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Luftfahrtbranche Boeing erwartet Geschäftsauftrieb ab 2010

15.06.2009 ·  Der amerikanische Flugzeughersteller Boeing demonstriert Optimismus auf der Luftfahrtschau in Le Bourget. Doch der erste Großauftrag geht an den Rivalen Airbus. Die Branchenkrise verschont indes niemanden.

Von Christian Schubert, Le Bourget
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Boeing zeigt sich optimistischer als Airbus in der aktuellen Luftfahrtkrise. Er erkenne einige Anzeichen einer Bodenbildung im aktuellen Nachfragerückgang, sagte Scott Carson, der Chef der Boeing-Luftfahrtsparte, auf der Luftfahrtschau in Le Bourget. „Wir haben den Eindruck, dass die wirtschaftlichen Bedingungen ihren Tiefpunkt erreicht haben“, sagte er, „wobei wir aus guten Gründen hoffen, dass die Erholung ab kommendem Jahr beginnt.“

Danach könnte das Wachstum sowohl für Passagier- wie auch für Frachtflugzeuge bereits Mitte 2010 zurückkehren. Von der zweiten Hälfte des kommenden Jahres an erwartet Carson normalere Kreditbedingungen für die Fluggesellschaften.

Von Auftragsreigen weit entfernt

Der europäische Rivale des amerikanischen Flugzeugherstellers sieht das anders. Laut Airbus-Chef Tom Enders ist nicht abzusehen, wie lange die Krise daure, auch wenn er am Montag Anzeichen einer Wende für 2010 nicht abstritt. Dazu gehörte der erste größere Auftrag auf der Luftfahrtschau für den Flugzeughersteller aus Toulouse. Qatar Airways kündigte den Kauf von 24 Airbus-Mittelstreckenflugzeugen der Klasse 320/321 an. Die feste Bestellung im Wert von 1,9 Milliarden Euro auf Basis von Listenpreisen schließt vier Maschinen ein, die Qatar bislang nur als Option reserviert hatte. „Die Bestellung zeigt, dass die Lage im Mittleren Osten nicht so schlecht ist wie anderswo“, sagte Enders. Die Triebwerkshersteller General Electric und Pratt & Whitney hoffen auf einen Großauftrag von Etihad Airways, der staatlichen Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate. In Le Bourget wurde der Bestellwert auf rund 6,7 Milliarden Dollar taxiert.

Von einem Auftragsreigen wie in den Vorjahren ist die Luftfahrtschau freilich weit entfernt. Die Hersteller sind schon froh, wenn die Fluglinien ihre abgeschlossenen Verträge honorieren. Nicht wenige haben Schwierigkeiten, ihre bestellten Flugzeuge entgegenzunehmen, denn bei der Auslieferung ist der Großteil der Bezahlung fällig. Angesichts knapper Kassen bei manchen Fluglinien sagten Airbus und Boeing zu, bei der Finanzierung von Flugzeugkäufen zu helfen - ein Engagement, das in den vergangenen Jahren auf einen Tiefpunkt gefallen war. Zudem setzen die beiden Hersteller auf Ausfuhrbürgschaften der Regierungen, die den Abnehmern die Finanzierung erleichtern sollen.

Zeiten voller Herausforderungen

Die Export-Import Bank der Vereinigten Staaten „leistet hervorragende Arbeit“, sagte Carson. Airbus-Chef Enders berichtete zum Auftakt der Branchenmesse, dass in diesem Jahr 40 Prozent der Auslieferungen unter Mithilfe der Exportkreditagenturen zustande kämen. In wirtschaftlich normalen Zeiten ist es nur etwa die Hälfte.

Neben der Auftragssicherung müssen sich die Hersteller weiterhin um die korrekte Erfüllung der Verträge bemühen. Hier haben sowohl Airbus als auch Boeing mit ihren ambitionierten Neuentwicklungen enttäuscht. So konnte Boeing-Manager Carson auch am gestrigen Montag nicht mit der Nachricht aufwarten, dass das neuentwickelte Langstreckenflugzeug „B 787“ noch während der französischen Luftfahrtschau in den Vereinigten Staaten zum Erstflug abheben würde. Mit einem solchen Coup hätte der Hersteller aus Chicago dem Rivalen einen Teil seines Marketingvorteils genommen, den Airbus in Le Bourget traditionell genießt.

Doch Carson bestätigte lediglich, dass der sogenannte „Dreamliner“ noch vor Ende Juni abheben werde. Boeings Vorzeige-Jet litt bislang unter Problemen in der Produktion, die vor allem aus der weitreichenden Auslagerung von Arbeiten an Zulieferer in der ganzen Welt, etwa nach Japan, entstanden sind. „Wir leben in Zeiten voller Herausforderungen“, sagte Carson mit Bezug auf die internen Verzögerungen. Gegenüber der ursprünglichen Planung hat sich die Fertigstellung des „Dreamliner“ um rund zwei Jahre verspätet. Carson bestätigte in Le Bourget zudem, dass der neue Langstreckenflieger ab dem ersten Quartal 2010 an Kunden ausgeliefert werde.

Streit über die Subventionsfrage

Die Lancierung von gänzlichen Neuentwicklungen gerät in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs indes in den Hintergrund. Das will zwar kein Hersteller zugeben, doch die Auflage von teuren Nachfolgeprogrammen ist derzeit unwahrscheinlich. Boeing gab am Montag bekannt, dass die seit 1968 geflogene und immer wieder modernisierte Kurz- und Mittelstreckenmaschine „737“ in den kommenden Jahren abermals leicht überarbeitet werde, um noch weniger Sprit zu verbrauchen. Beim Langstreckenflugzeug „777“ denke man über eine Ausstattung mit neuen Flügeln nach. Die jüngste Version des seit Jahrzehnten eingesetzten Großraumjets „747“ werde erstmals in diesem Jahr fliegen. Als Frachtversion werde sie im dritten Quartal 2010 an den ersten Kunden geliefert. In der Passagierversion, wo sie dem „A 380“ Konkurrenz machen soll, wird die neue „747“ im vierten Quartal 2011 der ersten Fluggesellschaft übergeben, kündigte Carson an.

Bei der Entwicklung neuer Modelle gewinnt wieder die Frage an Brisanz, wie stark die Regierungen die neuen Modelle mit Subventionen unterstützen. Regierungsvertreter aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien erklärten ihre grundsätzliche Bereitschaft, Airbus Entwicklungskredite zu geben. Airbus hofft für sein Langstreckenflugzeug „350“, das 2013 in Betrieb gehen soll, so wie in der Vergangenheit auf eine staatliche, zurückzuerstattende Hilfe von knapp einem Drittel der Entwicklungskosten. In Le Bourget wurde über eine Anfrage von rund 3,6 Milliarden Euro spekuliert. Airbus verlangt die Subventionen mit der Begründung, dass der Boeing-Flieger „787“ stark subventioniert sei, nicht zuletzt durch Forschungshilfen des Pentagon und der Nasa. Seit 2007 streiten die Europäische Union und die amerikanische Regierung über die Subventionsfrage.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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