05.03.2010 · Seit gut einem halben Jahr streiten die Käuferstaaten mit dem Luftfahrtkonzern EADS darüber, wie die exorbitant gestiegen Kosten des Militärfrachters aufgeteilt werden sollen. Jetzt ist eine Lösung gefunden worden.
Von Stephan Löwenstein und Rüdiger Köhn, Berlin und MünchenNach monatelangen Verhandlungen ist eine Lösung für das deutlich verspätete und erheblich verteuerte Militärtransportflugzeug Airbus A 400M gefunden worden. Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS kann mit seiner Tochtergesellschaft Airbus Military Systems (AMSL) das Projekt fortsetzen. Doch werden die damit verbundenen Zusatzlasten im Geschäftsjahr 2009 zum Verlust eines schätzungsweise hohen dreistelligen Millionenbetrags führen.
Die Grundsatzvereinbarung haben am Freitag die zuständigen Staatssekretäre der sieben Bestellnationen sowie der EADS-Vorstandsvorsitzende Louis Gallois und der AMSL-Chef Domingo Ureña-Raso unterschrieben. Zu den ursprünglich als Festpreis vereinbarten Kosten von 20 Milliarden Euro für 180 Flugzeuge zahlen die sieben Länder - Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Belgien, die Türkei und Luxemburg - zusätzlich 2 Milliarden Euro. Weitere 1,5 Milliarden Euro gelten als Exportkredite, die bei etwaigen künftigen Exporterlösen von EADS zurückgezahlt werden sollen. Die weiteren Mehrkosten trägt der Hersteller. Die Käufer verzichten auf Strafzahlungen, die eigentlich wegen der Verspätung um bis zu vier Jahren fällig wären. Sie sind sogar bereit, vorab mehr Geld zu geben. Die Grundsatzeinigung soll in den kommenden Wochen - unter dem Vorbehalt der Billigung durch die nationalen Parlamente - in den Vertrag eingearbeitet werden.
Die Rückstellungen summieren sich so auf rund 4,3 Milliarden Euro
In das Unternehmensergebnis von EADS reißt die Einigung ein großes Loch. Wie der Konzern am Freitagabend nach Börsenschluss miteilte, müssen aufgrund der nun getroffenen Regelung zusätzlich Rückstellungen in Höhe von 1,8 Milliarden Euro gebildet werden. Die Rückstellungen für das Projekt summieren sich so auf rund 4,3 Milliarden Euro, da EADS zuvor schon mit 2,5 Milliarden Euro in der Bilanz vorgesorgt hatte. Damit fielen das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie das Ergebnis nach Steuern negativ aus, hieß es in der Mitteilung.
Details sollen erst auf der Bilanzpressekonferenz am nächsten Dienstag genannt werden. Allerdings dürfte der Ebit-Verlust einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erreichen. Ein solches Ausmaß der Zusatzlasten wurde schon in den vergangenen Wochen erwartet, als sich die nun besiegelte Einigung abzeichnete. „EADS sieht diese Einigung als solide Grundlage für eine erfolgreiche Entwicklung des A 400MProgramms“, hieß es nun in der Erklärung des Konzerns.
Der erste A 400M an die Bundeswehr
Deutschland ist mit 60 bestellten Flugzeugen größter Abnehmer. Statt im Herbst dieses Jahres soll nun 2014 der erste A 400M an die Bundeswehr ausgeliefert werden. Entsprechend länger muss die Luftwaffe die alten „Transall“-Transporter aus den sechziger Jahren nutzen. Man habe sich auch „bezüglich der technischen Leistungsparameter“ einigen können.
So bleibt es bei der Zusage, dass das Flugzeug einen der neuen Schützenpanzer „Puma“ transportieren kann. Auf andere Leistungen, die ursprünglich versprochen worden waren, werden die Abnehmer dem Vernehmen nach zumindest vorerst verzichten. Das gilt etwa für die Fähigkeit der Flugzeuge, im Tiefflug Geländekonturen zu folgen, um feindlichem Radar zu entgehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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