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Luft- und Raumfahrtskonzern EADS-Chef greift nach letztem Strohhalm

Um die vom Aus bedrohte Fusion mit der britischen BAE Systems zu retten, erklärt sich EADS-Chef Enders zu weitgehenden Garantien für deutsche Standorte und Arbeitsplätze bereit.

© AFP Harte Tour: EADS-Vorstandsvorsitzender Tom Enders wirbt bei Politikern in Berlin um Rückendeckung für ein Bündnis mit dem britischen Partner BAE.

Das Ringen um die Fusion der deutsch-französischen EADS-Gruppe und des britischen Rüstungsherstellers BAE Systems plc. entwickelt sich zum Nervenkrieg. Während von deutschen Politikern die Erfolgschancen für den geplanten Verbund als gering eingestuft werden, versucht Tom Enders, der Vorstandsvorsitzende des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, sein Vorhaben mit weitreichenden Zusagen zu retten. „Ich bin so überzeugt von unserem Projekt“, sagte er am Donnerstag der „Bild“-Zeitung, „dass ich bereit bin, über attraktive Arbeitsplatz- und Standortgarantien zu sprechen, die ich für die EADS so nicht in Betracht ziehen könnte“.

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Aus Regierungskreisen in Deutschland heißt es, dass die Gespräche zwischen den Beteiligten weiter laufen. Als wichtiger Punkt gilt die Frage, wie die Staaten an dem neuen Konzern beteiligt sind. Das Bundeswirtschaftsministerium würde es bevorzugen, wenn kein Staat an dem Unternehmen Anteile halte, heißt es in Berlin. Der Vorteil einer Fusion läge gerade darin, dass der französische Einfluss auf das Unternehmen sinke.

Ungeklärte Standortfragen

Für wichtiger als Anteile hält der CSU-Abgeordnete Reinhard Brandl, Mitglied im Verteidigungsausschuss, Standorte und Arbeitsplätze, die über verlängerte Werkbänke hinausgehen. „Es wäre wünschenswert, wenn Deutschland im gleichen Maßstab einen finanzielle Beteiligung am neuen Konzern erhalten würde“, sagte Brandl der F.A.Z. „Aber die Fusion sollte daran nicht scheitern.“ Er verlangt eine Zentrale in Deutschland, um auf Augenhöhe mit Frankreich und Großbritannien zu sein. „Diese Zentrale ist wichtiger als Anteile.“

Dem stellvertretenden Unionsfraktionsvorsitzenden Michael Fuchs (CDU) wäre es am liebsten, wenn sich Staaten aus dem Konzern heraushielten. „Ich bin froh, dass es eine Möglichkeit gibt für EADS, sich mit jemanden zusammenzuschließen, um die Mengen zu erhöhen“, sagte er dieser Zeitung. Aber wenn Frankreich weiter Anteile halte und Einfluss nehme, müsse man um deutsche Standorte und Arbeitsplätze besorgt sein. „Klar ist, wenn die Franzosen dabeibleiben wollen, wird uns nicht anderes übrig bleiben, als das auch so zu machen. Sonst räumen die Franzosen den Standort Deutschland ab.“

EADS: Ohne Fusion droht erheblicher Stellenabbau

Der FDP-Fraktionsvize Martin Lindner befürwortet die Fusion, aber fürchtet, dass Spitzentechnologie das Land verlassen könnte. „Meine Sorge ist, dass der Rüstungsanteil am Unternehmen zwischen Frankreich und Großbritannien aufgeteilt wird.“ Relevante Teile der Rüstungssparte sollten ihren Sitz und Geschäftsfeld in Deutschland haben. „Ich möchte nicht, dass wir vom Ausland in Schlüsselindustrien völlig abhängig sind.“

Genug Sorgen bleiben in Berlin auszuräumen. So hofft EADS vor allem die Bundesregierung noch überzeugen zu können. Sie müsse entscheiden, ob sie Rüstungsarbeitsplätze im Land erhalten wolle, heißt es in Unternehmenskreisen. Ohne die Fusion drohe erheblicher Stellenabbau, weil es an Aufträgen für deutschen Standorte fehle. Der Zusammenschluss würde eine Auslastung durch neue internationale Aufträge ermöglichen.

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London und Paris sollen diese Auffassung inzwischen weitgehend teilen. Wie es in Pariser Rüstungskreisen am Donnerstag hieß, habe sich die französische Regierung mit EADS schon auf etliche Vereinbarungen geeinigt, etwa in Bezug auf den Umgang mit französischen Atomwaffen. Der Elysée-Palast soll allerdings auf Mitspracherechte bei Strategiefragen bestehen. Ob und inwieweit London und Berlin das akzeptieren wollen, ist unklar. Darüber hinaus wolle die britische Seite eine reine Finanzbeteiligung der französischen Regierung wohl akzeptieren, falls diese nicht mit Sonderrechten verknüpft wird, heißt es weiter.

Dennoch sehen die Unternehmen die größten Hürden für das Vorhaben in Berlin. Die zum Zusammenschluss bereiten Konzerne plädieren gegenüber der Bundesregierung dafür, gegenüber Frankreich eine gewisse Großzügigkeit zu zeigen. Man müsse anerkennen, dass Frankreich seit Jahrzehnten mehr in die Luft- und Raumfahrt sowie in das Verteidigungsgeschäft investiert habe als Deutschland. Als langjähriger „Akteur in der dritten Reihe“ könne man daher nicht plötzlich in die erste Reihe vorstoßen.

Forderungen einiger Unions-Abgeordneter nach einer Verlagerung des EADS-Hauptquartiers sowie des Zentrums für Raumfahrt und Hubschrauber nach Deutschland seien unrealistisch. Der stolzen Raumfahrtnation Frankreich, die seit Jahren etwa federführend in Französisch-Guyana die Starts der europäischen Trägerrakete Ariane durchführt, sei dies nicht zuzumuten. Es sollte auch bedacht werden, dass Frankreich außer der Luft- und Raumfahrtbranche und einer angeschlagenen Autoindustrie kaum mehr über industrielle Kapazitäten verfüge.

Quelle: F.A.Z.

 
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