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Schnell zum Flieger : Flughafen-Sicherheitscheck in höchstens 15 Minuten – ist das möglich?

Das Handgepäck von Passagieren wird im Sicherheitsbereich vom Flughafen Tegel bei einer Gepäckkontrolle kontrolliert. Bild: Picture-Alliance

Brüssel, London, Washington – überall kommen Fluggäste schneller durch als hierzulande. Die deutsche Luftfahrtbranche will jetzt für schnelle Kontrollen sorgen.

          Nicht nur die Passagiere, auch die Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber sind angesichts der zeitraubenden Warteschlangen vor den Sicherheitskontrollen mit ihrer Geduld am Ende. „Es gibt Situationen, in denen sie den Flieger verpassen, weil sie nicht schnell genug durchkommen“, klagt Klaus-Dieter Scheurle, seit kurzem Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, im Gespräch mit der F.A.Z..

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Heutzutage wisse man nicht, ob man nicht 50 Minuten bei der Sicherheitskontrolle stehe. „Ob Brüssel, London oder selbst Washington – es läuft überall besser. Dort kann die Zahl der durchzuschleusenden Passagiere doppelt so hoch sein, es funktioniert. Wir müssen dieses Niveau erreichen“, fordert er im Namen der Branche. Die Personenkontrolle müsse auf höchstem Sicherheitsniveau deutlich effizienter und kundenfreundlicher werden. „Der Passagier sollte in der Regel nicht länger als 15 Minuten warten müssen, bis er durchgeschleust ist.“

          Scheurle arbeitet seit 2001 in Frankfurt. „Ich kann mich erinnern, dass man früher vom Messeturm eine Stunde vor Abflug losgefahren und nach 20 Minuten dort gewesen ist“, erzählt er. „Dann hatte man 40 Minuten bis zum Abflug. Man ist in der Zeit dann zügig durch die Sicherheitskontrolle und rechtzeitig zum Flugzeug gekommen.“ Der Jurist ist weiterhin im Hauptberuf Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Flugsicherung. Der frühere Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium berichtet, wie er sich selbst als Passagier ärgert, weil er nicht planen kann: „Manchmal kommst du in Frankfurt in 5 Minuten durch, manchmal brauchst du 50 Minuten.“ Die Personenkontrolle funktioniere gut bei wenig Andrang. „Aber das Problem ist da, wenn es ein bisschen Andrang ist.“

          Vom Ausland lernen

          Der 63 Jahre alte Schwabe weiß, dass es auch anders geht: „Neulich war ich in Edinburgh, die ganz Halle schwarz von Menschen. Da dachte ich, das wird jetzt sehr viel Zeit benötigen. Aber in 12 Minuten war ich durch.“ Wie die das machen? „Unter anderem dadurch, dass sie die Leute vor den Bändern präzise einweisen und gleichzeitig mehreren Passagieren ermöglichen, ihr Gepäck auf die Kontrollspur zur legen.“

          Beamte der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt am Main zwischen Passagieren an der Sicherheitskontrolle.

          Vom Ausland lernen, heißt nach seinen Worten umzudenken. „Wir sehen, wie es im Ausland läuft, wir können es genauso gut hier machen.“ Das sei sogar in Pilotprojekten geprobt worden, die man etwa in Köln gemeinsam mit der Bundespolizei durchgeführt habe. Heute suche die Bundespolizei den privaten Dienstleister aus, wähle die Technik, bestimme den Ablauf der Kontrolle. „Das würden gerne die Flughäfen, die sich zutrauen, das besser zu machen, selbst übernehmen. Und dann unter Beteiligung der Fluggesellschaften, die auch ein hohes Interesse an Sicherheit und Effizienz haben.“ Warum es dann laufen soll, was heute nicht geht? „Wir sind nicht an Formalien gefesselt, an die die Bundespolizei gebunden ist, etwa bei der Beschaffung“, argumentiert er.

          Wie Scheurle berichtet, zahlen die Fluggesellschaften für die Sicherheitskontrollen der Passagiere an den Flughäfen derzeit rund 750 Millionen Euro im Jahr an den Staat. „Wir reden hier also über keine kleinen Summen.“ Rund die Hälfte davon finanzieren nach seinen Angaben die vier deutschen Unternehmen Lufthansa, Tui, Condor und Germania, während sich der Rest auf mehr als hundert andere Airlines verteilt.

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