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Luftfahrt Airbus und Boeing streiten über Subventionen

16.06.2009 ·  Die Flugzeughersteller Boeing und Airbus streiten über Subventionen: Airbus hofft auf 3,3 Milliarden Euro Anschubhilfe für den neuen Großraumjet „A350“. Boeing protestiert.

Von Christian Schubert, Le Bourget
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Der europäische Flugzeughersteller Airbus hat auf der Luftfahrtschau in Le Bourget neue Aufträge verbuchen können. Die Fluggesellschaft Air Asia bestellte zehn Langstreckenflugzeuge des Typs „A350 XWB“, der asiatische Konkurrent Vietnam Airlines orderte 16 kleinere A321 sowie zwei weitere A350. Durch die milliardenschweren Aufträge vergrößert Airbus beim Auftragseingang dieses Jahres seinen Abstand zum Erzrivalen Boeing, wobei beide Hersteller, verglichen mit den Vorjahren, unter einer ausgesprochenen Auftragsflaute leiden. Airbus-Chef Tom Enders rechnet weiter mit rund 300 Bestellungen in diesem Jahr. Er räumt aber in Le Bourget ein, dass dies eine sehr optimistische Prognose sei.

Der Hersteller aus Toulouse wertete die neuen Aufträge als Bestätigung, mit ihrem geplanten Passagierjet A350 XWB auf dem richtigen Weg zu sein. Die neue Maschine, die mit den Boeing-Modellen 787 und 777 konkurrieren soll, ist noch in der Entwicklung und soll erst 2013 auf den Markt kommen. Wie Enders sagte, sollen die Entwicklungskosten 11 Milliarden Euro betragen. 30 Prozent davon oder 3,3 Milliarden Euro erhofft sich Airbus als rückzahlbares Darlehen von den Gesellschafter-Nationen Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Airbus brauche die Hilfen, weil der amerikanische Rivale mit seiner „B 787“ das am stärksten subventionierte Flugzeug der Geschichte anbiete, sagte Enders. Die europäischen Nationen haben jedoch noch nicht zugesagt. Überraschend ist der zuständige spanische Minister am Montag nicht zu den Regierungsberatungen in Le Bourget erschienen. Dafür wurde vor allem der spanische Unmut über die Neuorganisation der Produktion des Militärfliegers A400M verantwortlich gemacht, der die Spanier ihrer eigenen Ansicht nach benachteiligt.

Deutschland soll sich mit 1,1 Milliarden Euro beteiligen

Zumindest die drei Regierungsvertreter von Frankreich, Deutschland und Großbritannien haben ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Airbus-Unterstützung zugesagt. Der bisherige Plan sieht vor, dass Frankreich 1,4 Milliarden Euro, Deutschland 1,1 Milliarden Euro, Großbritannien 500 Millionen Euro sowie Spanien 300 Millionen Euro zuschießen sollen. Die europäischen Regierungen hoffen, die Hilfen im kommenden Monat zu beschließen. Die Gelder sollen „WTO-kompatibel“ zufließen, wie Staatssekretär Peter Hintze sagte, sich also nach einem 1992 bei der WTO geschlossenen Abkommen richten. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten streiten vor der WTO jedoch über die Subventionierung ihrer jeweiligen Hersteller. Boeing protestierte in Le Bourget gegen die geplanten Hilfen für den A350. Sie verstießen gegen WTO-Regeln. Enders bestritt diese Ansicht. Er berichtete, dass Airbus seit 1992 alle Staatskredite getilgt und darüber hinaus 40 Prozent an Zinsen und Lizenzgebühren an die Staaten überwiesen habe.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung heißt es bei Airbus, dass die Krise im kommenden Jahr ihr Ende finden könne. Wenige Tage zuvor hatte sich der Konzern noch pessimistischer gezeigt. „2010 sollten wir Anzeichen für einen Aufschwung sehen“, sagte Enders. Gerüchte, nach denen der Großraumflieger „A380“ Schwierigkeiten mache, wollte er nicht bestätigen. Airbus hat die angestrebten Auslieferungen in diesem Jahr von 20 auf 14 verringert, begründet dies aber nicht mit Verzögerungen in der Produktion, sondern mit dem Wunsch der Kunden nach späterer Auslieferung.

Zulieferer drosseln ihre Produktion

Im vergangenen Jahr habe niemand Airbus zugetraut, zwölf A380 auszuliefern, was Airbus dann aber doch gelungen sei, meinte Enders. Der Chef der Leasinggesellschaft ILFC, Steven Udvar-Hazy, der zehn A380 bestellt hat, kritisierte die Maschine vor kurzem als ungeeignet für die Krise. Für die Leasinggesellschaften seien die hohen Umrüstungskosten ungünstig, die nach dem Ende eines Leasingvertrages für die jeweils nächsten Kunden fällig würden. Auch verlange die A380 allgemein den Fluggesellschaften ein hohes Maß an Risikobereitschaft ab, denn die Maschine sei nur auf wenigen Langstrecken einsetzbar und daher sehr unflexibel. Bei Airbus wertet man die Äußerungen als Verhandlungstaktik, denn ILFC habe laut der Verträge die Möglichkeit, die Auslieferungen zu stornieren oder hinauszuzögern.

Airbus-Chef Enders sagte, dass er die Luftfahrtschau nutze, um den Zulieferern die Angst vor Auftragsverlusten zu nehmen. Er bestätigte, dass einige Zulieferer nicht den Prognosen des Flugzeugherstellers folgten, der in diesem Jahr ähnlich wie im Vorjahr rund 480 Flugzeuge ausliefern will. Aus Angst vor einem großen Lagerbestand drosselten daher einige Zulieferer vorsorglich ihre Produktion.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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