31.10.2006 · Die arabische Fluggesellschaft Emirates hat 20 Airbus-Maschinen vom Typ A340 abbestellt. Die schlechten Nachrichten treffen in eine Zeit der schwierigen Investorensuche für den Mutterkonzern EADS. Am Freitag trifft sich Angela Merkel zum Krisengipfel mit der EADS-Führung.
Die schlechten Nachrichten für die EADS-Tochter Airbus reißen nicht ab: Die arabische Fluggesellschaft Emirates hat 20 Maschinen vom Typ A340 abbestellt. Das erklärte eine Sprecherin der Fluggesellschaft in Dubai gegenüber der F.A.Z.. Zehn der stornierten Flugzeuge waren fest bestellt. Tim Clark, der CEO von Emirates, hatte sich wiederholt kritisch über die hohen Betriebskosten des A340 geäußert. Als Alternative zum A340 will Emirates auf das Modell 777 von Boeing ausweichen. Emirates hatte vor einem Jahr 42 Flugzeuge des Typs B777 bestellt.
Auch beim Großraumflugzeug A380 deutet Emirates eine Absetzbewegung zugunsten von Boeing an. Mit Boeing spreche man über die Spezifikationen des 747-8, des Konkurrenzmodells zum A380, bestätigte die Sprecherin von Emirates. Bei jedem Kauf von neuem Fluggerät fänden derartige Gespräche statt, um dessen Möglichkeiten auf den Bedarf der eigenen Flugzeugflotte abzustimmen, spielte sie die Kontakte herunter. Die britische Presse hatte am Wochenende unter Berufung auf Clark berichtet, Emirates interessiere sich für 20 bis 30 Flugzeuge des Typs 747-8, das voraussichtlich 2009 geliefert werde, aber in einer Sonderversion für 460 Passagiere und mit einer längeren Reichweite. Das Modell 747 ist das größte von Boeing produzierte Flugzeug. Aufgrund der bereits dreimal verschobenen Auslieferung des A380 sieht sich Emirates offenbar nach Alternativen um.
Nach wie vor größter Kunde
Emirates will in den kommenden Jahren seine Flugzeugflotte auf über 200 mehr als verdoppeln. Mit 45 Bestellungen des A380 ist Emirates nach wie vor der größte Kunde von Airbus. Zwei der 45 sind Frachtflugzeuge, zwei weitere will Emirates von ILFC leasen. Den ersten A380 mit 555 Sitzplätzen wollte Airbus in diesem Oktober an Emirates ausliefern. Der Termin ist nun um knapp zwei Jahre verschoben.
Scheich Ahmad Bin Saeed Al Maktoum, der Vorstandsvorsitzende von Emirates, hatte im September gegenüber der F.A.Z. erklärt, lediglich die Verzögerungen bei der Auslieferung des A380 bremsten das Wachstum der Fluggesellschaft. Um die Verläßlichkeit der neuen Auslieferungsdaten von Airbus zu verifizieren, schicke Emirates nun eigene Ingenieure an die Werke in Deutschland und Frankreich, erklärte Clark. An einer Stornierung des Auftrags sei Emirates aber nicht interessiert, hatte er noch vor zwei Wochen gesagt. Denn für den A380 habe Emirates bereits viel in die Einrichtungen am Boden investiert. Stornierungen schloß Clark jedoch nicht aus.
Schwierige Investorensuche
Unterdessen berichtete die Financial Times Deutschland (FTD), die Suche von Bundeskanzlerin Angela Merkel nach deutschen Investoren bei dem angeschlagenen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS drohe zu scheitern. Mehrere große Banken und die Allianz hätten nur sehr geringes Interesse an einem Einstieg bei EADS signalisiert. Dabei soll sich Merkel unter anderem auch persönlich an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gewandt haben, berichtet die Zeitung. Daimler-Chrysler hatte angekündigt, seine Beteiligung an EADS zu reduzieren - die Regierung will jedoch das Gleichgewicht zwischen deutschen und französischen Großaktionären erhalten.
Ein Direkteinstieg von Banken beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ist allerdings nach Angaben eines Regierungssprechers derzeit kein Thema. „Aktuell ist es kein Gegenstand der Gespräche“, sagte der Sprecher am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. „Die Meldung der Financial Times Deutschland, wonach mehrere deutsche Banken einen Einstieg bei EADS abgelehnt hätten, trifft nicht zu“, sagte der Regierungssprecher weiter. Die Gespräche zu EADS dauerten weiterhin und „in unverändert konstruktiver Atmosphäre“ an. In ihrem Bericht beziehe sich die FTD auf ein Modell, das nicht Gegenstand der Gespräche sei.
Bislang nur Commerzbank offen für Einstieg
Schon jetzt sei die deutsche Seite im Hintertreffen. Hindernis für einen Einstieg deutscher Investoren sei eine Besonderheit in der EADS-Satzung: Danach hätten Anteilseigner, die nicht Gründungsaktionäre sind, praktisch kein Mitspracherecht. Zudem könnte sich ein Ausstieg schwierig gestalten, das schrecke ab, wird ein Branchenkenner zitiert.
Bislang hat sich lediglich die Commerzbank offen gegenüber einem Einstieg bei EADS gezeigt. „Ich hätte mir hier eine industrielle Lösung gewünscht, bin aber auch bereit, mich an einer anders gearteten Lösung zu beteiligen, sofern sie aus Sicht der Commerzbank konstruktiv und wirtschaftlich vertretbar ist,“ hatte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller in einem F.A.Z.-Interview erklärt.
Bundesregierung will deutschen Einfluß sichern
Am Freitag trifft sich Kanzlerin Merkel auf der Suche nach einer Lösung für die Krise mit der EADS-Unternehmensspitze. Regierungssprecher Thomas Steg sagte, die Unterredungen unter Federführung des Kanzleramts würden „mit der notwendigen Intensität“ geführt. Konkrete Ergebnisse gebe es noch nicht und seien auch Freitag nicht zu erwarten.
Laut Steg bleiben die Ziele der Bundesregierung unverändert: Es gelte, den deutschen Einfluß im EADS-Konzern zu sichern. Dabei bevorzuge die Regierung den Einstieg privater Investoren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2478 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,31 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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