13.06.2005 · Im Zeichen des europäisch-amerikanischen Wettbewerbs am Himmel beginnt an diesem Montag die Luftfahrtausstellung von Le Bourget. Anders als vor zwei Jahren auch wieder mit amerikanischen Militärs und Unternehmen.
Im Zeichen des europäisch-amerikanischen Wettbewerbs am Himmel beginnt an diesem Montag die Luftfahrtausstellung von Le Bourget. Anders als vor zwei Jahren, als amerikanische Militärs und Unternehmen wegen der französischen Haltung zum Irak-Krieg der Veranstaltung fernblieben, trifft sich am Rande von Paris wieder alles, was Rang und Namen hat. Die Zahl der Aussteller aus 45 Ländern stieg um 11 Prozent auf mehr als 1900, weshalb man zusätzlich eine 3000 Quadratmeter große Halle bereitstellte. Die Attraktionen dieses alle zwei Jahre im Wechsel mit dem südenglischen Farnborough stattfindenden Luftfahrtsalons sind freilich immer im Freien zu finden: Keine Maschine dürfte dabei dem Großraumflieger A380 die Schau stehlen. "Es ist gut möglich, daß er jeden Tag fliegt", kündigte der Ausstellungsleiter Louis Le Portz in der vergangenen Woche die Ankunft des europäischen Vorzeigemodells an, das bisher mehr als 100 Stunden Testflüge absolviert hat.
Erzrivale Boeing präsentiert das Langstreckenflugzeug 777-240 LR, das weiter fliegt als alle kommerziellen Maschinen. Der amerikanische Hersteller wird auch nicht mit der Meldung hinter dem Berg halten, daß er in diesem Jahr bei den Bestellungen bisher deutlich vor Airbus liegt, nicht zuletzt dank des Erfolges seines "Dreamliners" 787, demgegenüber die Antwort von Airbus in Gestalt des A350 hinterherhinkt. Der industrielle Startschuß für den jüngsten Airbus, der etwas kleiner ist als der A380, sollte eigentlich auf diesem Luftfahrtsalon fallen. Unlängst räumte Airbus ein, daß bis dahin voraussichtlich noch drei Monate vergehen.
Zweikampft im Rampenlicht
In Le Bourget wird der Zweikampf von Airbus und Boeing wie selten zuvor ins Rampenlicht gezerrt. Im Subventionsstreit steuert man auf einen neuen Zusammenprall zu. Und beide Unternehmen haben auch noch mit Führungskrisen zu kämpfen. Boeing hat noch keinen Nachfolger für den im März überraschend gefeuerten Harry Stonecipher gefunden; Airbus leidet unter dem deutsch-französischen Machtkampf beim Mehrheitsaktionär EADS. Der Deutsche Gustav Humbert, der als aussichtsreichster Kandidat gilt, ist daher noch nicht zum Airbus-Chef ernannt worden. EADS mußte daraufhin ein lange geplantes Presseseminar absagen.
Die Querelen auf Unternehmensebene dürften jedoch nicht die allgemein gute Stimmung in der Branche überdecken. In der zivilen Luftfahrt freuen sich die Akteure über eine verstärkte Nachfrage, der man auch wieder steigende Ticketpreise entgegensetzen kann: Nach Angaben der International Air Transport Association nahm der internationale Linienverkehr in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 8,7 Prozent zu. Neue Großaufträge werden etwa aus dem Mittleren Osten erwartet. Vor zwei Jahren schon sorgte die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai mit einer Gesamtbestellung von 19 Milliarden Dollar für die größten Schlagzeilen. Als möglich gilt, daß es in diesem Jahr neue Aufträge im Segment des Airbus 350 oder der Boeing 787 gibt. Auch Qatar Airways aus Doha ist ein potentieller Käufer des A350. Die Fluggesellschaften aus den ölreichen Staaten des Mittleren Osten treiben ehrgeizige Investitionsprogramme voran, angetrieben durch den wachsenden Tourismus.
Rüstungshersteller in guter Laune
Auch bei den Rüstungsherstellern herrscht weitgehend gute Laune. Sie weisen darauf hin, daß die weltweiten Verteidigungsausgaben im vergangenen Jahr laut des Internationalen Friedensforschungs-Instituts in Stockholm die Grenze von einer Milliarde Dollar überschritten und damit fast das Rekordniveau von 1987-1988 erreicht haben.
In Europa stagnieren die staatlichen Ausgaben zwar. Doch versuchen die europäischen Hersteller, in den Vereinigten Staaten, einen Fuß in die Tür zu bekommen: Viel Aufmerksamkeit wird in Le Bourget dabei dem Boeing-Tankflugzeug 767-300 zukommen, das aufgrund eines Bestechungsskandals bei Boeing zeitweise aus dem Wettbewerb des amerikanischen Verteidigungsministeriums ausgeschlossen wurde.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2478 | −0,09% |
| Rohöl Brent Crude | 106,31 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
Anonym bewerben? Ist das gut?