betriebsteile von Air Berlin in die Regie der Lufthansa übergehen, sieht sich Spohr – von den Kapazitäten seines Managements her – für weitere Zukäufe in der Branche durchaus gerüstet.

          Um Teile des maroden Unternehmens verkaufsfähig zu machen, sorgten die staatlichen Zwangsverwalter für frisches Geld von der Regierung und eine verlängerte Überlebensfrist. Schon am vergangenen Freitag beschloss das Kabinett in Rom, die Laufzeit des Brückenkredits von rund 600 Millionen Euro für die insolvente Gesellschaft von November in diesem Jahr auf September 2018 zu verschieben. Auch die Frist für den endgültigen Abschluss des Verkaufsprozesses wurde verschoben: Danach soll Ende April 2018 alles unter Dach und Fach sein. Und damit nicht genug. Um den Flugbetrieb bis zum kommenden Frühjahr aufrecht zu erhalten, erhält Alitalia einen zusätzlichen Kredit von 300 Millionen Euro.

          Die abermalige Staatshilfe stieß in der italienischen Öffentlichkeit auf heftige Kritik. Das Leben des siechen Unternehmens werde nur deshalb künstlich verlängert, um vor den anstehenden Parlamentswahlen im Frühjahr keinen Störfall in der nationalen Wirtschaft zu provozieren.

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