Home
http://www.faz.net/-gqe-773ci
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Lufthansa-Chef Franz „Wir müssen die Ergebniserosion beenden“

Trotz eines Milliardengewinns beschert das Passagiergeschäft Verluste. Konzernlenker Christoph Franz drückt beim Sparprogramm Score aufs Tempo, um die hohen Investitionen in die Flotte stemmen zu können.

© Lüdecke, Matthias Vergrößern Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz will die Kosten senken

Herr Franz, Sie haben den Mitarbeitern in Köln die Hiobsbotschaft am Mittwoch vor Ort verkündet. Ist die Schließung der Kölner Hauptverwaltung eine Zäsur für die Lufthansa?

Natürlich ist der Abschied von Köln, wo die Lufthansa lange verwurzelt war, ein symbolträchtiges und hochemotionales Thema. Die Entscheidung zur Schließung der Standorte Köln und Norderstedt ist dem Vorstand nicht leichtgefallen. Aber aus wirtschaftlichen Gründen führt hieran kein Weg vorbei. Mir und meinen Vorstandskollegen war es wichtig, den betroffenen Mitarbeitern diese Nachrichten persönlich vor Ort zu überbringen.

Wandert damit der juristische Konzernsitz automatisch nach Frankfurt, wo längst auch der Schwerpunkt des operativen Geschäfts gesteuert wird?

Nein. Darüber haben wir noch nicht entschieden. Wir haben zunächst nur angekündigt, dass die Kölner Hauptverwaltung mit ihren 365 Arbeitsplätzen bis 2017 geschlossen werden soll. Derselbe Zeitraum gilt im Übrigen auch für den Standort Norderstedt mit etwa 350 Stellen. Ob und wenn ja, wohin danach der juristische Firmensitz verlagert wird, werden wir später entscheiden.

Den Lufthanseaten dürfte wohl schwer zu vermitteln sein, dass eine neue Hauptverwaltung an einem neuen Standort errichtet wird.

Wir müssen viele schwierige und einschneidende Entscheidungen treffen. Der Grund ist, dass wir zu teuer wirtschaften. Unser Kernbereich, die Fluggesellschaften der Lufthansa, verdient nicht genug Geld, um den Kauf neuer Flugzeuge aus eigener Kraft zu finanzieren. Deswegen haben wir das Zukunftsprogramm Score ins Leben gerufen. Score macht die Lufthansa stark. Diese Stärke brauchen wir, um die sich verändernde Branche aktiv mitgestalten zu können. Score besteht heute aus mehr als 2500 Einzelprojekten.

Mehr zum Thema

Um die Effizienz im Lufthansa-Konzern zu steigern, soll sich das operative Ergebnis bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro gegenüber 2011 verbessern. Obwohl fast ein Drittel dieser 2500 Einzelprojekte schon umgesetzt sind, haben sich die Zahlen 2012 nicht verbessert. Wo müssen Sie konkret nachsteuern?

Unsere Vorgaben sind nicht starr, weil sich auch unser Umfeld ändert und die Kosten sich laufend erhöhen. Dabei ist der Anstieg der Kerosinpreise ebenso zu nennen wie die Sonderlasten, die am Standort Deutschland entstehen: die deutsche Luftverkehrsabgabe, die von der EU einseitig auf Flügen innerhalb der EU erhobene Emissionsabgabe auf CO2 oder die wirtschaftlichen Folgen eines Nachtflugverbotes bei uns in Frankfurt.

Diese Zusatzkosten müssen im Tagesgeschäft kompensiert werden. Darüber hinaus gilt es, das Kundenerlebnis und auch damit letztlich die Wettbewerbsfähigkeit im Passagiergeschäft, unserem Kernbereich, durch Investitionen in unser Produkt und in modernes Fluggerät kontinuierlich zu verbessern.

Ohne den Verkauf von Tafelsilber hätte ein dramatischer Ergebniseinbruch vermeldet werden müssen.

Das stimmt leider. Ohne den Verkauf eines Teiles unserer Beteiligung an Amadeus wäre es nicht gelungen, für 2012 einen Konzerngewinn von 990 Millionen Euro auszuweisen. 2011 stand dort noch ein Verlust von 13 Millionen Euro zu Buche. Auf solche Sondereffekte können wir nicht bauen. Wir müssen vielmehr die strukturellen Ursachen für unsere Ergebniserosion beseitigen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach Germanwings-Absturz Lufthansa-Chef will Überraschungs-Checks für Piloten

Der Absturz der Germanwings-Maschine in den Alpen hat die Lufthansa verändert – und geeint. Für die Hinterbliebenen des Unglücks will man alles tun, sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr im Gespräch mit der F.A.Z.: Piloten werden wohl unangekündigte Gesundheits-Checks erleben. Mehr Von Ulrich Friese, Carsten Knop

22.05.2015, 09:41 Uhr | Wirtschaft
Turbinenbrand Turkish-Airlines-Maschine muss notlanden

Ein Flugzeug von Turkish Airlines hat kurz nach dem Start in Istanbul wegen eines Turbinenbrands notlanden müssen. Bereits kurz nach dem Start dreht die Maschine um und setzt zu der spektakulären Notlandung an. Besatzung und Passagiere kommen mit dem Schrecken davon. Mehr

26.04.2015, 10:36 Uhr | Gesellschaft
Sun Express Schwarze Kasse bei Lufthansa-Beteiligung

Sun Express, ein Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines, soll jahrelang eine schwarze Kasse geführt haben. Laut Lufthansa hat Sun Express bereits reagiert. Mehr

15.05.2015, 15:49 Uhr | Wirtschaft
Flugzeugabsturz Einige Airbus-Besatzungen treten ihren Dienst nicht an

Trauer in Köln bei der Fluggesellschaft Germanwings: Am Dienstagabend versammeln sich Mitarbeiter der Airline, die eine Tochter des Konzerns Lufthansa ist, um gemeinsam ihrer Kolleginnen und Kollegen sowie der Passagiere von Flug Germanwings 4U 9525 zu gedenken. Mehr

27.03.2015, 14:23 Uhr | Gesellschaft
Andrea Illy im Interview Ein Espresso ist eine spirituelle Erfahrung

Andrea Illy führt ein Kaffee-Imperium, von Milchkaffee und Cappuccino will er aber nichts wissen – ihm geht es um den Espresso als Lebenselexier. Ein Gespräch über Kaffee-Traditionen, den Kapsel-Trend und das Glück, das ein guter Espresso bedeutet. Mehr Von Alfons Kaiser und Bernd Steinle

17.05.2015, 11:23 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.02.2013, 08:31 Uhr

Finger weg von der Zeitarbeit

Von Sven Astheimer

Die große Koalition will der Zeitarbeit demnächst engere Grenzen stecken. Die Unternehmen sorgen sich. Denn wenn Arbeitsministerin Nahles auch diesmal den Gewerkschaften folgt, drohen absurde Folgen. Mehr 9 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --