13.10.2006 · Eine Beteiligung Deutschlands an EADS wäre nur vordergründig ein Grund zur Freude. Es würden zwar Arbeitsplätze gesichert, wettbewerbsfähiger würde das Unternehmen aber nicht.
Von Holger SteltznerIn der Krise muß jeder Betrieb sein Geld zusammenhalten; unnötige Ausgaben und Doppelarbeit sollten vermieden, (Personal-)Kosten gesenkt, Verlustlöcher gestopft, Arbeitsabläufe und Kundenorientierung optimiert werden. Ziel der Sanierung ist ein wettbewerbsfähiges Unternehmen, das Geld verdient und Arbeitsplätze schafft. Für die deutsch-französische Gesellschaft EADS, die mit dem Riesen-Airbus A380 in schwere Turbulenzen geraten ist, sollte ähnliches gelten.
Wollen das auch diejenigen, die den Einstieg Deutschlands bei Airbus fordern? Oder verfolgen die Anhänger einer deutschen Industriepolitik, die sich gegen Frankreich durchsetzen möge, andere Ziele als EADS, das sich weniger und nicht mehr Staatsbeteiligung wünscht, um - soweit möglich - wie ein privates Unternehmen am Markt agieren zu können?
Keine echte Sanierung
Man darf sich das Szenario einer Sanierung von Airbus ausmalen, unter Führung des Finanzministers Peer Steinbrück, der aus Hamburg kommt und die Staatsbank KfW als Aktienkäufer ins Spiel gebracht hat, und mit Hilfe des Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust, der schon den Kauf von EADS-Aktien durch den Bund verkündet und begrüßt hat. Der erste Beifall wäre den Industriepolitikern gewiß.
Eine echte Sanierung aber würde es nicht geben, weil die Politiker vor allem als Retter von Arbeitsplätzen gefeiert und von den Gewerkschaften hofiert werden wollten. Den Preis hierfür müßte die „öffentliche Hand“ entrichten, die, weil erpreßbar, ausgiebig in Anspruch genommen würde, nicht nur im Namen deutscher, sondern auch für französische Standorte.
Die Veränderungen der Eigentümerstruktur von EADS sind kein Grund für Aktienkäufe mit Steuergeldern. Die beiden industriellen Gründungsaktionäre, Daimler-Chrysler aus Deutschland (30 Prozent) und Frankreichs Medienkonzern Lagardère, haben vereinbart, ihre Anteile schrittweise zu senken. Lagardère will sein Aktienpaket in Höhe von 15 Prozent ganz verkaufen, der französische Staat seinen Anteil von ebenfalls 15 Prozent behalten.
Verkauf an der Börse wäre das Beste
Daimler-Chrysler hat bereits ein Aktienpaket von 7,5 Prozent, steuerlich begründet auf Termin, abgegeben. Eine weitere Tranche in dieser Höhe folgt noch. Doch den restlichen Anteil (15 Prozent) bezeichnet der Vorstandsvorsitzende von Daimler-Chrysler, Dieter Zetsche, als langfristig, obwohl er wegen der Verluste in Amerika von Investoren inzwischen häufiger gefragt wird, welche strategischen Ziele er mit EADS verfolgt.
Würden also die EADS-Aktien von Daimler und Lagardère - dem Wunsch des Unternehmens folgend - über die Börse verkauft, bliebe die deutsch-französische Balance gewahrt. Dann gälte auch der deutsch-französische Aktionärspakt weiter, der beiden Ländern in der Gesellschaft niederländischen Rechts die Mehrheit von 51 Prozent der Stimmrechte sichert. Warum sollte man daran etwas ändern?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2478 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,31 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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